Die Nächte Der Langen Messer
Die „Nacht der langen Messer“, auch bekannt als „Röhm-Putsch“, ist ein düsteres Kapitel der deutschen Geschichte. Für Expats, Neuankömmlinge und alle, die sich ein umfassendes und neutrales Bild von diesem Ereignis machen möchten, bietet dieser Artikel eine detaillierte Aufarbeitung.
Was war die Nacht der langen Messer?
Die „Nacht der langen Messer“ (30. Juni bis 2. Juli 1934) war eine Welle politisch motivierter Morde, die vom NS-Regime unter Adolf Hitler durchgeführt wurde. Ziel der Aktion war die Ausschaltung vermeintlicher und tatsächlicher Gegner innerhalb und außerhalb der NSDAP. Besonders betroffen war die Sturmabteilung (SA), deren Führungsebene um Ernst Röhm ermordet wurde. Aber auch konservative Politiker, ehemalige Gegner Hitlers und sogar unbeteiligte Personen fielen der Säuberungsaktion zum Opfer.
Die Bezeichnungen
Die Bezeichnung „Nacht der langen Messer“ ist eine Anspielung auf die brutale und heimtückische Vorgehensweise der Täter. Der Begriff wurde erstmals im Nachhinein von Beteiligten und Beobachtern verwendet und hat sich seither eingebürgert. Der Begriff „Röhm-Putsch“ ist irreführend, da Ernst Röhm und die SA keinen Putsch planten. Die Bezeichnung wurde von der NS-Propaganda genutzt, um die Morde zu rechtfertigen.
Der Hintergrund der Ereignisse
Um die „Nacht der langen Messer“ zu verstehen, ist es wichtig, die politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit zu beleuchten:
- Die Machtergreifung der NSDAP: Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 etablierte die NSDAP rasch eine totalitäre Diktatur.
- Die Rolle der SA: Die SA war die paramilitärische Organisation der NSDAP und maßgeblich an der Durchsetzung der nationalsozialistischen Ideologie beteiligt. Sie spielte eine wichtige Rolle bei der Einschüchterung politischer Gegner und der Etablierung des NS-Regimes.
- Der Konflikt zwischen SA und Reichswehr: Die SA unter Ernst Röhm forderte eine "zweite Revolution", die die bestehende soziale Ordnung grundlegend verändern sollte. Röhm strebte die Integration der SA in die Reichswehr an und beanspruchte für sich selbst den Posten des Reichswehrministers. Diese Forderung stieß auf heftigen Widerstand innerhalb der Reichswehrführung, die ihre Autonomie und ihren Einfluss gefährdet sah.
- Der Druck durch die Wirtschaft: Auch einflussreiche Wirtschaftskreise drängten auf eine Stabilisierung der politischen Verhältnisse. Die radikalen Forderungen der SA und die damit verbundene Unsicherheit wurden als Bedrohung für die wirtschaftliche Entwicklung angesehen.
- Hitlers Machterhalt: Hitler befand sich in einer Zwickmühle. Einerseits verdankte er der SA einen Großteil seiner Macht, andererseits war er auf die Unterstützung der Reichswehr und der Wirtschaft angewiesen, um seine politischen Ziele zu erreichen.
Der Ablauf der „Nacht der langen Messer“
Die Ereignisse der „Nacht der langen Messer“ waren minutiös geplant und wurden mit großer Brutalität durchgeführt:
- Vorbereitung: Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich und andere NS-Funktionäre bereiteten die Mordaktion im Geheimen vor. Sie erstellten Listen mit den Namen der Personen, die ermordet werden sollten.
- Verhaftungen: Am 30. Juni 1934 begannen SS-Einheiten mit der Verhaftung von SA-Führern in ganz Deutschland. Ernst Röhm wurde in einem Hotel in Bad Wiessee festgenommen.
- Morde: Zahlreiche SA-Führer wurden ohne Gerichtsverfahren ermordet. Ernst Röhm wurde zunächst inhaftiert und dann auf Hitlers Befehl hin erschossen. Auch andere prominente Gegner des NS-Regimes, wie der ehemalige Reichskanzler Kurt von Schleicher und seine Frau, fielen der Mordaktion zum Opfer.
- Legitimierung: Die NS-Propaganda versuchte, die Morde als Notwehr gegen einen angeblichen Putsch der SA darzustellen. Hitler rechtfertigte die Morde vor dem Reichstag und behauptete, er habe das deutsche Volk vor einem drohenden Bürgerkrieg bewahrt.
Die Opfer der „Nacht der langen Messer“
Die genaue Zahl der Opfer der „Nacht der langen Messer“ ist bis heute nicht vollständig geklärt. Schätzungen gehen von 85 bis über 200 Toten aus. Zu den bekanntesten Opfern gehören:
- Ernst Röhm: Chef der SA und enger Vertrauter Hitlers.
- Kurt von Schleicher: Ehemaliger Reichskanzler und Kritiker des NS-Regimes.
- Gregor Strasser: Ehemaliger NSDAP-Funktionär und politischer Gegner Hitlers.
- Gustav Ritter von Kahr: Ehemaliger bayerischer Ministerpräsident, der am Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 beteiligt war.
- Edmund Heines: SA-Obergruppenführer.
Die Folgen der „Nacht der langen Messer“
Die „Nacht der langen Messer“ hatte weitreichende Folgen für das NS-Regime und die deutsche Gesellschaft:
- Festigung der Macht Hitlers: Durch die Ausschaltung der SA-Führung und anderer potenzieller Gegner festigte Hitler seine Machtposition und eliminierte interne Konkurrenz.
- Stärkung der SS: Die SS unter Heinrich Himmler profitierte von der Schwächung der SA und wurde zur mächtigsten Organisation im NS-Staat.
- Unterordnung der Reichswehr: Die Reichswehr billigte die Morde und sicherte Hitler ihre Loyalität. Damit war der Weg für die Aufrüstung der Wehrmacht und die expansionistische Politik des NS-Regimes geebnet.
- Verlust des Rechtsstaates: Die „Nacht der langen Messer“ demonstrierte auf brutale Weise, dass im NS-Staat Recht und Gesetz keine Rolle mehr spielten. Die Morde wurden nicht geahndet, sondern im Nachhinein legalisiert.
- Einschüchterung der Bevölkerung: Die Ereignisse der „Nacht der langen Messer“ schüchterten die Bevölkerung ein und trugen zur weiteren Verfestigung des NS-Regimes bei. Kritik und Widerstand wurden im Keim erstickt.
Die Bedeutung der „Nacht der langen Messer“ für heute
Die „Nacht der langen Messer“ ist ein Mahnmal für die Gefahren von politischem Extremismus, Gewalt und Rechtsbruch. Sie erinnert daran, wie schnell eine Demokratie in eine Diktatur abgleiten kann und wie wichtig es ist, die Grundwerte der Freiheit, der Rechtsstaatlichkeit und der Menschenwürde zu verteidigen. Für Expats und Neuankömmlinge in Deutschland ist das Wissen um dieses historische Ereignis von Bedeutung, um die deutsche Geschichte und die heutige politische Kultur besser zu verstehen.
Die Auseinandersetzung mit der „Nacht der langen Messer“ trägt dazu bei, ein Bewusstsein für die Mechanismen von Machtmissbrauch und politischer Manipulation zu schaffen. Sie erinnert uns daran, dass es die Pflicht jedes Einzelnen ist, sich gegen Unrecht und Unterdrückung zu stellen und für eine gerechtere und friedlichere Welt einzutreten.
Quellen und Weiterführende Informationen
Für eine vertiefende Auseinandersetzung mit der Thematik empfiehlt sich die Lektüre folgender Werke:
- Richard J. Evans, Das Dritte Reich – Aufstieg
- Hans Mommsen, Die Auflösung der Republik
- Karl Dietrich Bracher, Die deutsche Diktatur
Zusätzlich bieten zahlreiche Gedenkstätten und Museen in Deutschland Informationen und Ausstellungen zur Zeit des Nationalsozialismus und der „Nacht der langen Messer“. Informieren Sie sich lokal über entsprechende Angebote.
Es ist wichtig, sich mit dieser dunklen Periode der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen, um aus ihr zu lernen und die Zukunft aktiv mitzugestalten.
Die Ereignisse der Nacht der langen Messer sind ein trauriges und bedeutsames Kapitel der deutschen Geschichte, das uns alle angeht.
