Fallbeispiele Pflege Mit Lösung Demenz
Oma Erna, 87, liebte ihren Garten mehr als alles andere. Ihre Tomaten waren legendär, ihr Rosenbogen ein Postkartenmotiv. Nur leider vergaß sie in letzter Zeit immer öfter, wo sie ihre Gartenschere hingelegt hatte, oder welcher Tag überhaupt war. Diagnose: beginnende Demenz. Ihre Familie war besorgt, aber sie wollten Erna unbedingt zuhause lassen. Also begannen sie, kreativ zu werden.
Der verschwundene Gartenzwerg
Der erste Fall, der ihnen Kopfzerbrechen bereitete, war der Fall des verschwundenen Gartenzwergs. Eines Morgens war Heinzi, Ernas Lieblingszwerg mit der roten Mütze, spurlos verschwunden. Erna war untröstlich. Die Familie suchte den ganzen Garten ab, vergeblich. Dann, am nächsten Tag, entdeckte Enkelin Lena Heinzi - im Kühlschrank, neben dem Joghurt. Erna kicherte: "Ach, der Heinzi wollte sich wohl abkühlen!"
Die Lösung:
Anstatt Erna zu tadeln, beschlossen sie, die Situation mit Humor zu nehmen. Sie bastelten ein kleines Schild für Heinzi: "Heinzi macht Urlaub im Garten." Und sie platzierten Fotos von Heinzi an ungewöhnlichen Orten, um Erna spielerisch zu orientieren. Ein Foto von Heinzi am Kühlschrank erinnerte sie vielleicht daran, dass dort Essen gelagert wurde, nicht Gartenzwerge.
Der singende Wecker
Oma Erna hatte immer schon einen Hang zur Melancholie, besonders am Nachmittag. Ihre Stimmung sank dann oft, und sie wurde unruhig. Dann kamen die Erinnerungen an früher hoch, oft vermischt und schmerzhaft.
Die Lösung:
Die Familie kaufte einen Wecker, der ihr Lieblingslied spielte: "Hoch auf dem gelben Wagen". Immer um 15 Uhr ertönte die fröhliche Melodie und zauberte Erna ein Lächeln ins Gesicht. Es wurde ein kleines Ritual. Sie tanzte sogar manchmal mit ihrem Rollator durchs Wohnzimmer. Die Musik lenkte sie von ihren düsteren Gedanken ab und brachte positive Erinnerungen zurück.
Die verlegte Brille (Teil 1, 2, und 3…)
Ernas Brille. Ein Dauerthema. Sie suchte sie ständig, überall, und nirgends war sie zu finden. Unter dem Kissen, im Blumentopf, im Schuhschrank – die Brille hatte ein Eigenleben entwickelt. Einmal fand Urenkel Max sie sogar in der Hundeschüssel! Erna lachte Tränen: "Der Bello wollte wohl mal schick aussehen!"
Die Lösung:
Mehrere! Erstens: Mehrere Brillen. An strategischen Orten platziert: eine im Wohnzimmer, eine in der Küche, eine am Bett. Zweitens: Ein Brillenband. Vielleicht nicht das modischste Accessoire, aber äußerst praktisch. Drittens: Ein Spiel daraus machen. Die Familie versteckte die Brille absichtlich (natürlich an ungefährlichen Orten) und Erna bekam kleine "Detektiv"-Aufgaben. Belohnung: ein Stück Kuchen!
Das verkehrte Mittagessen
Einmal servierte Erna der Familie zum Mittagessen Marmeladenbrote mit Wurst und Senf. "Guten Appetit!", rief sie fröhlich. Die Familie war zuerst etwas irritiert, aber sie spielten mit. Sie lobten Ernas Kreativität und aßen brav ihre Marmeladenbrote mit Wurst und Senf.
Die Lösung:
Anstatt Erna zu korrigieren oder ihr zu sagen, dass das Essen "falsch" ist, beschlossen sie, das gemeinsame Essen bewusster zu gestalten. Sie halfen ihr spielerisch beim Tischdecken und Zubereiten der Mahlzeiten. Sie machten es zu einem gemeinsamen Projekt, bei dem Erna sich gebraucht und eingebunden fühlte. Und manchmal gab es eben Marmeladenbrote mit Wurst und Senf. War ja auch mal was anderes.
Der falsche Knopf
Einmal rief Erna ihre Tochter mitten in der Nacht an. Sie war völlig aufgeregt: "Ich kann das Fernsehen nicht ausschalten! Der Knopf ist kaputt!" Ihre Tochter eilte zu ihr und stellte fest: Erna hatte versucht, den Fernseher mit dem Lichtschalter auszuschalten.
Die Lösung:
Die Familie vereinfachte Ernas Umgebung. Sie verwendeten große, übersichtliche Fernbedienungen mit wenigen Knöpfen. Sie beschrifteten die Knöpfe deutlich und platzierten eine einfache Anleitung neben dem Fernseher. Und sie erinnerten Erna immer wieder daran, welcher Knopf für was zuständig war – mit viel Geduld und Humor.
Diese Fallbeispiele zeigen, dass der Umgang mit Demenz nicht immer einfach ist, aber dass es viele kreative und liebevolle Lösungen gibt. Wichtig ist, die betroffene Person nicht zu korrigieren oder zu bevormunden, sondern sie in ihrer Welt abzuholen und ihr ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu geben. Und natürlich: Viel Humor. Denn Lachen ist die beste Medizin – auch bei Demenz.
Die Familie von Oma Erna hat gelernt, dass Pflege mehr ist als nur Medikamente und medizinische Versorgung. Es ist ein liebevolles Miteinander, ein kreatives Umgehen mit Herausforderungen und die Fähigkeit, auch in schwierigen Situationen das Positive zu sehen. Und wer weiß, vielleicht schmeckt ja Marmeladenbrot mit Wurst und Senf gar nicht so schlecht…
"Manchmal muss man die Welt einfach mit anderen Augen sehen." - Oma Erna (irgendwann mal gesagt)
