Die Wohnung Ist Unverletzlich
Okay, Leute, lasst uns über etwas reden, das jeder kennt, aber keiner so richtig ausspricht. "Die Wohnung ist unverletzlich." Klingt erstmal total ernst, oder? Ist es auch. Aber mal ehrlich...
Ich behaupte mal ganz frech: Die Wohnung ist *manchmal*… ein bisschen überbewertet. Ja, ich habe es gesagt!
Bevor ihr mich jetzt steinigt, hört mir zu. Natürlich, deine Wohnung ist dein Schloss. Dein Heiligtum. Dein Ort, wo du in Jogginghose rumlungern und Netflix bingewatchen kannst, ohne verurteilt zu werden. Absolute Grundrechte. Gar keine Frage.
Aber ist sie wirklich IMMER so heilig? Ich meine, denkt mal drüber nach.
Der Besuch, der einfach nicht geht
Da ist zum Beispiel der ungebetene Besuch. Oh, wie ich ihn hasse! Tante Erna ruft an: "Ich bin gerade in der Nähe, kann ich kurz vorbeikommen?" Kurz! Das bedeutet im Klartext: Drei Stunden Kaffeekränzchen mit Kuchen, den du eigentlich gar nicht magst. Aber du lässt sie rein, weil… "Die Wohnung ist unverletzlich". Du öffnest die Tür. Du bist verloren. Dein Samstag ist futsch.
Unpopuläre Meinung: Manchmal sollte man einfach sagen: "Sorry, Tante Erna, bin gerade mitten in einer sehr wichtigen Operation am offenen Herzen meines Hamsters." (Kein Hamster? Egal. Hauptsache, klingt dringend.)
Paketboten des Grauens
Und was ist mit dem Paketboten? Klingelt Sturm, genau während du im Bademantel die Haare wäschst. Du hetzt runter, halb blind vor Seife. Unterschreibst irgendwas. Und stellst dann fest, dass es der neue Katzenbaum ist, den du versehentlich doppelt bestellt hast. Danke, DHL!
Die Unverletzlichkeit der Wohnung verpflichtet dich, jeden reinzulassen, der ein Paket dabei hat. Sogar, wenn du aussiehst, als wärst du gerade aus dem Dschungelcamp geflohen. Ist das wirklich nötig?
Der Nachbar, der "kurz" um Hilfe bittet
Nicht zu vergessen der Nachbar. "Könntest du mir mal kurz helfen, meinen neuen Schrank aufzubauen?" "Kurz" ist das neue "für immer". Du landest als unfreiwilliger Möbelpacker, kämpfst mit Ikea-Anleitungen, die in einer anderen Galaxie geschrieben wurden, und stellst fest: Dein Sonntag ist auch im Eimer. Alles für die gute Nachbarschaft. Alles, weil deine Wohnung so einfach zugänglich ist.
Ja, ich weiß, ich weiß. Man soll hilfsbereit sein. Aber manchmal wünschte ich mir einfach eine Festung mit Burggraben. Oder zumindest eine sprechende Tür, die sagt: "Kein Zutritt für unerwünschte Hilfeanfragen!"
Die spontane Party
Oder die spontane Party. Du wolltest eigentlich einen ruhigen Abend. Dann klingelt es. Deine Freunde stehen mit Bier und lauter Musik vor der Tür: "Komm schon, wird lustig!" Zwei Stunden später ist deine Wohnung ein Schlachtfeld aus Chipskrümeln und leeren Flaschen. Und du fragst dich: Warum habe ich "Ja" gesagt?
Die Unverletzlichkeit deiner Wohnung bedeutet, dass du theoretisch die Tür zuschlagen könntest. Aber das wäre ja unhöflich. Also opferst du dein Sofa und deine Nerven.
Versteht mich nicht falsch. Ich liebe meine Wohnung. Ich liebe es, meine Ruhe zu haben. Aber manchmal, nur manchmal, wünschte ich mir einen magischen Schalter, der meine Wohnung für 24 Stunden in eine uneinnehmbare Festung verwandelt. Nur so für den Seelenfrieden.
Vielleicht ist es an der Zeit, die Definition von "Die Wohnung ist unverletzlich" ein bisschen aufzuweichen. Ein bisschen mehr "Mein Haus, meine Regeln". Ein bisschen mehr "Heute bleibe ich im Schlafanzug und ignoriere die Welt".
Wer ist dabei?
