Friedemann Schulz Von Thun
Okay, mal ehrlich. Haben wir uns nicht alle schon mal gefragt, was in den Köpfen anderer Leute so vor sich geht? Und warum Kommunikation manchmal so verdammt kompliziert sein muss?
Der Mann, der mehr sah als nur Worte
Da kommt Friedemann Schulz von Thun ins Spiel. Der Mann mit dem komplizierten Namen, der uns versuchte zu erklären, dass hinter jeder Aussage mehr steckt, als wir hören. Und hier kommt meine – Achtung! – unpopuläre Meinung: Ich glaube, er hatte Recht, aber... er hat uns auch ein bisschen verrückt gemacht.
Schulz von Thun hat uns das Vier-Seiten-Modell der Kommunikation geschenkt. Oder das Kommunikationsquadrat, wie es auch genannt wird. Es besagt, dass jede Nachricht vier Seiten hat: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Super hilfreich, oder? Zumindest theoretisch.
Die vier Seiten – Ein kleiner Exkurs
Nehmen wir an, jemand sagt: "Die Ampel ist grün."
- Sachinhalt: Die Ampel ist grün. Fakten, Fakten, Fakten.
- Selbstoffenbarung: "Ich bin gerade hier und bemerke die Ampel." Vielleicht bin ich auch ungeduldig.
- Beziehung: "Ich spreche dich an, weil ich dich für fähig halte, diese Information zu verarbeiten." Oder, subtiler, "Ich bin der Fahrer, du der Beifahrer, also halte ich dich auf dem Laufenden."
- Appell: "Fahr los!" Oder: "Bestätige, dass du die Information erhalten hast!"
Klingt logisch, oder? Aber versucht das mal im Alltag anzuwenden. Ihr werdet wahnsinnig! Jedes Mal, wenn jemand etwas sagt, analysiert ihr innerlich: "Okay, was steckt DAHINTER? Was WILL er mir damit sagen? Was denkt er ÜBER MICH?"
Herzlichen Glückwunsch. Ihr seid offiziell Schulz-von-Thun-geschädigt. Willkommen im Club!
Der Teufel steckt im Detail (und in der Interpretation)
Ich meine, klar, es ist wichtig, aufmerksam zuzuhören und zwischen den Zeilen zu lesen. Aber manchmal ist eine "Die Ampel ist grün"-Aussage einfach nur eine "Die Ampel ist grün"-Aussage. Vielleicht ist die Person einfach nur ein bisschen gesprächig oder will die Stille füllen.
Manchmal ist es auch einfach nur leichter, die Sachen zu lassen, wie sie sind. Muss man immer alles sezieren? Muss man jede Kommunikation auf ihren Beziehungsaspekt abklopfen? Vielleicht nicht.
Stellt euch vor: Ein Date. Ihr sitzt da, angespannt, und versucht, jedes Wort des Gegenübers zu analysieren. "Als er 'Ich mag Pizza' gesagt hat, war das ein Appell, mir zu gefallen? Oder ein Selbstoffenbarungs-Hinweis auf seine unkomplizierte Persönlichkeit? Ist die Beziehungsebene, dass er mich als potenziellen Pizza-Buddy sieht?"
Das Date ist schneller vorbei, als ihr "Kommunikationsquadrat" sagen könnt. Und wahrscheinlich auch euer zweites Date.
Also, was tun?
Schulz von Thun hat uns zweifellos wichtige Werkzeuge an die Hand gegeben, um Kommunikation besser zu verstehen. Wir sollten uns nur nicht von ihnen versklaven lassen.
Meine Empfehlung: Nutzt das Modell als Richtlinie, nicht als Gesetz. Seid aufmerksam, aber nicht paranoid. Vertraut eurem Bauchgefühl. Und vor allem: Vergesst nicht, dass Kommunikation auch Spaß machen kann. Und manchmal ist es einfach nur okay, die Ampel grün sein zu lassen.
"Man kann nicht nicht kommunizieren." - Friedemann Schulz von Thun. Aber vielleicht kann man ein bisschen weniger interpretieren?
Am Ende des Tages ist Kommunikation ein Tanz. Und manchmal stolpern wir. Aber solange wir bereit sind, wieder aufzustehen und weiter zu tanzen, ist alles gut. Auch wenn wir dabei nicht immer alle vier Seiten jeder Nachricht perfekt analysieren.
Also, atmet tief durch. Lasst die Ampel Ampel sein. Und genießt das Gespräch. Vielleicht sogar ohne Hintergedanken.
