Erwartungs Mal Wert Modell
Stell dir vor, du stehst vor einem riesigen Buffet. Nicht irgendein Buffet, sondern DAS Buffet. Berge von Schokoladenkuchen, dampfende Pizzen, ein Brunnen aus Käse, und sogar ein Karamell-Krokodil (ja, warum nicht?). Aber du hast nur einen Teller. Wie entscheidest du, was drauf kommt?
Ganz intuitiv wendest du dabei wahrscheinlich etwas an, das Psychologen das Erwartungs-Mal-Wert-Modell nennen. Klingt kompliziert? Keine Sorge, ist es nicht! Im Grunde geht es darum, dass wir bei jeder Entscheidung zwei Dinge berücksichtigen: Was wir erwarten und was uns das wert ist.
Was wir erwarten: Die Wahrscheinlichkeit des Erfolgs
Nehmen wir den Schokoladenkuchen. Du erwartest, dass er super lecker ist. Aber dann siehst du, dass er ein bisschen trocken aussieht. Die Erwartung sinkt. Vielleicht denkst du: "Hm, der sieht aus, als hätte er schon drei Tage in der Auslage verbracht." Die Wahrscheinlichkeit, dass er dich glücklich macht, ist also geringer. Das ist die "Erwartung" im Modell. Es geht darum, wie wahrscheinlich du es findest, dass etwas wirklich gut (oder schlecht!) wird.
Auf der anderen Seite steht die dampfende Pizza. Sie riecht fantastisch! Deine Erwartung ist hoch. Du denkst: "Wow, die sieht aus, als wäre sie direkt aus dem Pizzaofen gehüpft! Bestimmt super knusprig und saftig!"
Was uns das wert ist: Der Wert der Belohnung
Aber jetzt kommt der zweite Teil: Was ist dir das Ganze wert? Der "Wert" im Modell. Vielleicht bist du ein totaler Schokoholic und selbst ein halb-trockener Kuchen ist besser als gar kein Kuchen! Der Wert von Schokoladenkuchen für dich ist also sehr hoch. Oder du bist gerade auf Diät und Pizza ist dein größter Feind (aber ein verdammt leckerer Feind!). Der Wert von Pizza ist für dich vielleicht negativ, selbst wenn sie fantastisch riecht.
Der Wert ist also sehr subjektiv. Was dem einen das größte Glück bedeutet, lässt den anderen völlig kalt. Stell dir vor, jemand bietet dir an, dein Badezimmer zu putzen. Wenn du es hasst, dein Badezimmer zu putzen, ist der Wert dieser Dienstleistung ENORM! Wenn du es aber liebst (ja, solche Menschen soll es geben!), ist der Wert eher gering.
Die Multiplikation des Glücks
Und jetzt kommt der Clou: Das Modell sagt, dass wir Erwartung und Wert multiplizieren! (Keine Angst, du brauchst keinen Taschenrechner). Wenn deine Erwartung für die Pizza hoch ist (sagen wir 9 von 10) und der Wert auch (auch 9 von 10, weil du Pizza einfach liebst!), dann ist das Ergebnis 81! Bei dem trockenen Kuchen ist die Erwartung vielleicht nur 3 von 10 und der Wert 7 von 10 (weil Schoko!). Das ergibt nur 21! Also wählst du (wahrscheinlich) die Pizza!
Ein kleines Gedankenexperiment: Der Karamell-Krokodil-Fall
Aber was ist mit dem Karamell-Krokodil? Die Erwartung, dass ein Karamell-Krokodil gut schmeckt, ist... sagen wir mal, ungewiss. Vielleicht 5 von 10? Aber der Wert, so ein verrücktes Ding zu probieren, ist gigantisch! Der Neuigkeitswert, das Instagram-Foto, die Story, die du erzählen kannst! Der Wert ist 10 von 10! 5 x 10 = 50! Plötzlich ist das Karamell-Krokodil gar nicht mehr so abwegig!
Merke: Das Erwartungs-Mal-Wert-Modell ist keine exakte Wissenschaft. Es ist eher eine Daumenregel, die uns hilft, Entscheidungen zu treffen. Manchmal entscheiden wir uns spontan, ohne groß nachzudenken. Aber im Unterbewusstsein läuft diese Rechnung oft ab.
Im echten Leben: Vom Job bis zur Partnerwahl
Dieses Modell hilft uns nicht nur am Buffet. Es beeinflusst alle möglichen Entscheidungen. Bei der Jobsuche: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich den Job bekomme (Erwartung)? Und wie viel Wert lege ich auf diesen Job (Gehalt, Arbeitsatmosphäre, etc.)? Bei der Partnerwahl: Wie wahrscheinlich ist es, dass diese Person und ich zusammenpassen (Erwartung)? Und wie wichtig ist mir eine Beziehung gerade (Wert)?
Sogar bei so banalen Dingen wie der Entscheidung, ob du diese Artikel zu Ende liest (ich hoffe doch!), spielen Erwartung und Wert eine Rolle. Du erwartest, dass der Artikel unterhaltsam und informativ ist (oder zumindest nicht langweilig!). Und du legst Wert darauf, etwas Neues zu lernen (oder dich einfach nur gut zu fühlen). Wenn beides hoch ist, liest du weiter. Wenn nicht... naja, dann gibt es ja noch das Karamell-Krokodil!
Also, das nächste Mal, wenn du vor einer Entscheidung stehst, denk an das Erwartungs-Mal-Wert-Modell. Vielleicht hilft es dir, die "richtige" Wahl zu treffen. Oder zumindest die, die dich am glücklichsten macht!
