Ephraim Kishon Drehn Sie Sich Um Frau Lot
Wer kennt sie nicht, die Geschichte von Frau Lot? Die Bibel erzählt, wie sie mit ihrem Mann, Lot, und ihren Töchtern aus Sodom fliehen muss, bevor die Stadt von Gott zerstört wird. Die einzige Bedingung: Nicht zurückblicken! Und was macht Frau Lot? Sie dreht sich um und wird zur Salzsäule. Tragisch, oder?
Aber was, wenn man diese uralte Geschichte mal ganz anders betrachtet? Was, wenn man sie mit einem Augenzwinkern erzählt, mit viel Humor und einem Schuss israelischer Frechheit? Genau das hat Ephraim Kishon getan, in seinem wunderbaren Stück "Drehn Sie sich um, Frau Lot!".
Kishons Blick auf die Dinge
Kishon, der ungarisch-israelische Satiriker, war ein Meister darin, den Alltag zu beobachten und die kleinen Absurditäten des Lebens aufzudecken. Er nahm heilige Kühe der Gesellschaft aufs Korn, ohne dabei respektlos zu sein. Er brachte uns zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. Und so wagte er sich auch an die biblische Geschichte von Frau Lot heran.
In Kishons Version ist Frau Lot keine tragische Figur, sondern eher eine typische Ehefrau, die ihrem Mann gehörig auf die Nerven geht. Sie ist neugierig, redselig und hat eine ganz eigene Meinung zu allem. Und natürlich ist sie unsterblich verliebt in ihre Heimatstadt Sodom. Die Erinnerung an die schönen Dinge dort lässt sie einfach nicht los.
Die Komödie beginnt...
Stellen Sie sich vor: Lot, ein etwas zerstreuter und ungeschickter Mann, versucht verzweifelt, seine Familie aus der brennenden Stadt zu führen. Frau Lot aber lässt sich nicht so einfach mitziehen. Sie hat ständig etwas zu beanstanden: Die Schuhe drücken, die Luft ist schlecht, und überhaupt, wo sind eigentlich ihre Lieblingsohrringe?
Kishon lässt in seinem Stück die Dialoge sprühen. Die Wortgefechte zwischen Lot und seiner Frau sind herrlich komisch. Sie streiten über alles: über den Weg, über das Tempo und natürlich über die Frage, ob man sich nun umdrehen darf oder nicht.
„Lot, Liebling, guck mal, da brennt ja unser Lieblingsrestaurant! All die leckeren Hummus-Teller, einfach so in Flammen! Ist das nicht furchtbar?"
Man spürt förmlich, wie Lot die Geduld verliert. Er fleht, er bettelt, er droht. Aber Frau Lot bleibt stur. Ihre Neugier ist einfach zu gross. Sie muss doch wenigstens einen Blick zurückwerfen, um zu sehen, was mit ihrem geliebten Sodom passiert.
...und endet mit einer Pointe
Und dann geschieht es: Frau Lot dreht sich um. Aber was passiert wirklich? Kishon wäre nicht Kishon, wenn er hier nicht eine überraschende Wendung einbauen würde. Die Verwandlung in eine Salzsäule ist nämlich nicht das Ende der Geschichte, sondern erst der Anfang!
Denn auch als Salzsäule bleibt Frau Lot redselig und kritisiert weiterhin alles. Sie kommentiert das Wetter, die vorbeiziehenden Vögel und natürlich das Verhalten ihres Mannes. Lot verzweifelt nun endgültig. Er hat eine wandelnde Salzsäule als Ehefrau – und die hört einfach nicht auf zu reden!
Die Moral von der Geschichte? Vielleicht, dass man seine Neugierde manchmal im Zaum halten sollte. Vielleicht aber auch, dass selbst die grösste Katastrophe nicht verhindern kann, dass Ehepaare sich gegenseitig auf die Nerven gehen.
Warum Kishons Stück so beliebt ist
"Drehn Sie sich um, Frau Lot!" ist mehr als nur eine lustige Geschichte. Es ist eine Parodie auf die biblische Erzählung, eine Satire auf die menschliche Natur und eine liebevolle Hommage an die Ehe. Kishon gelingt es, eine ernste Geschichte in eine leichte Komödie zu verwandeln, ohne dabei den Respekt vor dem Original zu verlieren.
Das Stück ist zeitlos, weil es universelle Themen behandelt: Neugier, Gehorsam, Liebe, Ehe und die kleinen Macken, die uns Menschen so liebenswert machen. Es ist ein Stück zum Lachen, zum Nachdenken und zum Wiedererkennen. Und es erinnert uns daran, dass man selbst die grössten Tragödien mit Humor betrachten kann.
Wenn Sie also das nächste Mal die Geschichte von Frau Lot hören, denken Sie an Ephraim Kishon und sein wunderbares Stück. Vielleicht sehen Sie dann die Geschichte mit ganz anderen Augen. Und vielleicht müssen Sie dann auch ein bisschen schmunzeln.
Ein Appell zum Schmunzeln
Also, liebe Leser, drehen Sie sich ruhig um – aber nur, um zu sehen, wie viel Freude und Humor in den Geschichten stecken, die wir zu kennen glauben. Und vergessen Sie nicht: Das Leben ist zu kurz, um es nicht mit einem Augenzwinkern zu betrachten!
