Er Hat Mich Betrogen Aber Ich Liebe Ihn
Hallo ihr Lieben, eure reiselustige Freundin Lena meldet sich heute mit einem etwas anderen, sehr persönlichen Eintrag. Normalerweise entführe ich euch ja in ferne Länder, zeige euch versteckte Gassen und schwärme von köstlichem Essen. Aber das Leben schreibt bekanntlich die besten Geschichten – und manchmal sind die eben auch ein bisschen traurig.
Ich sitze gerade in einem kleinen Café in Lissabon, die Sonne scheint mir ins Gesicht und die Melancholie der Fado-Musik wabert durch die Luft. Und ja, ich gebe es zu: Ich bin nicht nur hier, um Pastel de Natas zu essen (obwohl die natürlich auch eine Rolle spielen!). Ich bin hier, um einen Schlussstrich zu ziehen. Um einen Neuanfang zu wagen. Um mich wiederzufinden.
Warum ich euch das erzähle? Weil Reisen für mich immer mehr war als nur ein Hobby. Es ist eine Therapie, eine Möglichkeit, dem Alltag zu entfliehen und sich selbst besser kennenzulernen. Und vielleicht, nur vielleicht, hilft meine Geschichte ja auch dem ein oder anderen von euch, der gerade eine schwierige Zeit durchmacht.
Also, tief durchatmen und los geht’s: Ich war verliebt. Unsterblich verliebt. In jemanden, der mich betrogen hat. Und ja, ich weiß, das ist ein Satz, den gefühlt jede zweite Person schon mal gesagt hat. Aber die Gefühle dahinter sind eben doch immer einzigartig.
Sein Name war Julian, und wir waren seit drei Jahren zusammen. Wir haben uns in Berlin kennengelernt, auf einem dieser unzähligen Flohmärkte, die die Stadt zu bieten hat. Er verkaufte Vintage-Kameras, ich suchte nach einem besonderen Schmuckstück. Unsere Blicke trafen sich, und es war, wie man so schön sagt, Liebe auf den ersten Blick. Kitschig? Vielleicht. Aber wahr!
Die ersten zwei Jahre waren perfekt. Wir haben die Welt bereist (ja, auch beruflich hatte ich Glück), kleine Roadtrips durch Europa gemacht, sind durch Thailand getingelt und haben uns in Vietnam ineinander verliebt. Er war mein bester Freund, mein Liebhaber, mein Fels in der Brandung. Wir haben uns blind verstanden, haben die gleichen Filme geliebt und konnten stundenlang über Gott und die Welt philosophieren.
Die ersten Anzeichen
Dann, vor etwa einem Jahr, hat sich etwas verändert. Julian war distanzierter, öfter gereizt, und seine Arbeitszeiten wurden plötzlich immer länger. Ich habe mir nichts dabei gedacht, habe es auf Stress im Job geschoben. Aber tief in meinem Inneren hatte ich ein ungutes Gefühl. Eine kleine, leise Stimme, die mir immer wieder zuflüsterte: "Da stimmt etwas nicht."
Ich bin ein Mensch, der Konflikte scheut. Ich rede lieber alles schön, als mich mit unangenehmen Wahrheiten auseinanderzusetzen. Aber irgendwann konnte ich die Augen nicht mehr verschließen. Ich habe sein Handy kontrolliert (ich weiß, das war nicht die feine englische Art, aber ich war verzweifelt) und bin auf Nachrichten gestoßen, die eindeutig waren. Er hatte eine Affäre. Mit einer Kollegin.
Die Welt ist für mich zusammengebrochen. Ich fühlte mich, als hätte mir jemand den Boden unter den Füßen weggezogen. Alles, was ich für wahr und richtig gehalten hatte, war plötzlich eine Lüge. Der Schmerz war unerträglich. Eine Mischung aus Wut, Trauer, Enttäuschung und dem Gefühl, einfach nicht gut genug zu sein.
Die Konfrontation und das Geständnis
Ich habe ihn zur Rede gestellt, und er hat alles gestanden. Er sagte, es sei ein Fehler gewesen, ein Ausrutscher, eine dumme Kurzschlussreaktion. Er beteuerte, mich immer noch zu lieben und dass es ihm unendlich leid tue. Er flehte mich an, ihm zu verzeihen.
Und da war es, dieses Gefühl, das ich bis heute nicht ganz verstehe: Ich habe ihm geglaubt. Irgendwie habe ich ihm geglaubt, dass er mich liebt. Vielleicht war es die Angst, ihn zu verlieren, vielleicht die Hoffnung, dass alles wieder so wird wie früher. Vielleicht war es auch einfach nur die Dummheit der Liebe.
Ich habe ihm verziehen. Ich habe versucht, die Sache zu vergessen, einen Neuanfang zu wagen. Wir haben geredet, geweint, gestritten und uns wieder versöhnt. Wir haben versucht, unsere Beziehung zu retten. Aber es war, als wäre etwas zerbrochen, das sich nicht mehr kitten ließ. Das Vertrauen war weg, und mit ihm die Leichtigkeit und Unbeschwertheit, die unsere Beziehung ausgemacht hatten.
Warum ich ihn liebe (oder geliebt habe?)
Warum ich ihn trotzdem geliebt habe? Eine gute Frage! Vielleicht, weil ich in den ersten Jahren unserer Beziehung so glücklich war. Weil ich die Hoffnung hatte, dass wir wieder dahin zurückkehren können. Weil er, trotz allem, auch viele gute Seiten hatte. Er war intelligent, witzig, charmant und hatte das Herz am rechten Fleck. Und vielleicht, ganz ehrlich, auch, weil ich Angst hatte, alleine zu sein.
Aber irgendwann musste ich mir eingestehen, dass es so nicht weitergehen kann. Dass ich mich selbst verliere, wenn ich an einer Beziehung festhalte, die mich unglücklich macht. Dass ich es verdiene, geliebt zu werden, ohne Wenn und Aber.
Die Entscheidung, mich zu trennen, war die schwerste meines Lebens. Aber es war auch die beste Entscheidung. Es war der erste Schritt in Richtung Selbstachtung und Selbstliebe.
Lissabon als Therapie
Und hier bin ich nun, in Lissabon. Ich habe mir eine kleine Wohnung gemietet, um Abstand zu gewinnen und zur Ruhe zu kommen. Ich spaziere durch die Alfama, lasse mich von den bunten Kacheln und der Lebensfreude der Menschen inspirieren. Ich esse Pastel de Natas (ja, ich habe es schon erwähnt, aber sie sind einfach zu gut!), trinke Vino Verde und genieße die Sonne auf meiner Haut.
Lissabon ist eine Stadt der Melancholie und der Hoffnung. Eine Stadt, in der man sich verlieren und wiederfinden kann. Eine Stadt, die mir hilft, loszulassen und nach vorne zu blicken.
Meine Tipps für Lissabon:
- Alfama erkunden: Das älteste Viertel Lissabons mit seinen verwinkelten Gassen und den traditionellen Fado-Häusern.
- Castelo de São Jorge besuchen: Eine beeindruckende Burg mit einem atemberaubenden Blick über die Stadt.
- Pasteis de Belém probieren: Die berühmten Blätterteigtörtchen mit Cremefüllung, ein Muss für jeden Lissabon-Besucher.
- Mit der Tram 28 fahren: Eine historische Tramlinie, die durch die schönsten Viertel Lissabons führt.
- Den Mercado da Ribeira besuchen: Ein moderner Food-Market mit einer riesigen Auswahl an köstlichen Speisen und Getränken.
- Einen Fado-Abend erleben: Die melancholische portugiesische Musik ist ein unvergessliches Erlebnis.
Ich weiß, dass es noch ein langer Weg ist. Aber ich bin optimistisch. Ich glaube daran, dass ich eines Tages wieder glücklich sein werde. Dass ich jemanden finden werde, der mich so liebt, wie ich bin. Und bis dahin genieße ich mein Leben in vollen Zügen. Ich reise, lerne neue Menschen kennen, probiere neue Dinge aus und konzentriere mich auf mich selbst.
Und vielleicht treffe ich ja auch hier in Lissabon meine neue Liebe. Wer weiß? Das Leben ist voller Überraschungen. Und ich bin bereit für alles, was kommt.
"Manchmal muss man erst ganz unten sein, um wieder nach oben zu kommen."
Also, ihr Lieben, lasst euch nicht unterkriegen. Auch wenn das Leben manchmal hart ist, es gibt immer einen Weg. Und vergesst nicht: Reisen hilft immer! In diesem Sinne: Bis bald und alles Liebe!
