Funny Games Haneke 1997
Manchmal stolpert man über Filme, die einen einfach sprachlos machen. Und dann gibt es Funny Games. Der Film von Michael Haneke aus dem Jahr 1997 ist so ein Fall – man schaut ihn und fragt sich: Was zur Hölle habe ich da gerade gesehen? Aber auf eine... faszinierende Art und Weise.
Ein Urlaubstrip, der schiefgeht... brutal schief
Stell dir vor, du fährst mit deiner Familie in ein schickes Ferienhaus am See. Endlich Urlaub! Sonne, Entspannung, vielleicht ein bisschen Segeln. Klingt idyllisch, oder? Tja, bei Anna, Georg und ihrem Sohn Schorschi läuft das ein bisschen anders. Kaum angekommen, bekommen sie Besuch von zwei höflichen jungen Männern in weißen Handschuhen: Paul und Peter. Und ab da geht alles den Bach runter. Sehr schnell.
Diese beiden jungen Männer sind nämlich alles andere als freundlich. Sie sind sadistische Psychopathen, die die Familie in ein grausames Spiel zwingen. Ein Spiel, bei dem es um Leben und Tod geht. Und das Schlimmste: Sie tun das mit einer perfiden Höflichkeit, die einem das Blut in den Adern gefrieren lässt.
Fernsehen aus? Denkste!
Was Funny Games so besonders macht, ist die Art und Weise, wie Haneke mit dem Publikum spielt. Er bricht die vierte Wand. Paul, einer der Peiniger, wendet sich immer wieder direkt an die Kamera. Er zwinkert, kommentiert, fragt uns Zuschauer, auf wessen Seite wir stehen. Das ist extrem verstörend und macht den Film zu einem sehr unangenehmen, aber auch sehr cleveren Erlebnis.
Es gibt eine Szene, in der Anna es schafft, eine der Folterungen abzuwenden. Sie schnappt sich eine Flinte und erschießt Peter. Man denkt: "Endlich! Das Blatt wendet sich!" Aber dann... greift Paul zur Fernbedienung. Er spult die Szene zurück und verhindert, dass Anna schießt. Das ist so dreist und surreal, dass man unweigerlich lachen muss – auch wenn einem das Lachen im Hals stecken bleibt.
Mehr als nur Gewalt
Funny Games ist kein reiner Splatterfilm. Es geht Haneke nicht darum, möglichst viel Blut und Gewalt zu zeigen. Vielmehr geht es ihm um die Darstellung von Gewalt und wie wir als Zuschauer damit umgehen. Er kritisiert die Sensationslust des Publikums, die Gier nach Unterhaltung, die auch aus Leid besteht.
Der Film zeigt die Gewalt oft nur indirekt. Wir sehen nicht alles, aber wir hören es. Wir sehen die Reaktionen der Opfer, ihre Angst, ihre Verzweiflung. Das ist viel verstörender, als wenn man alles direkt vor Augen hätte. Haneke zwingt uns, unsere eigene Fantasie zu nutzen, und das macht den Film so beklemmend.
Man könnte argumentieren, dass Funny Games eine bittere Pille ist, die uns Haneke verabreicht. Aber es ist eine Pille, die wir vielleicht brauchen. Er hält uns einen Spiegel vor und zeigt uns, wie wir als Gesellschaft mit Gewalt umgehen. Und das ist keine schöne Erkenntnis.
Warum das Ganze?
Haneke will uns nicht schocken, um des Schockens willen. Er will uns zum Nachdenken anregen. Er will uns fragen, warum wir uns solche Filme überhaupt ansehen. Warum wir uns an der Gewalt ergötzen. Und er will uns zeigen, dass die Gewalt, die wir im Fernsehen oder im Kino sehen, nicht harmlos ist. Sie kann real sein, sie kann uns jederzeit treffen. Und das ist das wirklich Beängstigende an Funny Games.
Obwohl der Film so düster und beunruhigend ist, hat er auch etwas Faszinierendes. Er ist ein Meisterwerk der Provokation, ein Film, der einen nicht loslässt. Und er zeigt auf eine sehr eindringliche Weise, dass das Böse oft mitten unter uns ist, versteckt hinter einer Fassade der Höflichkeit und des guten Benehmens.
Und mal ehrlich, wer hat nicht schon mal den Impuls gehabt, die Fernbedienung zu schnappen und eine misslungene Situation im Leben einfach zurückzuspulen? Haneke macht das in Funny Games auf eine Art und Weise, die gleichzeitig absurd und zutiefst beunruhigend ist.
Funny Games ist definitiv kein Film für jedermann. Aber wer sich traut, sich darauf einzulassen, wird mit einem einzigartigen und unvergesslichen Filmerlebnis belohnt. Und wer weiß, vielleicht sieht man die Welt danach mit anderen Augen.
"Vielleicht hätten Sie doch lieber Fernsehen sehen sollen." - Paul, Funny Games
Denk mal drüber nach...
