Ein Netter Kerl Wohmann
Hand aufs Herz: Wer hat noch nie von Wohmann gehört? Wahrscheinlich jeder Deutschlehrer, jede Germanistikstudentin und… na ja, fast niemand sonst. Und das ist, meiner Meinung nach, ein bisschen schade. Vielleicht sogar ein bisschen unfair.
Klar, Ein netter Kerl ist nicht unbedingt das spannendste Buch aller Zeiten. Die Geschichte ist… sagen wir mal… unaufgeregt. Ein junger Mann namens Klaus will eine junge Frau namens Gabriele heiraten. Punkt. Keine Drachen, keine Raumschiffe, kein Blutbad. Einfach nur: Liebe. Oder zumindest das, was in den 60ern dafür gehalten wurde.
Warum also Wohmann lesen?
Ganz einfach: Weil es so normal ist. Und genau das macht es so besonders. In einer Welt voller Superhelden und Intrigen ist Ein netter Kerl eine wohltuende Erinnerung daran, dass das Leben eben oft auch einfach nur… ist. Klaus ist kein Held. Gabriele ist keine Prinzessin. Sie sind einfach zwei Leute, die versuchen, ihr Leben zusammen zu meistern.
Und ich behaupte: Das ist relatable! Wer von uns hat nicht schon mal gedacht: "Mein Leben ist so langweilig!"? Aber vielleicht ist genau das der Clou. Vielleicht liegt das Glück im Kleinen, im Alltäglichen. Im gemeinsamen Abendessen, im Sonntagsspaziergang, im… na ja, in der Bürokratie vor der Hochzeit.
Der Charme der Langeweile?
Okay, "Langeweile" ist vielleicht das falsche Wort. Sagen wir: "Entschleunigung". Wohmann zwingt uns, einen Gang runterzuschalten. Wir werden gezwungen, uns auf die kleinen Details zu konzentrieren. Auf die Nuancen in den Gesprächen. Auf die unausgesprochenen Gefühle.
Klar, das ist nicht jedermanns Sache. Manche Leute brauchen Action, Spannung, den großen Knall. Aber manchmal, ganz ehrlich, möchte ich einfach nur ein Buch lesen, das mich nicht stresst. Ein Buch, das mich daran erinnert, dass es okay ist, wenn das Leben nicht immer aufregend ist.
Und dann ist da noch der Humor. Wohmann schreibt mit einem subtilen, ironischen Unterton. Sie nimmt ihre Figuren nicht zu ernst. Sie erlaubt sich, über sie zu schmunzeln. Und das überträgt sich auf den Leser. Ich habe mich beim Lesen von Ein netter Kerl oft ertappt, wie ich leise vor mich hin gekichert habe.
"Es war nicht alles schlecht", dachte Klaus. "Es war nur nichts Besonderes."
Ist das nicht die perfekte Zusammenfassung des Lebens? Nicht alles schlecht, aber eben auch nicht immer spektakulär.
Wohmann: Unpopuläre Meinung?
Wahrscheinlich. Ich vermute, dass viele Leute Ein netter Kerl langweilig finden würden. Und das ist okay. Geschmäcker sind verschieden. Aber ich finde, dass Wohmann eine zweite Chance verdient hat. Eine Chance, von einer neuen Generation von Lesern entdeckt zu werden.
Vielleicht, weil wir in einer Zeit leben, die so hektisch und überreizt ist, dass wir eine Auszeit von all dem brauchen. Eine Auszeit, die uns daran erinnert, dass das Glück oft im Einfachen liegt. Im Normalen. Im Netten.
Also, traut euch! Lest Wohmann! Vielleicht werdet ihr überrascht sein. Vielleicht werdet ihr euch langweilen. Aber vielleicht, ganz vielleicht, werdet ihr auch ein bisschen berührt sein. Von der Geschichte eines netten Kerls, der einfach nur eine nette Frau heiraten will. Und was ist daran schon verkehrt?
Und wenn ihr es langweilig findet? Na ja, dann habt ihr wenigstens was zu meckern. Und das ist ja auch schon wieder irgendwie unterhaltsam, oder?
