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Französische Lyrische Gedichtform Des 13 Und 14 Jahrhunderts


Französische Lyrische Gedichtform Des 13 Und 14 Jahrhunderts

Im 13. und 14. Jahrhundert erlebte die französische Lyrik eine Blütezeit, in der sich verschiedene feste Gedichtformen entwickelten und etablierten. Diese Formen, oft als formes fixes bezeichnet, zeichnen sich durch strikte Regeln hinsichtlich Reimschema, Verszahl und Wiederholungen aus. Sie dienten nicht nur als ästhetisches Gerüst, sondern auch als intellektuelle Herausforderung für die Dichter und boten gleichzeitig einen Rahmen für die Entfaltung künstlerischer Kreativität. Zu den bedeutendsten dieser Formen gehören die Ballade, das Rondeau und das Virelai.

Die Ballade

Die Ballade ist wohl die bekannteste und am weitesten verbreitete der formes fixes. Sie besteht typischerweise aus drei Strophen, gefolgt von einem Envoi. Jede Strophe hat die gleiche Reimstruktur und die gleiche Anzahl von Versen. Ein Refrain, ein Vers oder eine Verszeile, wird am Ende jeder Strophe und des Envoi wiederholt. Dieses Refrain verleiht dem Gedicht eine gewisse rhythmische und thematische Geschlossenheit.

Struktur der Ballade

Die klassische Balladenform hat in der Regel folgendes Schema:

  • Drei Strophen: Jede Strophe besteht meist aus acht Versen (oktava) oder zehn Versen (dekasyllabus).
  • Reimschema: Das Reimschema ist in allen Strophen identisch, oft ababbcbc für Oktaven oder ababbccddc für Dekasyllaben.
  • Envoi: Das Envoi ist eine kurze abschließende Strophe, oft halb so lang wie die Hauptstrophen. Es enthält in der Regel eine Anrede an einen Gönner oder eine geliebte Person.
  • Refrain: Der Refrain schließt jede Strophe und das Envoi ab.

Die Ballade erlaubte den Dichtern, verschiedene Themen zu behandeln, von Liebeslyrik über historische Ereignisse bis hin zu moralischen Betrachtungen. Der Refrain diente dazu, die Kernaussage des Gedichts zu unterstreichen und dem Zuhörer bzw. Leser im Gedächtnis zu bleiben.

Beispiel: Eine fiktive Ballade über die Vergänglichkeit der Schönheit (in vereinfachter Form):
Die Rose blüht so rot und rein,
Doch welkt sie bald, die Pracht vergeht.
So ist das Leben, ach, so klein,
Wie schnell die Jugend von uns fleht.
Der Spiegel zeigt die erste Pein,
Die Zeit, sie unaufhaltsam geht.
Drum nutze jeden Tag, sei fein,
Solang dein Herz noch freudig schlägt.
Denn alles Schöne bald vergeht.
Die Rose duftet süß im Schein,
Doch Dornen sind ihr stets geneht.
So ist die Liebe, Freud und Schrein,
Ein kurzer Traum, der dann entweht.
Der Kummer lässt uns bitter wein',
Die Hoffnung, die im Herzen lebt,
Verblasst, wie Sterne, fern und rein,
Wenn uns das Schicksal hart bewegt.
Denn alles Schöne bald vergeht.
Die Rose ist ein kurzer Schrein,
Der uns an unsre Endlichkeit erinnert.
So schnell verschwindet das Gestein,
Das unsre Wege hat gehindert.
Drum lass uns nicht im Zorn verweihn,
Sondern Leben leben, unverzerrt.
Gottlob die Schönheit kann befreien,
Denn die Erinnerung wird nicht versehrt.
Denn alles Schöne bald vergeht.
Prinzessin, lasst das Klagen sein,
Denn die Vergänglichkeit ist schwer.
Die Schönheit vergeht, wie das Gebein,
Denn alles Schöne bald vergeht.

Das Rondeau

Das Rondeau ist eine weitere beliebte forme fixe des 13. und 14. Jahrhunderts. Es zeichnet sich durch seine Kürze und die geschickte Verwendung von Wiederholungen aus. Es besteht typischerweise aus dreizehn Versen, die auf drei Reime verteilt sind.

Struktur des Rondeaus

Die Form des Rondeaus ist prägnant und folgt einem bestimmten Muster:

  • Dreizehn Verse: Das Rondeau hat immer dreizehn Verse.
  • Drei Reime: Es gibt nur drei Reime, die sich durch das ganze Gedicht ziehen.
  • Refrain-Anfang: Die ersten Worte oder der erste Vers des Gedichts werden als Refrain an bestimmten Stellen wiederholt. Dies gibt dem Rondeau seine charakteristische Struktur und seinen musikalischen Klang.
  • Reimschema: Das typische Reimschema ist ABaAabABabAaB (Großbuchstaben kennzeichnen den Refrain).

Die Kürze und die Wiederholungen im Rondeau machen es zu einer idealen Form für die Darstellung von einer einzigen Idee oder einem Gefühl. Die geschickte Verwendung der Refrain-Anfänge erfordert vom Dichter ein hohes Maß an sprachlicher Finesse.

Beispiel: Ein fiktives Rondeau über die Sehnsucht nach dem Frühling (in vereinfachter Form):
Der Winter ist so kalt und grau,
Die Sonne scheint so selten nur.
Ich sehne mich nach Grün und Flur,
Der Winter ist so kalt und grau.
Nach Blumen, die so lieblich schau,
Und Vogelgesang, der klingt so pur.
Der Winter ist,
Ich sehne mich nach Grün und Flur.

Das Virelai

Das Virelai, auch bekannt als die Rundtanzlied, ist eine forme fixe, die eng mit der Musik verbunden ist. Es wurde oft als Tanzlied komponiert und aufgeführt. Das Virelai zeichnet sich durch seine kreisende Struktur und die Verwendung von Refrains aus.

Struktur des Virelais

Das Virelai hat eine komplexe Struktur, die auf Wiederholungen und Reimschemata basiert:

  • Strophen und Couplets: Ein Virelai beginnt mit einem Refrain, gefolgt von mehreren Strophen. Jede Strophe besteht aus einer bestimmten Anzahl von Versen und wird durch ein Couplet abgeschlossen, das Teile des Refrains wiederholt.
  • Reimschema: Das Reimschema ist komplex und variiert je nach Art des Virelais (altfranzösisches Virelai, neues Virelai, etc.). Es enthält jedoch immer Elemente von Reimwiederholungen und Refrains.
  • Refrain: Der Refrain kehrt in regelmäßigen Abständen wieder und verbindet die einzelnen Strophen miteinander.
  • Musikalischer Ursprung: Das Virelai war eng mit der Musik verbunden und wurde oft von Tanz begleitet.

Das Virelai erlaubte den Dichtern, komplexe Emotionen und Geschichten auf eine musikalische und rhythmische Weise auszudrücken. Die wiederholenden Elemente trugen zur einprägsamen Wirkung der Lieder bei.

Es gibt verschiedene Arten von Virelais, darunter das Virelai ancien (altes Virelai) und das Virelai nouveau (neues Virelai), die sich in ihrer Struktur und Reimschema unterscheiden. Das Virelai ancien ist die ältere Form und hat eine kompliziertere Struktur als das Virelai nouveau.

Beispiel: Eine sehr vereinfachte Darstellung eines Virelais (die Komplexität des Originals kann hier nicht vollständig wiedergegeben werden):
(Refrain)
Ich liebe den Sommer so sehr, so sehr.
(Strophe 1)
Die Sonne scheint hell und warm,
Die Vögel singen im grünen Baum.
Die Blumen blühen in bunter Schar.
(Couplet)
Ich liebe den Sommer so sehr.
(Strophe 2)
Das Meer ist blau und klar,
Der Wind weht sanft und wunderbar.
Die Tage sind lang und hell.
(Couplet)
Ich liebe den Sommer so sehr.
(Refrain)
Ich liebe den Sommer so sehr, so sehr.

Bedeutung und Einfluss

Die formes fixes des 13. und 14. Jahrhunderts spielten eine wichtige Rolle in der Entwicklung der französischen Lyrik. Sie boten den Dichtern ein Gerüst, um ihre Kreativität auszuleben, und trugen zur Verfeinerung der Sprache und der poetischen Techniken bei. Diese Formen beeinflussten auch die Lyrik anderer europäischer Länder und wurden im Laufe der Zeit weiterentwickelt und angepasst.

Obwohl die formes fixes heute weniger häufig verwendet werden als in der Vergangenheit, bleiben sie ein wichtiger Bestandteil der literarischen Geschichte Frankreichs. Das Studium dieser Formen ermöglicht es uns, die ästhetischen Werte und die künstlerischen Techniken der mittelalterlichen Lyrik besser zu verstehen und die Vielfalt und den Reichtum der französischen Sprache zu würdigen.

Für Expats, Neuankömmlinge und alle, die sich für französische Literatur interessieren, bieten die formes fixes des 13. und 14. Jahrhunderts einen faszinierenden Einblick in die kulturellen und künstlerischen Traditionen Frankreichs. Sie sind ein Zeugnis der Kreativität und des sprachlichen Geschicks der mittelalterlichen Dichter und ein wertvolles Erbe, das bis heute fortlebt.

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