Exterminate All The Brutes Lindqvist
Okay, lasst uns ehrlich sein. Einige Dokus sind… anstrengend. Wir alle kennen das. Man schaltet ein, denkt sich "Oh, das klingt interessant!" Und *bam!* Schwere Kost, die einem die Laune verdirbt.
Jetzt kommt "Exterminate All The Brutes" von Raoul Peck ins Spiel. Und ja, ich weiß, ich weiß. Der Titel schreit ja schon nach "intellektuellem Marathon". Und es geht um Kolonialismus, Völkermord und die dunkle Seite der Menschheit. Also, nicht gerade das, was man sich sonntags zur Entspannung reinzieht, oder?
Aber hier kommt meine – vielleicht unpopuläre – Meinung: Ich finde Svenson Lindqvist, den Autor von "Exterminate All The Brutes" (das Buch, das die Doku inspiriert hat), heimlich… genial.
Moment mal, bevor ihr die Mistgabeln rausholt! Lasst mich erklären. Lindqvist ist kein Typ, der einem Honig ums Maul schmiert. Er spart nicht mit Kritik an… nun ja, eigentlich fast allem. Und das ist, finde ich, erfrischend.
Klar, die Themen sind düster. Niemand will sich gerne mit Völkermord beschäftigen. Aber Lindqvist macht es auf eine Art, die einen nicht sofort in Depressionen stürzt. Er schreibt nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern eher wie ein Freund, der sagt: "Hey, schau mal, das ist echt Mist, aber wir müssen darüber reden."
Er nimmt keine Gefangenen. Er dekonstruiert Mythen, zerreißt Geschichtsbücher und zeigt, dass die Vergangenheit oft viel komplizierter (und schmutziger) ist, als wir es gerne hätten. Und das, meine Freunde, ist wichtig.
Ich meine, wie oft haben wir im Geschichtsunterricht von "Entdeckern" gehört? Helden, die die Welt "entdeckt" haben. Lindqvist dreht den Spieß um. Er fragt: "Entdeckt für wen? Und was haben sie entdeckt? Und zu welchem Preis?"
Und das ist der Punkt. Er zwingt uns, unbequeme Fragen zu stellen. Er zwingt uns, unsere eigene Geschichte zu hinterfragen. Und er zwingt uns, darüber nachzudenken, wie wir die Welt heute gestalten.
Klar, es ist keine leichte Kost. Man muss sich darauf einlassen. Aber wenn man das tut, dann öffnet sich einem eine ganz neue Perspektive auf die Welt. Eine Perspektive, die vielleicht nicht immer schön ist, aber immer ehrlich.
Warum ich ihn mag (trotzdem!)
Humor (ja, wirklich!)
Lindqvist hat einen trockenen Humor, der immer wieder durchblitzt. Er nimmt sich selbst (und seine Forschung) nicht zu ernst. Das macht das Lesen (oder Anschauen der Doku) erträglicher.
Er ist kein Moralapostel
Er predigt nicht. Er präsentiert Fakten und lässt den Leser (oder Zuschauer) seine eigenen Schlüsse ziehen. Das finde ich stark.
Er zwingt uns zum Nachdenken
Das ist vielleicht der wichtigste Punkt. Er lässt uns nicht einfach so davonkommen. Er will, dass wir uns mit der Vergangenheit auseinandersetzen, damit wir die Zukunft besser gestalten können.
Also ja, ich mag Lindqvist. Und ich mag "Exterminate All The Brutes". Auch wenn es keine leichte Kost ist. Es ist wichtig. Es ist unbequem. Und es ist verdammt gut.
Bevor ich es vergesse: Es ist verständlich, dass die Thematik und der Titel abschrecken können. Aber wenn man sich darauf einlässt, kann man unglaublich viel lernen. Es ist eben keine leichte Kost, aber eine wichtige.
Und vielleicht, nur vielleicht, hilft es uns ja, die Welt ein bisschen besser zu verstehen. Und wer weiß, vielleicht sogar ein bisschen besser zu machen. Das wäre doch was, oder?
