Die Weinenden Kinder Von Bragolin Wert
Habt ihr auch schon mal ein Bild gesehen, wo ein Kind weint? Meistens hängt es bei Oma im Flur oder staubt auf dem Flohmarkt vor sich hin. Es ist fast immer das gleiche Bild: Ein Bub oder ein Mädel, große Kulleraugen, dicke Tränen, ein leicht gequältes Gesichtchen. Die Bilder sind von Giovanni Bragolin, und sie sind berühmt – berüchtigt vielleicht sogar. Aber warum?
Der Maler mit den weinenden Kindern
Giovanni Bragolin war eigentlich Bruno Amadio. Er war ein italienischer Maler, der nach dem Zweiten Weltkrieg in Venedig gearbeitet hat. Dort malte er eine ganze Serie von Bildern mit weinenden Kindern. Warum gerade weinende Kinder? Vermutlich, weil sie etwas in den Betrachtern auslösen. Mitleid? Betroffenheit? Vielleicht auch einfach nur einen Stich ins Herz.
Die Bilder wurden schnell populär. Man konnte sie in Kaufhäusern kaufen, in Möbelhäusern, ja sogar auf Jahrmärkten. Plötzlich hing in fast jedem zweiten Wohnzimmer ein weinendes Kind. Sie waren der absolute Renner, der Inbegriff des bürgerlichen Geschmacks. Stell dir vor, deine Eltern oder Großeltern hatten so ein Bild im Wohnzimmer hängen – ziemlich wahrscheinlich, oder?
Der Fluch der weinenden Kinder
Und jetzt kommt der Knaller: In den 1980er Jahren gab es in Großbritannien eine Serie von mysteriösen Bränden. Und was war das Seltsame daran? Jedes Mal, wenn ein Haus abbrannte, blieb eins verschont: Das Bild des weinenden Kindes von Bragolin! Klingt gruselig, oder?
Die Boulevardpresse hatte natürlich sofort einen gefundenen Skandal. "Der Fluch der weinenden Kinder!" titelte eine Zeitung. Die Leute bekamen Angst. Sie warfen ihre Bilder weg, verbrannten sie (ironischerweise ohne dass die Feuer außer Kontrolle gerieten), oder versteckten sie im Keller. Ein regelrechter Hype entstand. Plötzlich waren die weinenden Kinder nicht mehr nur kitschig, sondern auch noch verflucht!
War da wirklich ein Fluch?
Naja, wahrscheinlich nicht. Die wissenschaftliche Erklärung ist viel simpler: Die Bilder waren auf einer stabilen, hitzebeständigen Pressspanplatte gedruckt. Bei einem Brand kann so eine Platte natürlich länger durchhalten als andere Gegenstände. Außerdem hingen die Bilder oft an Wänden, die durch das Feuer nicht direkt betroffen waren. Und da die Bilder so weit verbreitet waren, war es statistisch gesehen auch wahrscheinlich, dass bei einigen Bränden ein solches Bild unbeschadet blieb.
Trotzdem hält sich die Legende vom Fluch der weinenden Kinder hartnäckig. Und das macht die Geschichte ja auch erst so richtig spannend, oder? Eine schöne Anekdote: Ein Feuerwehrmann soll gesagt haben: "Ich gehe in kein Haus mehr, in dem ein weinendes Kind hängt!"
Die Ironie der Geschichte
Das wirklich Ironische an der ganzen Geschichte ist ja, dass die Bilder eigentlich dazu gedacht waren, Gefühle auszulösen. Sie sollten uns berühren, uns zum Nachdenken anregen. Und das haben sie ja auch geschafft – wenn auch auf eine etwas andere Art, als Bragolin sich das vielleicht vorgestellt hat.
Stell dir vor: Ein Maler malt Bilder von traurigen Kindern, um Mitgefühl zu erwecken. Jahrzehnte später werden diese Bilder zum Symbol für Unglück und Zerstörung. Das ist schon eine ziemlich bizarre Wendung, oder?
Die weinenden Kinder heute
Heute sind die Bilder von Bragolin wieder etwas in Vergessenheit geraten. Aber wenn man auf Flohmärkten oder in Second-Hand-Läden unterwegs ist, kann man sie immer noch finden. Und dann fragt man sich unweigerlich: War da wirklich was dran an dem Fluch? Oder ist es einfach nur ein kitschiges Bild mit einer lustigen Geschichte?
Egal was man glaubt, die Geschichte der weinenden Kinder von Bragolin ist auf jeden Fall unterhaltsam. Sie zeigt, wie schnell sich Meinungen ändern können, wie schnell aus Kitsch ein Gruselobjekt wird, und wie hartnäckig sich Legenden halten können. Und vielleicht ist das ja auch der wahre Wert dieser Bilder: Sie erzählen uns eine Geschichte, die mehr ist als nur ein bisschen Farbe auf Leinwand.
Also, wenn du das nächste Mal ein weinendes Kind auf einem Bild siehst, denk daran: Es ist vielleicht nicht nur Kitsch, sondern auch ein kleines Stück Popkultur-Geschichte. Und wer weiß, vielleicht bringt es dir ja Glück – oder auch nicht...
P.S.: Wenn dein Haus abbrennt, sag uns Bescheid, ob das Bild überlebt hat! 😉
