Englisch Gerund Oder Infinitiv übungen
Die englische Grammatik birgt für Deutschsprachige so manche Tücke, und die Wahl zwischen Gerundium und Infinitiv nach bestimmten Verben gehört zweifellos dazu. Es ist ein Gebiet, das oft zu Verwirrung führt, da die intuitive Übersetzung aus dem Deutschen nicht immer funktioniert. Doch anstatt sich von der Komplexität abschrecken zu lassen, lohnt es sich, sich dieser Herausforderung mit einem systematischen Ansatz zu nähern. In diesem Artikel wollen wir uns nicht nur mit Übungen befassen, sondern auch die zugrundeliegenden Prinzipien beleuchten, die den Gebrauch von Gerundium und Infinitiv im Englischen steuern. Wir werden versuchen, die Logik hinter den Regeln aufzuzeigen und somit ein tieferes Verständnis zu ermöglichen, das über das bloße Auswendiglernen hinausgeht.
Das Gerundium: Eine substantivische Verbform
Das Gerundium, im Deutschen oft als Verbalnomen bezeichnet, ist eine Verbform, die die Endung "-ing" trägt und die Funktion eines Substantivs übernimmt. Es kann als Subjekt, Objekt oder nach Präpositionen verwendet werden. Betrachten wir folgende Beispiele:
- Smoking is bad for your health. (Rauchen ist schlecht für deine Gesundheit.) - Hier fungiert das Gerundium "smoking" als Subjekt des Satzes.
- He enjoys playing the guitar. (Er genießt es, Gitarre zu spielen.) - In diesem Fall ist "playing" das Objekt des Verbs "enjoys".
- She is good at painting. (Sie ist gut im Malen.) - Nach der Präposition "at" folgt das Gerundium "painting".
Ein wichtiger Aspekt, der oft übersehen wird, ist die Tatsache, dass das Gerundium eine Handlung als Konzept repräsentiert, nicht so sehr eine konkrete Aktion in einem bestimmten Moment. Es ist die generelle Aktivität, die im Vordergrund steht. Das Gerundium betont die Erfahrung oder die Tätigkeit selbst.
Verben, die ein Gerundium nach sich ziehen
Es gibt eine Reihe von Verben, die typischerweise von einem Gerundium gefolgt werden. Zu diesen gehören unter anderem: admit, avoid, consider, deny, dislike, enjoy, finish, imagine, keep, mind, miss, practice, risk, suggest. Die Liste ist nicht erschöpfend, aber sie bietet einen guten Ausgangspunkt. Ein hilfreicher Merksatz könnte sein: Wenn das Verb die Idee des Vermeidens, Genießens, Beendens oder Vorstellens einer Handlung impliziert, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Gerundium folgt.
Es ist wichtig, sich diese Verben nicht nur zu merken, sondern auch zu verstehen, *warum* sie ein Gerundium verlangen. Oftmals ist es so, dass diese Verben eine gewisse Distanz oder Abstraktion zur eigentlichen Handlung implizieren. Man vermeidet (avoid) etwas zu tun, genießt (enjoy) die Vorstellung, etwas zu tun, oder beendet (finish) die Ausführung einer Handlung.
Der Infinitiv: Die Grundform des Verbs
Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs, im Englischen oft mit "to" gebildet (to go, to eat, to sleep). Er kann verschiedene Funktionen im Satz übernehmen, ähnlich wie das Gerundium, aber er trägt eine etwas andere Bedeutung. Im Gegensatz zum Gerundium betont der Infinitiv eher die Absicht oder das Potenzial einer Handlung. Er fokussiert auf das Ziel oder den Zweck.
- He wants to travel to Japan. (Er möchte nach Japan reisen.) - Hier drückt der Infinitiv "to travel" den Wunsch oder die Absicht aus.
- It is important to study hard. (Es ist wichtig, hart zu lernen.) - Der Infinitiv "to study" gibt hier einen Zweck oder eine Notwendigkeit an.
- They decided to leave early. (Sie beschlossen, früh zu gehen.) - Der Infinitiv "to leave" beschreibt die getroffene Entscheidung.
Verben, die einen Infinitiv nach sich ziehen
Ähnlich wie beim Gerundium gibt es auch beim Infinitiv eine Liste von Verben, die typischerweise von ihm gefolgt werden: agree, appear, decide, expect, hope, learn, manage, offer, plan, promise, refuse, seem, want, wish. Auch hier ist es entscheidend, die zugrundeliegende Bedeutung zu verstehen. Diese Verben implizieren oft eine zukünftige Handlung, eine Entscheidung, eine Absicht oder eine Möglichkeit.
Ein nützlicher Tipp ist, sich zu fragen, ob die Handlung eine Folge oder ein Ergebnis des vorherigen Verbs ist. Wenn das der Fall ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass ein Infinitiv folgt. Man *entscheidet* (decide), etwas zu tun, man *hofft* (hope), etwas zu tun, man *plant* (plan), etwas zu tun. Die zweite Handlung ist die Konsequenz oder das Ziel der ersten.
Übungen und ihre didaktische Bedeutung
Nachdem wir die theoretischen Grundlagen betrachtet haben, ist es an der Zeit, sich mit Übungen zu befassen. Doch anstatt einfach nur Lücken auszufüllen, sollten Übungen als Gelegenheit zum aktiven Lernen und zur Reflexion genutzt werden. Jede Übung sollte darauf abzielen, das Verständnis der zugrundeliegenden Prinzipien zu vertiefen und die Fähigkeit zu entwickeln, die richtige Form intuitiv zu wählen.
Beispielübungen:
- Ergänzen Sie die Sätze mit der korrekten Form (Gerundium oder Infinitiv) des Verbs in Klammern:
- She avoided ________ (go) to the party.
- They decided ________ (buy) a new car.
- He enjoys ________ (listen) to music.
- Bilden Sie eigene Sätze mit den folgenden Verben und entweder einem Gerundium oder einem Infinitiv: admit, hope, practice. Begründen Sie Ihre Wahl.
- Übersetzen Sie die folgenden deutschen Sätze ins Englische und achten Sie auf die korrekte Verwendung von Gerundium und Infinitiv:
- Ich mag es, zu schwimmen.
- Er plant, nach London zu reisen.
Der Schlüssel zum Erfolg liegt nicht in der Quantität, sondern in der Qualität der Übungen. Es ist wichtiger, sich intensiv mit wenigen Beispielen auseinanderzusetzen und die Gründe für die korrekte Antwort zu verstehen, als unzählige oberflächliche Übungen zu bearbeiten. Die Analyse von Fehlern ist dabei von unschätzbarem Wert. Warum habe ich mich für die falsche Form entschieden? Welche Regel habe ich übersehen?
Die Rolle des Kontexts
Es ist wichtig zu betonen, dass der Kontext eine entscheidende Rolle bei der Wahl zwischen Gerundium und Infinitiv spielt. Einige Verben können sowohl von einem Gerundium als auch von einem Infinitiv gefolgt werden, wobei sich die Bedeutung des Satzes ändert. Ein klassisches Beispiel ist das Verb "remember":
- I remember locking the door. (Ich erinnere mich daran, die Tür abgeschlossen zu haben.) - Hier erinnert man sich an die vergangene Handlung des Abschließens.
- I remembered to lock the door. (Ich erinnerte mich daran, die Tür abzuschließen.) - Hier erinnert man sich daran, die zukünftige Handlung des Abschließens auszuführen.
Diese feinen Unterschiede zeigen, dass die Wahl zwischen Gerundium und Infinitiv mehr ist als nur eine grammatikalische Regel. Es ist eine Frage der Nuance und des Ausdrucks. Um diese Nuancen zu meistern, ist es unerlässlich, sich mit authentischen Texten auseinanderzusetzen und die Verwendung von Gerundium und Infinitiv in verschiedenen Kontexten zu beobachten.
Über das Auswendiglernen hinaus: Ein tieferes Verständnis
Das Auswendiglernen von Listen von Verben, die ein Gerundium oder einen Infinitiv verlangen, ist zwar ein nützlicher erster Schritt, aber es ist kein Ersatz für ein tieferes Verständnis der zugrundeliegenden Prinzipien. Die beste Strategie besteht darin, sich nicht nur die *Regeln* zu merken, sondern auch die *Gründe* für diese Regeln zu verstehen. Warum implizieren bestimmte Verben eher eine abstrakte Handlung (Gerundium) und andere eher eine Absicht (Infinitiv)?
Um dieses tiefere Verständnis zu fördern, ist es hilfreich, sich folgende Fragen zu stellen:
- Welche Bedeutung vermittelt das Verb im Hauptsatz?
- Bezieht sich die Handlung im Nebensatz auf die Vergangenheit, die Gegenwart oder die Zukunft?
- Welche Funktion hat die Handlung im Nebensatz im Hinblick auf den Hauptsatz? (Ist sie ein Ergebnis, ein Zweck, eine Ursache?)
Indem man sich diese Fragen stellt, wird man gezwungen, über die bloße Syntax hinauszudenken und die semantischen Zusammenhänge zu berücksichtigen. Dieser Ansatz führt zu einem nachhaltigeren und intuitiveren Verständnis der englischen Grammatik.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Beherrschung des Gebrauchs von Gerundium und Infinitiv im Englischen eine Herausforderung darstellt, die jedoch mit einem systematischen und reflektierten Ansatz gemeistert werden kann. Indem man die zugrundeliegenden Prinzipien versteht, Übungen aktiv nutzt und den Kontext berücksichtigt, kann man ein tiefes und intuitives Verständnis entwickeln, das über das bloße Auswendiglernen hinausgeht. Die Belohnung ist eine präzisere und nuanciertere Ausdrucksweise in der englischen Sprache.
