Die Sage Von Romulus Und Remus
Willkommen in Rom, der Ewigen Stadt! Bevor Sie sich in die faszinierende Geschichte, die atemberaubende Architektur und das lebendige Leben stürzen, sollten Sie sich mit der Gründungslegende vertraut machen: der Sage von Romulus und Remus. Diese Geschichte ist nicht nur ein spannendes Märchen, sondern auch das Herzstück der römischen Identität und erklärt, warum Rom so ist, wie es ist. Machen Sie sich bereit für eine Reise in die Vergangenheit, voller Götter, Verrat und brüderlichem Zwist.
Die Vorgeschichte: Vom trojanischen Krieg zum Albanerreich
Die Geschichte von Romulus und Remus beginnt weit vor ihrer Geburt, mit dem trojanischen Prinzen Aeneas. Nach dem Fall Trojas floh Aeneas, der Sohn der Göttin Venus, nach Italien. Nach vielen Abenteuern gründete er die Stadt Lavinium. Sein Sohn Ascanius gründete später Alba Longa, eine Stadt, die lange Zeit die vorherrschende Macht in der Region war. Über viele Generationen herrschten hier Könige, bis es zu einer dramatischen Wendung kam.
Numitor war König von Alba Longa, doch sein Bruder Amulius stürzte ihn vom Thron. Um sicherzustellen, dass Numitor keine Erben zeugen konnte, die seinen Anspruch gefährden würden, zwang Amulius Numitors Tochter Rhea Silvia, eine Vestalin zu werden. Vestalinnen waren Priesterinnen der Göttin Vesta und zum Zölibat verpflichtet. Amulius glaubte, so jegliche Gefahr durch mögliche Nachkommen gebannt zu haben.
Mars und Rhea Silvia: Die göttliche Abstammung
Doch die Götter hatten andere Pläne. Der Kriegsgott Mars (Ares in der griechischen Mythologie) verliebte sich in Rhea Silvia und zeugte mit ihr Zwillinge: Romulus und Remus. Als Amulius von der Geburt der Kinder erfuhr, war er außer sich vor Wut. Er ließ Rhea Silvia ins Gefängnis werfen und befahl, die Zwillinge im Tiber zu ertränken.
Die Rettung durch die Wölfin
Die Diener, die den Befehl ausführen sollten, setzten die Babys in einem Korb auf dem Tiber aus, in der Hoffnung, dass sie ertrinken würden. Doch das Schicksal hatte andere Pläne. Der Korb strandete am Ufer des Flusses, unterhalb des Palatinhügels. Dort fand eine Wölfin, lateinisch lupa, die verlassenen Kinder. Anstatt sie zu fressen, säugte sie sie und zog sie auf. Diese Wölfin, die Lupa Capitolina, ist heute eines der bekanntesten Symbole Roms und findet sich auf zahlreichen Denkmälern und Souvenirs.
Neben der Wölfin half auch ein Specht, ebenfalls ein heiliges Tier des Mars, bei der Versorgung der Zwillinge. Schließlich fand der königliche Hirte Faustulus die Kinder und nahm sie mit zu sich nach Hause. Er und seine Frau Acca Larentia zogen Romulus und Remus auf, ohne ihre wahre Herkunft zu kennen.
Die Entdeckung ihrer Identität und die Rache an Amulius
Als Romulus und Remus heranwuchsen, entwickelten sie sich zu starken und mutigen jungen Männern. Sie waren natürliche Anführer und gewannen schnell eine große Anhängerschaft. Eines Tages gerieten Remus und einige Hirten von Numitor in Streit. Remus wurde gefangen genommen und zu Numitor gebracht. Während des Verhörs erkannte Numitor die Zeichen, die auf die königliche Abstammung von Remus hindeuteten. Zur gleichen Zeit erzählte Faustulus Romulus die Geschichte ihrer Aussetzung und enthüllte somit ihre wahre Identität.
Romulus und Remus schmiedeten einen Plan, um ihren Großvater Numitor zu rächen und Amulius zu stürzen. Mit der Hilfe ihrer Anhänger gelang es ihnen, Amulius zu töten und Numitor wieder auf den Thron von Alba Longa zu setzen. Damit war ihre Pflicht gegenüber Alba Longa erfüllt.
Die Gründung Roms: Ein Bruderkampf
Nachdem sie Numitor wieder auf den Thron gesetzt hatten, beschlossen Romulus und Remus, eine neue Stadt zu gründen, an dem Ort, an dem sie von der Wölfin gefunden worden waren. Doch sie gerieten in Streit darüber, wo genau die Stadt gebaut werden sollte und wer von ihnen die Herrschaft übernehmen sollte. Romulus bevorzugte den Palatinhügel, Remus den Aventinhügel. Um eine Entscheidung zu treffen, beschlossen sie, ein Augurium durchzuführen – die Beobachtung von Vogelflugmustern, um den Willen der Götter zu erfragen.
Remus behauptete, zuerst sechs Vögel gesehen zu haben, aber Romulus sah später zwölf. Beide beanspruchten den Sieg für sich, was zu einem heftigen Streit führte. In einigen Versionen der Geschichte verspottete Remus Romulus' Stadtmauer, indem er darüber sprang, um zu zeigen, wie leicht sie zu überwinden wäre. In anderen Versionen wurde er getötet, weil er sich über die heilige Grenze (Pomerium) hinweggesetzt hatte, die Romulus um die Stadt gezogen hatte.
Wie auch immer die genauen Umstände waren, Romulus tötete seinen Bruder Remus. Mit dem Tod seines Bruders wurde Romulus zum alleinigen Herrscher und gründete die Stadt Rom am 21. April 753 v. Chr., nach römischer Tradition. Er benannte die Stadt nach sich selbst – Roma.
Die Nachwirkungen: Romulus als König und Gott
Romulus wurde der erste König von Rom und regierte mit Weisheit und Stärke. Er etablierte viele wichtige Institutionen und Gesetze, die die Grundlage für die spätere römische Zivilisation bildeten. Er teilte die Bevölkerung in Patrizier (die Adligen) und Plebejer (das einfache Volk) ein. Er schuf den Senat, einen Rat von Ältesten, der ihn bei der Regierung beriet. Er etablierte das römische Militär und führte viele erfolgreiche Kriege.
Nach einer langen und erfolgreichen Regierungszeit verschwand Romulus auf mysteriöse Weise. Es gab Gerüchte, dass er von den Senatoren ermordet worden war, aber die offizielle Version war, dass er in den Himmel aufgefahren und zum Gott Quirinus geworden war. Dies verlieh Romulus einen göttlichen Status und festigte seinen Platz als legendärer Gründer Roms.
Die Bedeutung der Sage von Romulus und Remus
Die Sage von Romulus und Remus ist weit mehr als nur eine Gründungslegende. Sie ist ein Symbol für die römische Identität, die Werte und Ideale der römischen Kultur. Die Geschichte betont die Bedeutung von Mut, Stärke, Pflicht und dem Recht, Rom zu verteidigen, egal welchen Preis es fordert. Der Bruderkampf zwischen Romulus und Remus wird oft als Spiegelbild der internen Konflikte und Machtkämpfe in der römischen Geschichte interpretiert.
Die Wölfin, die Romulus und Remus säugte, ist zu einem mächtigen Symbol der mütterlichen Fürsorge, der Stärke und der Widerstandsfähigkeit geworden. Sie steht für die Fähigkeit Roms, Schwierigkeiten zu überwinden und zu gedeihen.
Wo man die Spuren der Legende in Rom findet
Auch heute noch können Sie in Rom die Spuren der Legende von Romulus und Remus verfolgen:
- Der Palatinhügel: Hier soll Romulus die Stadt gegründet haben. Sie können die Überreste der alten Hütten sehen, von denen angenommen wird, dass sie aus der Zeit Romulus' stammen.
- Die Lupa Capitolina: Die berühmte Bronzestatue der Wölfin mit den Zwillingen befindet sich in den Kapitolinischen Museen.
- Der Tiber: Wandern Sie am Ufer des Tibers entlang und stellen Sie sich vor, wie der Korb mit den Zwillingen ans Ufer gespült wurde.
- Das Forum Romanum: Obwohl es nicht direkt mit der Legende verbunden ist, war das Forum das Zentrum des politischen und sozialen Lebens in Rom und spiegelt die von Romulus gelegten Grundlagen wider.
Die Sage von Romulus und Remus ist ein faszinierender Einblick in die Ursprünge Roms und die Werte, die die römische Zivilisation geprägt haben. Wenn Sie durch die Straßen Roms schlendern, denken Sie an die Geschichte der Zwillinge, der Wölfin und des Bruderkampfes. Sie werden die Ewige Stadt mit neuen Augen sehen und ihre reiche Geschichte noch mehr zu schätzen wissen. Genießen Sie Ihren Aufenthalt in Rom!
