Ernst Jandl My Own Song
Hallo ihr Lieben, eure reiselustige Freundin ist wieder da – diesmal nicht mit Sand zwischen den Zehen oder Bergpanorama im Blick, sondern mit einer kulturellen Entdeckung, die mich wirklich berührt hat. Ich nehme euch mit auf eine etwas andere Reise, nämlich in die Welt des österreichischen Dichters Ernst Jandl, genauer gesagt, zu seinem Gedicht "mein eigenes lied". Warum ich das hier schreibe? Weil ich glaube, dass Reisen nicht nur bedeutet, schöne Orte zu sehen, sondern auch, neue Perspektiven zu gewinnen und sich von Kunst und Kultur inspirieren zu lassen. Und Jandl, der hat's drauf!
Ich muss zugeben, bevor ich mich intensiver mit Jandl auseinandergesetzt habe, war er mir nur vage bekannt. Klar, der Name klingelte, aber seine Werke...naja, da gab es Nachholbedarf. Und genau das ist ja das Schöne am Reisen und Entdecken: Man stolpert über Neues, Unerwartetes und lässt sich darauf ein. "mein eigenes lied" war so ein Stolperstein, der sich als echter Glücksgriff entpuppte.
Die erste Begegnung: Ein bisschen ratlos, aber fasziniert
Ich erinnere mich genau, wie ich das Gedicht zum ersten Mal gelesen habe. Es war in einem kleinen Wiener Café, bei einem Melange und Sachertorte (wie könnte es anders sein?). Ich hatte eine Gedichtsammlung von Jandl dabei, einfach, weil ich etwas zum Lesen brauchte. "mein eigenes lied" sprang mir sofort ins Auge. Aber was zum Teufel war das denn? Es war...anders. Irgendwie minimalistisch, rhythmisch, aber gleichzeitig total sperrig.
mein eigenes lied
ich kann es singen
es ist nicht mein lied
ich kann es singen
es ist dein lied
ich kann es singen
Ganz ehrlich, ich war verwirrt. Was wollte Jandl mir damit sagen? War das Ironie? Oder eine tiefere Botschaft, die sich mir noch nicht erschloss? Ich blätterte weiter, las andere Gedichte, aber "mein eigenes lied" ging mir nicht aus dem Kopf. Es nagte an mir, forderte mich heraus.
Die Entschlüsselung: Mehr als nur Worte
Ich begann, mich intensiver mit Jandls Werk auseinanderzusetzen. Ich las Biografien, Kritiken, Interpretationen. Und langsam, ganz langsam, begann ich zu verstehen. Jandl war ein Meister der Sprachspiele, ein Dekonstrukteur der Sprache. Er zerlegte Wörter in ihre Einzelteile, experimentierte mit Klang und Rhythmus, und schuf so eine ganz eigene, einzigartige Poesie. Er war nicht darauf aus, schöne, gefällige Verse zu schreiben. Er wollte aufrütteln, zum Nachdenken anregen, konventionelle Denkmuster aufbrechen.
Und genau das gelingt ihm in "mein eigenes lied" auf beeindruckende Weise. Das Gedicht scheint auf den ersten Blick simpel, ja fast schon banal. Aber gerade in dieser Einfachheit liegt seine Stärke. Es ist ein Spiel mit Perspektiven, mit Besitzverhältnissen, mit der Frage nach Identität. Ist es wirklich mein eigenes Lied, wenn ich es nur singen kann, weil es von jemand anderem stammt? Kann man überhaupt etwas wirklich besitzen, wenn es gleichzeitig auch anderen gehört?
Die Interpretation: Eine Reise zu sich selbst
Für mich persönlich ist "mein eigenes lied" zu einem Sinnbild für die Reise an sich geworden. Wir reisen, um neue Erfahrungen zu sammeln, um uns selbst besser kennenzulernen. Aber sind diese Erfahrungen wirklich unsere eigenen? Sind wir nicht immer auch geprägt von dem, was wir gesehen, gehört und gelernt haben? Sind wir nicht immer auch ein Spiegelbild der Orte, die wir besucht haben, der Menschen, denen wir begegnet sind?
Ich glaube, Jandl wollte uns mit diesem Gedicht genau dazu anregen: Über uns selbst nachzudenken, über unsere Rolle in der Welt, über unsere Beziehungen zu anderen. Und er tut das auf eine Art und Weise, die sowohl humorvoll als auch tiefgründig ist. Er nimmt sich selbst und seine Leser nicht zu ernst, aber er scheut sich auch nicht, unbequeme Fragen zu stellen.
Ich habe das Gedicht für mich so interpretiert, dass es darstellt, dass wir oft Dinge als unser Eigenes betrachten, die uns eigentlich von anderen gegeben wurden. Ein Lied kann ein Geschenk sein, eine Tradition, eine Kultur, die wir übernehmen und weitertragen. Wir können es singen, interpretieren und uns damit identifizieren, aber es wird nie ausschließlich unser Eigenes sein. Es ist ein Teil von etwas Größerem, ein verbindendes Element. Wir nehmen die Melodie, den Text und die Emotionen in uns auf und geben sie auf unsere Weise wieder. Wir formen sie neu, aber der Ursprung bleibt bestehen.
Es ist auch eine Metapher für das Lernen und Wachsen. Wir lernen von anderen, von der Geschichte, von unseren Erfahrungen. Dieses Wissen wird Teil von uns, prägt unser Denken und Handeln. Aber es ist wichtig, sich bewusst zu sein, woher es kommt und es wertzuschätzen. Es ist ein ständiger Austausch, ein Geben und Nehmen. Wir nehmen auf und geben weiter, wir lernen und lehren, wir sind Teil eines großen, zusammenhängenden Ganzen.
Jandl in Wien: Eine Spurensuche
Nachdem ich "mein eigenes lied" für mich entdeckt hatte, wollte ich mehr über Jandl erfahren. Und was liegt näher, als nach Wien zu reisen, der Stadt, in der er einen Großteil seines Lebens verbracht hat? Ich besuchte das Literaturmuseum, das einige Exponate zu Jandl zeigt, und wanderte durch die Straßen, in denen er einst unterwegs war. Ich versuchte, mir vorzustellen, wie er hier gelebt und gearbeitet hat, wie er sich von seiner Umgebung hat inspirieren lassen.
Ich entdeckte kleine Gedenktafeln an Häusern, in denen er gewohnt hatte, und besuchte einige der Cafés, in denen er vermutlich gesessen und geschrieben hat. Es war eine Art Spurensuche, die mich dem Dichter ein Stück näherbrachte. Ich spürte, wie seine Persönlichkeit und seine Ideen in der Stadt noch immer präsent waren.
Natürlich ist Wien auch ohne Jandl eine Reise wert. Die Stadt ist reich an Geschichte, Kultur und natürlich an kulinarischen Köstlichkeiten. Aber für mich hat die Begegnung mit Jandl meinem Wien-Besuch eine ganz besondere Note verliehen. Es war, als ob ich die Stadt mit anderen Augen sah, als ob ich eine zusätzliche Ebene der Bedeutung entdeckte.
Mein Fazit: Mehr als nur ein Gedicht
"mein eigenes lied" ist für mich mehr als nur ein Gedicht. Es ist eine Einladung, die Welt mit offenen Augen zu betrachten, kritisch zu hinterfragen und sich von der Schönheit der Sprache verzaubern zu lassen. Es ist eine Erinnerung daran, dass Reisen nicht nur bedeutet, neue Orte zu sehen, sondern auch, sich selbst besser kennenzulernen.
Also, liebe Reisefreunde, lasst euch von Jandl inspirieren! Nehmt "mein eigenes lied" mit auf eure nächste Reise, lest es, denkt darüber nach, und lasst es auf euch wirken. Vielleicht entdeckt ihr ja auch etwas Neues, Unerwartetes, etwas, das eure Reise zu einem ganz besonderen Erlebnis macht. Ich wünsche euch viel Spaß beim Entdecken!
Und noch ein kleiner Tipp: Wenn ihr in Wien seid, besucht unbedingt das Literaturmuseum und lasst euch von der Vielfalt der österreichischen Literatur begeistern. Es lohnt sich!
