Die Große Bertelsmann Lexikothek Wert
Ach, die Große Bertelsmann Lexikothek! Allein der Name klingt schon nach Sonntag, nach Geborgenheit und dem Geruch von altem Papier. Wer erinnert sich nicht daran, wie sie im Regal stand, diese stattliche Sammlung, Rücken an Rücken, wie eine bunte Armee des Wissens? Für manche war sie ein Statussymbol, für andere ein Familienheiligtum, für wieder andere einfach nur ein beeindruckendes Möbelstück.
Aber mal ehrlich, wie viele von uns haben die Dinger wirklich gelesen? Klar, wir haben sie bestaunt, durchgeblättert, vielleicht mal nach dem Unterschied zwischen einem Iltis und einem Frettchen gesucht (ich sage: "Viel Glück!") oder versucht, uns die komplizierten Stammbäume europäischer Königshäuser einzuprägen. Aber von A bis Z? Wohl eher selten.
Und genau da fängt der Spaß an. Denn die Lexikothek ist mehr als nur ein Nachschlagewerk. Sie ist ein Spiegel unserer Vergangenheit, unserer Hoffnungen und Träume. Sie erzählt die Geschichte einer Zeit, in der das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und Wissen noch in dicken, schweren Büchern gehütet wurde. Eine Zeit, in der man sich noch Zeit nahm, um Dinge nachzuschlagen, sich von Querverweisen überraschen zu lassen und sich in den Tiefen des Wissens zu verlieren.
Was ist sie denn jetzt Wert?
Die Frage aller Fragen! Und die Antwort ist... kompliziert. Finanziell gesehen hat die Lexikothek heute nicht mehr den Wert, den sie einst hatte. Das Internet hat sie schlichtweg überflüssig gemacht. Informationen, die früher mühsam in Büchern gesucht werden mussten, sind heute mit wenigen Klicks verfügbar.
Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Denn der wahre Wert der Großen Bertelsmann Lexikothek liegt nicht im Geld, sondern in den Erinnerungen, die sie weckt. Sie ist ein Stück Kindheit, ein Stück Familiengeschichte, ein Stück analoge Welt in einer digitalen Zeit. Sie ist der Beweis dafür, dass Wissen mehr ist als nur Information; dass es um das Entdecken, das Lernen und das Verstehen geht.
Ich erinnere mich noch gut, wie mein Opa, ein glühender Verehrer der Lexikothek, mir stundenlang aus ihr vorgelesen hat. Geschichten über ferne Länder, über seltsame Tiere, über berühmte Persönlichkeiten. Er hat mir die Welt erklärt, Buchstabe für Buchstabe. Und auch wenn ich heute vieles davon vergessen habe, so erinnere ich mich doch an das Gefühl, mit ihm in die Welt des Wissens einzutauchen. Das ist unbezahlbar.
Anekdoten aus dem Lexikon-Dschungel
Jeder, der eine Lexikothek besessen hat, hat auch seine eigenen kleinen Geschichten zu erzählen. Von der Suche nach dem perfekten Referatsthema, das natürlich erst in letzter Minute gefunden wurde. Von den hitzigen Diskussionen am Esstisch, wenn es darum ging, wer Recht hatte. Oder von dem Moment, als man endlich herausfand, was ein Oxymoron ist (und es sofort in jedem Gespräch eingebaut hat).
Und wer hat nicht schon mal versucht, die Lexikothek als Geheimbasis für seine Spielsachen zu nutzen? Zwischen den dicken Bänden ließen sich hervorragend kleine Festungen bauen, Geheimverstecke anlegen oder einfach nur ein gemütlicher Rückzugsort schaffen. Die Lexikothek war eben mehr als nur ein Buch – sie war ein Spielplatz für die Fantasie.
Auch die kuriosen Einträge und die manchmal etwas veralteten Informationen sorgten für Schmunzeln. Da wurde dann der Walkman als bahnbrechende Technologie gefeiert oder der Computer als Luxusgut beschrieben. Und wer weiß, vielleicht findet sich ja auch noch ein Eintrag über die CD-ROM, die ja bekanntlich die Welt verändern sollte.
„Die Große Bertelsmann Lexikothek: Ein Monument des Wissens, ein Tor zur Welt, ein Staubfänger im Regal.“
Mehr als nur ein Staubfänger
Natürlich ist die Lexikothek heute nicht mehr so relevant wie früher. Aber das bedeutet nicht, dass sie wertlos ist. Sie ist ein Zeitzeuge, ein Stück Kulturgeschichte, ein Denkmal für eine Ära, in der Wissen noch mit Mühe und Hingabe erworben wurde. Und sie ist vor allem eines: Ein Erinnerungsstück an die eigene Kindheit und an die Menschen, die uns die Welt erklärt haben.
Also, stauben Sie Ihre Große Bertelsmann Lexikothek ruhig mal wieder ab. Blättern Sie darin herum, lassen Sie sich von den Bildern inspirieren und erinnern Sie sich an die Geschichten, die sie erzählt. Vielleicht entdecken Sie ja sogar etwas Neues. Und wenn nicht, dann haben Sie zumindest ein gutes Gefühl, weil Sie ein Stück Vergangenheit bewahren.
Und wer weiß, vielleicht ist die Lexikothek ja irgendwann wieder im Trend. Denn in einer Welt, die immer schneller und digitaler wird, sehnen sich viele Menschen nach Entschleunigung, nach Beständigkeit und nach dem Geruch von altem Papier. Dann wird die Große Bertelsmann Lexikothek vielleicht nicht mehr nur ein Staubfänger im Regal sein, sondern ein wertvolles Gut, ein Schatz der Erinnerung und ein Symbol für eine Zeit, in der Wissen noch etwas Besonderes war.
