Else Lasker Schüler Weltende
Habt ihr euch jemals gefragt, wie sich das Weltende anfühlen würde? Nicht so apokalyptisch mit Feuer und Schwefel, sondern eher… menschlich? Dann lasst uns mal über ein kleines Gedicht von Else Lasker-Schüler plaudern, das genau dieses Gefühl auf den Punkt bringt.
Ein ganz normales Weltende?
Else Lasker-Schüler war eine Berliner Bohème-Ikone, eine Dichterin, die das Leben in vollen Zügen auskostete – und das oft nicht ganz unbeschwert. Sie liebte es, mit Konventionen zu brechen, sich selbst als orientalische Prinzessin auszugeben und ihre Gedichte mit einer gehörigen Portion Herzschmerz und Ironie zu würzen. Ihr Gedicht "Weltende" ist ein wunderbares Beispiel dafür.
Es ist ein Weinen in der Welt,
Als ob der liebe Gott gestorben wär.
Und als das weisse Weib im Leichentuch
Die Hände faltet zum Gebet.Die Händler kommen feil aus den Zügen,
Die Gassen werden immer leerer.
Der Himmel hat sich schwarz verrissen
Und ist zerrissen vom Gebet.
Das Weinen und die Händler
Beim ersten Lesen denkt man vielleicht: "Oh je, ist das traurig!" Und das ist es auch, ein bisschen. Aber schaut mal genauer hin. Der liebe Gott ist gestorben (oder zumindest fühlt es sich so an) und eine „weisse Weib“ (manche sagen, es sei die Jungfrau Maria, andere sehen darin eine allgemeine Figur des Leids) faltet die Hände. Soweit, so dramatisch. Aber dann kommen die Händler! Die Händler? Aus den Zügen? Irgendwie passt das Bild nicht ganz zusammen. Hier liegt der Humor! Da stirbt die Welt und die Händler kommen mit Ihren Waren! Das ist doch irgendwie absurd, oder?
Diese Händler sind wie das Leben selbst, das einfach weitergeht, egal wie schlimm es gerade aussieht. Sie sind das Alltägliche, das sich in den Vordergrund drängt, auch wenn die Welt aus den Fugen gerät. Das ist es, was das Gedicht so besonders macht. Es ist kein reines Weltuntergangsszenario, sondern eine Mischung aus Trauer, Hoffnungslosigkeit und eben dieser fast schon komischen Normalität.
Ein zerrissener Himmel
Und dann dieser Himmel! Er hat sich „schwarz verrissen“. Nicht einfach nur schwarz, sondern verrissen! Das klingt fast so, als hätte jemand aus Wut ein Stück Papier zerrissen. Und das alles "vom Gebet"! Ist das Gebet also schuld? Oder ist es einfach nur die Verzweiflung, die so stark ist, dass sie sogar den Himmel zerreißen kann?
Dieser zerrissene Himmel ist ein starkes Bild für die Zerrissenheit der Seele, für den Verlust des Glaubens und für die Angst vor dem Unbekannten. Aber auch hier schwingt wieder eine gewisse Ironie mit. Der Himmel ist nicht einfach verschwunden, er ist zerrissen! Das klingt fast schon ein bisschen nach Trotz.
Mehr als nur Weltuntergang
Was macht "Weltende" also so lesenswert? Es ist nicht nur ein Gedicht über den Weltuntergang, sondern auch ein Gedicht über das Leben, die Liebe, den Verlust und die Absurdität der Existenz. Es ist ein Gedicht, das uns daran erinnert, dass selbst in den dunkelsten Momenten noch ein Fünkchen Humor und Menschlichkeit zu finden ist.
Else Lasker-Schüler war eine Meisterin darin, Gegensätze zu vereinen. Sie konnte tiefe Trauer und überschäumende Lebensfreude in ihren Gedichten vereinen, sie konnte das Erhabene mit dem Lächerlichen verbinden und sie konnte uns damit zum Nachdenken und zum Schmunzeln bringen.
Also, wenn ihr das nächste Mal das Gefühl habt, dass die Welt untergeht, denkt an Else Lasker-Schüler und ihre Weltende. Vielleicht ist es ja gar nicht so schlimm, wie es scheint. Vielleicht kommen ja auch bald die Händler aus den Zügen… oder vielleicht zerreißt ihr einfach den Himmel vor Wut! Hauptsache, ihr vergesst nicht, dabei auch ein bisschen zu lachen.
Die Prinzessin und das Weltende
Vergesst nicht, dass Else Lasker-Schüler sich gerne als Prinz Jussuf von Theben sah. Sie lebte in einer Fantasiewelt, die ihr half, die harte Realität zu ertragen. Vielleicht ist "Weltende" auch ein Ausdruck dieser Fantasie. Vielleicht ist der Weltuntergang nicht das Ende von allem, sondern der Beginn einer neuen, besseren Welt – einer Welt, in der auch eine Prinzessin einen Platz hat.
Lasst uns also Else Lasker-Schüler feiern, ihre Poesie und ihre unbändige Lebensfreude. Und lasst uns daran denken, dass selbst das Weltende noch Platz für ein bisschen Humor und Menschlichkeit lässt.
