E-mail In Englisch
Ehrlich gesagt, ich glaube, wir übertreiben es ein bisschen mit dem Englisch in unseren E-Mails. Ja, ich weiß, die Welt ist global und so weiter. Aber trotzdem...
Ich sitze hier und lese wieder so eine E-Mail. "Please find attached the documents for your review." Find attached? Review? Bin ich jetzt ein internationaler Top-Manager oder was?
Warum eigentlich?
Versteht mich nicht falsch. Ich kann Englisch. Ihr wahrscheinlich auch. Aber warum müssen wir uns so anstrengen? Ist es wirklich professioneller, wenn ich statt "Hier sind die Unterlagen zum Durchsehen" schreibe: "Please find attached the documents for your review"?
Ich finde, es klingt eher so, als ob ich versuche, Eindruck zu schinden. Und das ist doch irgendwie... peinlich, oder?
Der kleine Unterschied
Nehmen wir mal an, ich schreibe einem Kollegen, den ich seit Jahren kenne. Der wohnt im selben Ort, spricht fließend Deutsch, und wir arbeiten beide in einer deutschen Firma. Trotzdem schreibt er mir: "Let me know if you have any questions."
Ich sitze da und denke: Sag doch einfach "Sag Bescheid, wenn du Fragen hast!". Klingt viel netter und persönlicher. Aber nein, es muss ja Englisch sein.
Ich habe manchmal das Gefühl, wir leiden unter einer Art "Englisch-Komplex". Als ob unsere Arbeit erst dann etwas wert wäre, wenn wir sie in einer Fremdsprache beschreiben.
Ist das wirklich so? Oder ist es einfach nur Gewohnheit?
Ich behaupte mal, es ist Gewohnheit. Und eine ziemlich nervige noch dazu.
Die unnötigen Anglizismen
Und dann sind da noch die Anglizismen, die absolut niemand braucht. "Das Meeting ist scheduled für nächste Woche." Warum nicht einfach "geplant"? "Wir müssen das asap erledigen." Warum nicht "so schnell wie möglich"?
Ich weiß, ich weiß, es ist kürzer. Aber ist es wirklich besser? Macht es unsere Kommunikation klarer? Ich glaube nicht. Es macht sie nur... anstrengender.
Vor allem, wenn man bedenkt, dass nicht jeder fließend Englisch spricht. Klar, die meisten Leute verstehen "asap". Aber manche eben nicht. Und dann müssen sie erst mal googeln. Und das kostet Zeit. Und Nerven.
Der internationale Aspekt
Okay, ich gebe zu, es gibt Situationen, in denen Englisch absolut notwendig ist. Wenn ich mit internationalen Kollegen kommuniziere, ist Englisch natürlich die Sprache der Wahl. Keine Frage.
Aber selbst dann versuche ich, so einfach und verständlich wie möglich zu schreiben. Keine komplizierten Satzkonstruktionen, keine unnötigen Fachbegriffe. Einfach klare, präzise Informationen.
Denn am Ende geht es doch darum, dass wir uns verstehen. Und das funktioniert in einfacher Sprache oft besser als mit kompliziertem Business-Englisch.
Mein persönlicher Feldzug
Ich habe beschlossen, einen kleinen Feldzug gegen den unnötigen Englisch-Wahn zu führen. Ich versuche, in meinen E-Mails so viel Deutsch wie möglich zu verwenden. Und wenn ich doch mal Englisch schreibe, dann so einfach wie möglich.
Und wisst ihr was? Es funktioniert! Meine Kollegen verstehen mich immer noch. Die Welt ist noch nicht untergegangen. Und ich fühle mich ein bisschen wohler dabei.
Vielleicht ist das ja auch etwas für euch. Versucht es doch mal. Schreibt eine E-Mail auf Deutsch. Oder zumindest auf einfachem Englisch. Ihr werdet sehen, es tut nicht weh.
Im Gegenteil, es könnte sogar Spaß machen. Und wer weiß, vielleicht inspirieren wir ja auch andere, es uns gleichzutun. Dann wäre die Welt ein bisschen weniger "English-heavy" und ein bisschen mehr... deutsch.
Und das wäre doch eigentlich ganz schön, oder?
