Emilia Galotti Analyse 1 Aufzug 6 Auftritt
Okay, Leute, lasst uns ehrlich sein. Wir alle mussten uns mal durch Emilia Galotti quälen. Und ich wette, viele von euch haben dabei innerlich (oder vielleicht auch äusserlich) gestöhnt. Besonders beim ersten Akt. Genauer gesagt: beim sechsten Auftritt.
Auftritt 6: Der Moment, in dem wir alle dachten: "Bitte, nicht schon wieder!"
Erinnert ihr euch? Der Prinz kommt auf die Bühne. Und wer ist schon da? Graf Appiani! Die Stimmung ist...nun ja, sagen wir mal angespannt. Und was dann folgt, ist gefühlt eine Ewigkeit an Höflichkeitsfloskeln. Ugh!
Ist es nur mir so gegangen, oder hat sich jeder von euch gefragt: "Muss das sein? Können wir nicht einfach zur Sache kommen? Emilia wird entführt, Appiani stirbt... Lasst uns das Drama endlich beginnen!"
Appiani, der Biedermann: Liebenswert oder einfach nur langweilig?
Versteht mich nicht falsch. Appiani ist ein netter Kerl. Ehrlicher Typ, will Emilia heiraten, alles picobello. Aber ist er auch...spannend? Ich wage es zu bezweifeln. Man könnte fast meinen, er wurde extra so kreiert, damit wir Mitleid mit ihm haben, wenn er draufgeht. Tut uns leid, Appiani, aber du bist das Toastbrot unter den Protagonisten.
Und der Prinz? Der versucht, seine Fassade zu wahren. Höflich, charmant, aber wir wissen alle, dass er nur auf Emilia aus ist. Er ist wie ein Wolf im Schafspelz. Ein schlechter Wolf im Schafspelz, wohlgemerkt. Seine Intentionen sind so offensichtlich, dass es fast schon peinlich ist.
Die Macht der Worte: Oder warum Dialoge manchmal quälend sein können.
Die Dialoge in diesem Auftritt sind... speziell. Alles ist so förmlich, so steif. Man spürt förmlich die Etikette des Hofes. Aber hey, es ist ja auch ein bürgerliches Trauerspiel! Das bedeutet, dass wir uns mit den Problemen der Figuren auseinandersetzen müssen, und die werden uns eben durch Dialoge präsentiert.
Trotzdem: Manchmal fühlt es sich an, als würden die Figuren um den heissen Brei herumreden. Sie sagen nicht, was sie wirklich denken oder wollen. Es ist wie ein Tanz der Höflichkeit, bei dem jeder versucht, den anderen auszustechen. Und wir Zuschauer sitzen da und denken: "Sagt doch einfach, was Sache ist!"
"Eure Durchlaucht beehren mich..." - Appiani. Könnte langweiliger kaum sein.
Ist das jetzt aber wirklich so schlimm? Ist dieser sechste Auftritt wirklich so überflüssig? Ich glaube nicht. Er ist wichtig, um die Situation zu verstehen. Um die Spannung aufzubauen. Um uns zu zeigen, wie die Figuren ticken. Aber trotzdem... er ist halt auch ein bisschen langweilig. Sorry, Gotthold Ephraim Lessing!
Unpopuläre Meinung: Könnte man Auftritt 6 nicht einfach überspringen?
Okay, ich weiss, das ist Blasphemie. Aber Hand aufs Herz: Habt ihr nicht auch schon mal darüber nachgedacht, diesen Auftritt einfach zu überfliegen? Die wichtigsten Infos bekommt man doch auch später mit, oder?
Ich meine, wir wissen doch, dass der Prinz in Emilia verliebt ist. Wir wissen, dass Appiani ihr Bräutigam ist. Und wir wissen, dass die Situation explosiv ist. Brauchen wir wirklich diese ellenlangen Dialoge, um das zu verstehen?
Vielleicht bin ich ja nur ungeduldig. Vielleicht bin ich einfach zu sehr an schnelle Schnitte und rasante Handlungen gewöhnt. Aber ich glaube, dass man Emilia Galotti auch ohne diesen sechsten Auftritt verstehen könnte. Und vielleicht sogar ein bisschen mehr Spass dabei hätte.
Also, was meint ihr? Bin ich der Einzige, der so denkt? Oder gibt es da draussen noch andere, die diesen Auftritt am liebsten überspringen würden?
Lasst es mich wissen! Und keine Sorge, ich verrate euch nicht an eure Deutschlehrer!
