Die Kirschen Wolfgang Borchert Text
Hallo liebe Reisefreunde! Setzt euch bequem hin, schnappt euch eine Tasse Kaffee oder Tee (oder vielleicht sogar ein Gläschen Kirschlikör?) und lasst mich euch von einer literarischen Entdeckung erzählen, die meine letzte Hamburg-Reise noch unvergesslicher gemacht hat. Es geht um eine kleine, aber unglaublich wirkungsvolle Geschichte: "Die Kirschen" von Wolfgang Borchert.
Vielleicht denkt ihr jetzt: Literatur-Tipps von einem Reiseblogger? Ja, genau! Denn ich bin fest davon überzeugt, dass das Eintauchen in die lokale Kultur und Geschichte eines Ortes die Reise erst richtig lebendig macht. Und Borcherts Werk ist wie ein Fenster in das Hamburg der Nachkriegszeit, eine Zeit des Wiederaufbaus, der Hoffnung und der tiefen Narben des Krieges. Aber keine Sorge, es wird nicht zu düster! Die Geschichte ist kurz, prägnant und berührt auf eine Art und Weise, die ich euch unbedingt nahebringen möchte.
Bevor ich euch mehr über die Geschichte erzähle, möchte ich kurz auf Wolfgang Borchert eingehen. Er war ein Hamburger Schriftsteller und Dichter, der viel zu früh, im Alter von nur 26 Jahren, verstarb. Sein Werk ist geprägt von seinen Erfahrungen im Zweiten Weltkrieg und der unmittelbaren Nachkriegszeit. Er schrieb über die Trümmer, die Armut und die seelischen Verletzungen, aber auch über die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Borchert war ein Meister der Kurzgeschichte, der mit wenigen Worten große Emotionen und Bilder erzeugen konnte. "Die Kirschen" ist ein Paradebeispiel dafür.
Die Geschichte: "Die Kirschen"
Die Geschichte ist denkbar einfach. Ein kleiner Junge, der namenlose Protagonist, beobachtet aus dem Fenster, wie seine Mutter Kirschen zubereitet. Er ist hungrig und sehnt sich nach den süßen, roten Früchten. Die Mutter verbietet ihm jedoch, zu naschen, da die Kirschen für den Kuchen bestimmt sind, den sie für den Besuch ihrer Freundin backt. Der Junge ist enttäuscht, aber er gehorcht. Als die Mutter kurz den Raum verlässt, kann er der Versuchung jedoch nicht widerstehen und stiehlt zwei Kirschen. Voller Schuldgefühl versteckt er die Kirschkerne im Garten. Als die Mutter ihn später fragt, ob er Kirschen gegessen hat, leugnet er. Die Geschichte endet mit dem Besuch der Freundin und dem Genuss des Kuchens, ohne dass die Mutter jemals von dem kleinen Diebstahl erfährt.
Auf den ersten Blick mag die Geschichte banal erscheinen. Ein Kind stiehlt Kirschen, leugnet und wird nicht entdeckt. Aber unter der Oberfläche brodelt es. Borchert erzählt von der Armut und dem Hunger der Nachkriegszeit, von der Verlockung und der Schuld, die ein Kind empfindet, und von der Notlüge, die aus Angst geboren wird. Die Kirschen werden zu einem Symbol für all das, was den Menschen in dieser Zeit fehlt und wonach sie sich sehnen.
Warum "Die Kirschen" berührt
Was mich an "Die Kirschen" so fasziniert, ist die Ehrlichkeit und Authentizität der Geschichte. Borchert glorifiziert nichts, er beschönigt nichts. Er zeigt einfach die Realität, wie sie war. Der kleine Junge ist kein Held, er ist einfach ein Kind, das Hunger hat und dem die Versuchung zu groß wird. Seine Schuldgefühle sind nachvollziehbar, seine Angst vor Bestrafung auch. Und die Mutter ist keine böse Hexe, sondern eine liebevolle Frau, die versucht, ihrem Kind das Beste zu bieten, obwohl sie selbst kaum etwas hat. Diese menschliche Wärme, trotz der widrigen Umstände, macht die Geschichte so berührend.
Ein weiterer Aspekt, der mir besonders gefällt, ist die Sprache Borcherts. Sie ist einfach, klar und schnörkellos, aber dennoch unglaublich poetisch. Er verwendet kurze Sätze und präzise Beschreibungen, die sofort Bilder im Kopf entstehen lassen. Man sieht den kleinen Jungen förmlich vor dem Fenster stehen, man riecht den Duft der Kirschen, man spürt seine Angst und seine Schuld. Borchert ist ein Meister der Andeutung, er sagt nicht alles explizit, sondern lässt den Leser vieles selbst interpretieren.
"Die Kirschen" in Hamburg entdecken
Wenn ihr nach Hamburg reist, empfehle ich euch unbedingt, euch mit dem Werk von Wolfgang Borchert auseinanderzusetzen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, dies zu tun. Ihr könnt zum Beispiel das Wolfgang-Borchert-Archiv besuchen, das sich im Literaturhaus Hamburg befindet. Dort könnt ihr Manuskripte, Briefe und Fotos von Borchert besichtigen und mehr über sein Leben und Werk erfahren. Oder ihr besucht das Ohnsorg-Theater, das regelmäßig Stücke von Borchert aufführt. Das Ohnsorg-Theater ist ein traditionsreiches Hamburger Volkstheater, das für seine Aufführungen in Plattdeutsch bekannt ist. Es ist eine tolle Möglichkeit, die Hamburger Kultur kennenzulernen und gleichzeitig Borcherts Werk zu erleben.
Aber auch ohne den Besuch einer speziellen Institution könnt ihr "Die Kirschen" in Hamburg entdecken. Macht einen Spaziergang durch die Trümmergrundstücke in der Stadt, die noch heute an die Zerstörungen des Krieges erinnern. Stellt euch vor, wie es war, in dieser Zeit zu leben, wie die Menschen versucht haben, inmitten der Trümmer ihr Leben wieder aufzubauen. Oder besucht einen der vielen Wochenmärkte in Hamburg und genießt die Vielfalt an frischen Lebensmitteln. Denkt dabei an den kleinen Jungen, der sich so sehr nach den Kirschen sehnt. Lasst euch von der Geschichte inspirieren und genießt die kleinen Dinge im Leben.
"Denn es ist ja alles ganz einfach. Solange man nicht lügt." – Wolfgang Borchert
Ich persönlich habe "Die Kirschen" auf einem kleinen Flohmarkt in der Nähe des Schanzenviertels entdeckt. Ich fand ein altes Buch mit Kurzgeschichten von Borchert und las die Geschichte zum ersten Mal. Ich war sofort gefesselt und berührt. Seitdem ist "Die Kirschen" für mich untrennbar mit Hamburg verbunden. Jedes Mal, wenn ich die Stadt besuche, denke ich an die Geschichte und an den kleinen Jungen, der sich so sehr nach den Kirschen sehnt.
Meine Empfehlung für eure Reise
Nehmt euch die Zeit, "Die Kirschen" zu lesen, bevor oder während eurer Reise nach Hamburg. Es ist eine kurze Geschichte, die aber einen großen Eindruck hinterlassen kann. Sie wird euch helfen, die Stadt und ihre Menschen besser zu verstehen. Und vielleicht entdeckt ihr ja auch euren eigenen kleinen "Kirschen"-Moment in Hamburg.
Hier noch ein paar praktische Tipps:
* Das Buch: "Die Kirschen" findet ihr in vielen Anthologien mit Kurzgeschichten von Wolfgang Borchert. Fragt in eurer Buchhandlung oder Bibliothek danach. * Online: Ihr könnt die Geschichte auch online lesen. Eine schnelle Google-Suche bringt euch zu verschiedenen Webseiten, die den Text anbieten. * Sprache: Die Geschichte ist relativ einfach geschrieben und eignet sich auch für Deutschlerner.Ich hoffe, meine kleine literarische Reiseempfehlung hat euch gefallen! Lasst mich wissen, wenn ihr "Die Kirschen" gelesen habt und wie sie euch gefallen hat. Und wenn ihr weitere Tipps für Hamburg habt, immer her damit! Ich freue mich auf eure Kommentare und Anregungen.
Bis bald und eine gute Reise!
