Die Küchenuhr Von Wolfgang Borchert
Hallo liebe Reisefreunde! Heute nehme ich euch mit auf eine kleine, aber sehr berührende Reise – nicht zu einem fernen Strand oder einer pulsierenden Metropole, sondern zu einem unscheinbaren Gegenstand, der eine immense Bedeutung trägt: Die Küchenuhr von Wolfgang Borchert. Genauer gesagt, zu dem Gefühl, das sie auslöst, wenn man sich mit ihr auseinandersetzt. Denn die Geschichte, die Borchert in seiner Kurzgeschichte erzählt, ist viel mehr als nur die Beschreibung einer Uhr; sie ist ein Spiegel der Nachkriegszeit, der Sehnsucht und der Hoffnung, die auch heute noch in uns widerhallen.
Meine Begegnung mit der Küchenuhr
Ich erinnere mich noch genau an den Tag, als ich das erste Mal bewusst auf die Küchenuhr aufmerksam wurde. Ich war in Hamburg, Borcherts Heimatstadt, unterwegs und besuchte das Literaturhaus. Dort gab es eine kleine Ausstellung über sein Leben und Werk. Zwischen alten Fotos, Briefen und Manuskripten stand sie dann, die berühmte Küchenuhr. Eine einfache, schlichte Uhr mit einem weißen Zifferblatt und schwarzen Zahlen. Sie wirkte unscheinbar, fast schon banal. Aber als ich die Kurzgeschichte dazu las, wurde mir klar, dass diese Uhr viel mehr ist als nur ein Zeitmesser.
Die Geschichte handelt von einem jungen Mann, der aus dem Krieg zurückkehrt und feststellt, dass alles, was er kannte, zerstört ist. Sein Zuhause existiert nicht mehr, seine Eltern sind tot. Das Einzige, was ihm von seiner Vergangenheit geblieben ist, ist die Küchenuhr seiner Mutter. Eine einfache, billige Küchenuhr, die immer an der Wand hing und die er nun krampfhaft an sich drückt. Die Uhr ist ein Symbol für die verlorene Heimat, für die verlorene Familie, für die verlorene Geborgenheit.
Die Bedeutung der Uhr
Was die Küchenuhr so besonders macht, ist ihre Symbolkraft. Sie steht für die kleine, unscheinbare Dinge, die im Leben oft die größte Bedeutung haben. Sie erinnert uns daran, dass es nicht die großen, spektakulären Ereignisse sind, die unser Leben ausmachen, sondern die kleinen, alltäglichen Momente. Die gemeinsame Mahlzeit am Küchentisch, das Gespräch mit der Mutter, das Lachen der Geschwister. All diese Momente sind es, die uns prägen und die uns Halt geben, wenn wir alles andere verlieren.
Die Uhr ist aber auch ein Symbol für die Hoffnung. Denn obwohl der junge Mann alles verloren hat, gibt er nicht auf. Er hält an der Erinnerung an seine Familie fest und versucht, sich ein neues Leben aufzubauen. Die Küchenuhr ist sein Anker in der trostlosen Realität der Nachkriegszeit. Sie erinnert ihn daran, dass es eine Zeit gab, in der alles gut war, und dass es vielleicht auch wieder eine Zeit geben wird, in der er glücklich sein kann.
"Die Zeit steht still. Sie ist stehen geblieben. Sie ist immer stehen geblieben, sagte er."Dieser Satz aus der Kurzgeschichte hat mich besonders berührt. Er beschreibt auf so eindringliche Weise die Lähmung, die der Krieg bei vielen Menschen ausgelöst hat. Die Zeit scheint stehen geblieben zu sein, weil alles, was war, unwiederbringlich verloren ist. Aber gleichzeitig birgt dieser Satz auch eine Hoffnung, denn er impliziert, dass die Zeit irgendwann wieder weiterlaufen wird.
Meine Reise durch Hamburg auf den Spuren Borcherts
Nachdem ich die Ausstellung im Literaturhaus besucht hatte, beschloss ich, mich auf die Spuren Borcherts in Hamburg zu begeben. Ich besuchte den Stadtteil Eppendorf, wo er aufgewachsen ist, und das Ohlsdorfer Friedhof, wo seine Mutter begraben liegt. Ich wanderte durch die Straßen und Gassen und versuchte, mir vorzustellen, wie es hier nach dem Krieg ausgesehen haben muss. Die Zerstörung, die Armut, die Hoffnungslosigkeit.
Besonders beeindruckend war der Besuch des Mahnmals St. Nikolai, einer Kirche, die im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört wurde. Die Ruine dient heute als Mahnmal gegen den Krieg. Als ich dort stand und die Trümmer betrachtete, wurde mir noch einmal bewusst, wie viel Leid der Krieg über die Menschen gebracht hat. Und wie wichtig es ist, dass wir uns an diese Zeit erinnern, damit sich solche Gräueltaten nicht wiederholen.
In St. Pauli, in der Herbertstraße, lebte Borchert zeitweise. Auch dieser Stadtteil spiegelt die Zerrissenheit der Nachkriegszeit wider. Auf der einen Seite das Elend und die Prostitution, auf der anderen Seite der Überlebenswille und die Sehnsucht nach einem besseren Leben.
Tipps für deine Reise nach Hamburg
Wenn du selbst nach Hamburg reist und dich für das Leben und Werk von Wolfgang Borchert interessierst, kann ich dir folgende Orte empfehlen:
- Das Literaturhaus Hamburg: Hier findest du eine Dauerausstellung über Borchert und seine Zeit.
- Das Ohlsdorfer Friedhof: Besuche das Grab seiner Mutter und gedenke der Opfer des Krieges.
- Das Mahnmal St. Nikolai: Ein beeindruckendes Zeugnis der Zerstörung Hamburgs im Zweiten Weltkrieg.
- Den Stadtteil Eppendorf: Hier kannst du auf den Spuren seiner Kindheit wandeln.
- Das Museum für Hamburgische Geschichte: Hier findest du Exponate zur Geschichte Hamburgs, darunter auch zur Nachkriegszeit.
Die Küchenuhr – Mehr als nur eine Geschichte
Die Küchenuhr von Wolfgang Borchert ist mehr als nur eine Kurzgeschichte. Sie ist ein zeitloses Werk, das uns auch heute noch etwas zu sagen hat. Sie erinnert uns daran, dass es die kleinen Dinge im Leben sind, die wirklich zählen. Sie mahnt uns, den Frieden zu bewahren und die Erinnerung an die Opfer des Krieges wachzuhalten. Und sie gibt uns die Hoffnung, dass auch nach den dunkelsten Zeiten wieder eine bessere Zukunft kommen kann.
Ich hoffe, meine kleine Reise in die Welt der Küchenuhr hat euch gefallen und euch inspiriert, euch selbst mit diesem bewegenden Werk auseinanderzusetzen. Vielleicht nehmt ihr euch beim nächsten Hamburg-Besuch etwas Zeit, um auf den Spuren Borcherts zu wandeln und euch von der Atmosphäre der Stadt einfangen zu lassen. Es lohnt sich!
Und vergesst nicht: Die Küchenuhr ist überall. Sie hängt vielleicht nicht an eurer Wand, aber sie existiert in euren Erinnerungen, in euren Werten und in eurer Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Haltet sie fest!
Bis zum nächsten Mal und bleibt reiselustig!
