Etwas Schlimmes Groß Oder Klein
Das deutsche Rechtssystem unterscheidet nicht nur zwischen verschiedenen Arten von Straftaten und Ordnungswidrigkeiten, sondern auch hinsichtlich des Grades der jeweiligen Verfehlung. Ob "etwas Schlimmes" als groß oder klein einzustufen ist, hat erhebliche Auswirkungen auf die möglichen Konsequenzen. Dieser Artikel soll Ihnen als Expat oder Neuankömmling einen Überblick darüber verschaffen, wie diese Einteilung in Deutschland funktioniert und welche praktischen Konsequenzen sich daraus ergeben.
Was bedeutet "Schlimm"? Eine Definition
Der Begriff "schlimm" ist im juristischen Kontext nicht exakt definiert, sondern wird anhand verschiedener Faktoren bewertet. Im Wesentlichen geht es um die Schwere der Rechtsgutverletzung, die Umstände der Tat und die Schuld des Täters. Ein kleines "Schlimmes" wäre demnach eine geringfügige Rechtsgutverletzung, begangen unter Umständen, die die Schuld des Täters mindern, während ein großes "Schlimmes" das Gegenteil darstellt.
Rechtsgutverletzung
Rechtsgüter sind rechtlich geschützte Interessen, wie beispielsweise:
- Leib und Leben: Verletzungen der körperlichen Unversehrtheit, bis hin zum Tod.
- Eigentum: Das Recht, über seine Sachen frei zu verfügen.
- Ehre: Der gute Ruf einer Person.
- Freiheit: Das Recht, sich frei zu bewegen und zu entscheiden.
- Allgemeine Sicherheit: Die Sicherheit der öffentlichen Ordnung.
Je schwerwiegender die Verletzung eines dieser Rechtsgüter ist, desto "schlimmer" ist die Tat in der Regel.
Umstände der Tat
Die Umstände, unter denen eine Tat begangen wurde, spielen eine wichtige Rolle bei der Bewertung der Schwere. Dazu gehören beispielsweise:
- Vorsatz oder Fahrlässigkeit: Wurde die Tat absichtlich (vorsätzlich) begangen oder aus Unachtsamkeit (fahrlässig)? Vorsätzliches Handeln wird in der Regel schwerer bestraft.
- Motiv: War das Motiv der Tat ehrenhaft oder niederträchtig?
- Art und Weise der Tatausführung: Wurde die Tat besonders brutal oder grausam begangen?
- Auswirkungen auf das Opfer: Hat das Opfer unter den Folgen der Tat besonders gelitten?
- Geständnis und Reue: Hat der Täter die Tat gestanden und Reue gezeigt?
Schuld des Täters
Die Schuld des Täters bezieht sich auf seine Verantwortlichkeit für die Tat. Hierbei werden Faktoren wie die geistige Reife (bei Jugendlichen), psychische Erkrankungen oder Alkohol- und Drogenkonsum berücksichtigt. War der Täter beispielsweise aufgrund einer psychischen Erkrankung vermindert schuldfähig, kann dies die Strafe reduzieren.
Konsequenzen: Groß oder Klein - Das macht den Unterschied
Die Einteilung in "groß" und "klein" hat weitreichende Konsequenzen für das Verfahren und die möglichen Strafen.
Straftaten vs. Ordnungswidrigkeiten
Eine zentrale Unterscheidung ist die zwischen Straftaten und Ordnungswidrigkeiten. Straftaten sind schwerwiegendere Rechtsverstöße, die im Strafgesetzbuch (StGB) oder anderen Strafgesetzen geregelt sind. Ordnungswidrigkeiten sind weniger schwerwiegend und werden im Ordnungswidrigkeitengesetz (OWiG) geregelt.
Beispiele für Straftaten: Diebstahl, Körperverletzung, Betrug. Beispiele für Ordnungswidrigkeiten: Falschparken, Geschwindigkeitsüberschreitung.
Die Konsequenzen für Straftaten sind in der Regel deutlich härter als für Ordnungswidrigkeiten. Straftaten können mit Geldstrafen oder sogar Freiheitsstrafen geahndet werden, während Ordnungswidrigkeiten in der Regel mit Bußgeldern belegt werden.
Das Strafmaß
Innerhalb der Straftaten gibt es ebenfalls Unterschiede im Strafmaß. Die Höhe der Strafe hängt von der Schwere der Tat und der Schuld des Täters ab. Bei der Strafzumessung berücksichtigt das Gericht alle relevanten Umstände des Einzelfalls.
Ein "kleiner" Diebstahl (z.B. der Diebstahl einer geringwertigen Sache) wird in der Regel milder bestraft als ein "großer" Diebstahl (z.B. der Einbruch in ein Geschäft und der Diebstahl wertvoller Gegenstände).
Eintrag im Führungszeugnis
Bei Verurteilungen zu einer Freiheitsstrafe von mehr als drei Monaten oder einer Geldstrafe von mehr als 90 Tagessätzen erfolgt ein Eintrag im Führungszeugnis. Ein Eintrag im Führungszeugnis kann erhebliche Auswirkungen auf das Berufsleben und andere Bereiche des Lebens haben.
Ordnungswidrigkeiten werden in der Regel nicht im Führungszeugnis eingetragen.
Ausländerrechtliche Konsequenzen
Für Ausländer können Straftaten ausländerrechtliche Konsequenzen haben. Eine Verurteilung wegen einer Straftat kann zur Ausweisung aus Deutschland führen. Die Ausländerbehörde prüft in jedem Einzelfall, ob die Ausweisung verhältnismäßig ist. Dabei werden die Schwere der Tat, die Dauer des Aufenthalts in Deutschland und die persönlichen Umstände des Ausländers berücksichtigt.
Ordnungswidrigkeiten führen in der Regel nicht zur Ausweisung.
Praktische Beispiele
Um die Unterschiede zu verdeutlichen, hier einige praktische Beispiele:
Beispiel 1: Körperverletzung
- Kleine Körperverletzung: Eine leichte Ohrfeige im Streit. Mögliche Konsequenzen: Geldstrafe.
- Schwere Körperverletzung: Eine schwere Verletzung mit einem Messer. Mögliche Konsequenzen: Freiheitsstrafe.
Beispiel 2: Diebstahl
- Kleiner Diebstahl: Der Diebstahl einer Tafel Schokolade im Supermarkt. Mögliche Konsequenzen: Geldstrafe (bei Wiederholungstätern).
- Schwerer Diebstahl: Einbruch in ein Juweliergeschäft und der Diebstahl wertvoller Schmuckstücke. Mögliche Konsequenzen: Freiheitsstrafe.
Beispiel 3: Sachbeschädigung
- Kleine Sachbeschädigung: Das Beschmieren einer Bushaltestelle mit Graffiti. Mögliche Konsequenzen: Geldstrafe.
- Schwere Sachbeschädigung: Die Zerstörung eines Autos durch Brandstiftung. Mögliche Konsequenzen: Freiheitsstrafe.
Wie verhalte ich mich richtig?
Sollten Sie in eine Situation geraten, in der Ihnen eine Straftat oder Ordnungswidrigkeit vorgeworfen wird, ist es wichtig, sich richtig zu verhalten:
- Schweigen Sie! Machen Sie gegenüber der Polizei oder anderen Behörden keine Angaben zur Sache, ohne vorher einen Anwalt konsultiert zu haben. Sie haben das Recht zu schweigen und dieses sollten Sie auch nutzen.
- Nehmen Sie Kontakt zu einem Anwalt auf. Ein Anwalt kann Sie über Ihre Rechte und Pflichten aufklären und Sie im Verfahren vertreten.
- Kooperieren Sie mit Ihrem Anwalt. Geben Sie Ihrem Anwalt alle relevanten Informationen, damit er Sie bestmöglich beraten und vertreten kann.
- Beachten Sie die Anweisungen Ihres Anwalts. Ihr Anwalt wird Ihnen sagen, was Sie im Verfahren tun und lassen sollen.
Fazit
Die Unterscheidung zwischen "groß" und "klein" ist im deutschen Rechtssystem von entscheidender Bedeutung. Sie bestimmt nicht nur das Strafmaß, sondern auch die Art des Verfahrens und die möglichen Konsequenzen. Als Expat oder Neuankömmling ist es wichtig, sich über die geltenden Gesetze und Regeln zu informieren und sich im Zweifelsfall rechtzeitig rechtlichen Rat einzuholen, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden. Denken Sie daran: Unwissenheit schützt nicht vor Strafe.
