Ekel Und Scham In Der Pflege
Hallo ihr Lieben, eure reiselustige (und manchmal etwas schamlose) Freundin ist wieder da! Heute nehme ich euch mit auf eine ganz besondere Reise, keine Sightseeing-Tour im klassischen Sinne, sondern eher eine Erkundungstour durch die inneren Landschaften, die uns oft auf Reisen (und im Leben generell) begleiten: Ekel und Scham. Ich weiß, klingt erstmal nicht so prickelnd wie ein Sonnenuntergang auf Santorini, aber bleibt dran, denn ich glaube, dass das Verständnis dieser Gefühle uns zu besseren Reisenden und auch zu besseren Menschen macht.
Meine erste Begegnung mit dem Thema “Ekel in der Pflege” (und ja, das war während einer Reise, obwohl nicht ganz freiwillig) war… nun ja, sagen wir mal, nicht gerade glamourös. Ich war als Freiwillige in einem kleinen Dorf in Nepal unterwegs und half in einer Art Krankenstation aus. Ich, mit meinem romantischen Bild von selbstloser Hilfe und spiritueller Erleuchtung, wurde schnell von der Realität eingeholt. Eine ältere Frau, die an einer schweren Krankheit litt, brauchte dringend Hilfe bei der Körperpflege. Und da stand ich, mit dem Ekel im Nacken und der Scham im Herzen, weil ich eben diesen Ekel empfand. Es war, als hätte mein idealisiertes Selbst einen Schlag ins Gesicht bekommen.
Die Achterbahn der Gefühle: Ekel und Scham
Ekel, dieses tief sitzende Gefühl des Abscheus, ist evolutionär bedingt. Er soll uns vor Krankheiten und potenziellen Gefahren schützen. Aber was passiert, wenn dieser Schutzmechanismus aktiviert wird, obwohl wir eigentlich helfen wollen? In der Pflege, besonders wenn es um die Betreuung von kranken oder behinderten Menschen geht, kann Ekel eine große Herausforderung darstellen. Es ist eben nicht dasselbe, eine ekelerregende Situation im Film zu sehen oder selbst hautnah dabei zu sein. Die Gerüche, die Ausscheidungen, die körperlichen Veränderungen… alles kann überwältigend sein.
Und dann kommt die Scham ins Spiel. Die Scham darüber, dass wir Ekel empfinden. Wir denken: “Ich bin doch ein guter Mensch, ich sollte helfen wollen, ohne mich zu ekeln!” Aber Gefühle lassen sich eben nicht einfach ausschalten. Sie sind da, ob wir wollen oder nicht. Und die Scham darüber, diese vermeintlich “schlechten” Gefühle zu haben, kann die Situation noch schlimmer machen.
Warum wir uns schämen: Eine kleine Analyse
Die Scham hat oft mit unseren gesellschaftlichen Normen und Erwartungen zu tun. Wir leben in einer Welt, die Perfektion und Gesundheit idealisiert. Krankheit, Behinderung und Gebrechlichkeit werden oft ausgeblendet oder tabuisiert. Wenn wir dann mit diesen Realitäten konfrontiert werden, kann das eine tiefe Verunsicherung auslösen. Wir fühlen uns schuldig, weil wir nicht dem Ideal entsprechen, das uns vorgelebt wird.
Ein weiterer Faktor ist die Angst vor der Bewertung durch andere. Was werden die Leute denken, wenn sie sehen, dass ich mich ekle? Werde ich als herzlos oder egoistisch abgestempelt? Diese Angst vor der sozialen Ablehnung kann die Scham noch verstärken.
Strategien für den Umgang mit Ekel und Scham
Aber keine Sorge, ihr Lieben, ich habe auf meiner Reise gelernt, dass es Möglichkeiten gibt, mit diesen schwierigen Gefühlen umzugehen. Es ist kein einfacher Weg, aber er lohnt sich.
- Akzeptanz: Der erste Schritt ist, zu akzeptieren, dass Ekel und Scham menschliche Gefühle sind. Es ist okay, sich zu ekeln. Es ist okay, sich zu schämen. Verurteilt euch nicht dafür.
- Selbstmitgefühl: Seid freundlich zu euch selbst. Sprecht mit euch selbst, wie ihr mit einem guten Freund sprechen würdet, der in einer schwierigen Situation steckt.
- Reflexion: Versucht, eure Gefühle zu verstehen. Warum ekelt ihr euch? Warum schämt ihr euch? Was sind eure Triggerpunkte? Je besser ihr eure Gefühle versteht, desto besser könnt ihr mit ihnen umgehen.
- Grenzen setzen: Es ist wichtig, eure Grenzen zu kennen und zu respektieren. Wenn ihr merkt, dass ihr an eure Grenzen stoßt, nehmt euch eine Auszeit. Bittet um Hilfe. Es ist kein Zeichen von Schwäche, um Unterstützung zu bitten.
- Professionelle Hilfe: Wenn Ekel und Scham euer Leben stark beeinträchtigen, scheut euch nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Ein Therapeut oder Berater kann euch helfen, eure Gefühle zu verarbeiten und Strategien für den Umgang mit ihnen zu entwickeln.
- Humor: Ja, ihr habt richtig gelesen! Humor kann ein wunderbares Ventil sein. Aber Achtung: Achtet darauf, dass euer Humor nicht verletzend oder abwertend ist. Es geht darum, die Situation etwas aufzulockern und die Anspannung zu reduzieren.
- Distanz schaffen: Manchmal hilft es, eine gewisse Distanz zu wahren, ohne unbeteiligt zu wirken. Konzentriert euch auf die Aufgabe und versucht, eure Emotionen etwas in den Hintergrund zu drängen. Das bedeutet nicht, dass ihr unempathisch seid, sondern dass ihr euch selbst schützt.
Meine persönlichen Erfahrungen und Tipps
Zurück nach Nepal. Nach meiner ersten, eher traumatischen Erfahrung mit der Körperpflege der älteren Dame, habe ich angefangen, mir Strategien zu überlegen. Ich habe versucht, mich auf die positiven Aspekte meiner Arbeit zu konzentrieren: die Dankbarkeit der Menschen, die ich betreute, die Möglichkeit, etwas Sinnvolles zu tun, die persönliche Weiterentwicklung. Ich habe gelernt, meine Gefühle zu akzeptieren, ohne mich von ihnen überwältigen zu lassen. Und ich habe gelernt, um Hilfe zu bitten, wenn ich sie brauchte.
Ein konkreter Tipp, den ich euch mitgeben kann: Atmet tief durch! Klingt banal, aber in stressigen Situationen vergessen wir oft, richtig zu atmen. Tiefes, bewusstes Atmen kann helfen, den Körper zu entspannen und die Emotionen zu regulieren.
Ein weiterer Tipp: Konzentriert euch auf die Details. Wenn ihr euch auf die konkreten Handgriffe konzentriert, die ihr ausführen müsst, lenkt ihr eure Aufmerksamkeit von den unangenehmen Gefühlen ab.
Und schließlich: Sprecht darüber! Redet mit Freunden, Familie oder Kollegen über eure Erfahrungen. Ihr werdet feststellen, dass ihr nicht allein seid mit euren Gefühlen. Der Austausch mit anderen kann sehr befreiend und hilfreich sein.
Ekel und Scham als Reisebegleiter
Ich habe gelernt, dass Ekel und Scham zwar unangenehme, aber auch wertvolle Reisebegleiter sein können. Sie zeigen uns, wo unsere Grenzen liegen, und fordern uns heraus, über uns hinauszuwachsen. Sie erinnern uns daran, dass wir alle Menschen sind, mit all unseren Stärken und Schwächen.
Also, wenn ihr das nächste Mal auf Reisen seid und mit Situationen konfrontiert werdet, die Ekel oder Scham auslösen, erinnert euch daran: Es ist okay, sich so zu fühlen. Akzeptiert eure Gefühle, seid freundlich zu euch selbst und sucht nach Strategien, um mit ihnen umzugehen. Und vergesst nicht: Ihr seid nicht allein!
In diesem Sinne, wünsche ich euch eine gute Reise – sowohl in die Welt als auch in euer Inneres!
Eure reiselustige Freundin!
