Gedichte Analysieren Klasse 6 Arbeitsblatt
Herzlich willkommen in der Welt der Gedichtanalyse! Gerade in der 6. Klasse beginnt man, sich intensiver mit Lyrik auseinanderzusetzen. Keine Sorge, es klingt komplizierter als es ist. Mit dem richtigen Arbeitsblatt und ein paar einfachen Schritten wird das Analysieren von Gedichten zu einem spannenden Abenteuer. Dieser Leitfaden soll dir helfen, dich in diesem Bereich zurechtzufinden und selbstbewusst an die Analyse heranzugehen.
Was ist eine Gedichtanalyse und warum ist sie wichtig?
Eine Gedichtanalyse ist im Grunde genommen das genaue Untersuchen eines Gedichts. Wir schauen uns nicht nur an, was der Dichter sagt, sondern auch wie er es sagt. Es geht darum, die Botschaft, die Stimmung und die verwendeten Stilmittel zu verstehen. Warum ist das wichtig? Weil Gedichte oft tiefergehende Gedanken und Gefühle transportieren. Durch die Analyse lernen wir, diese zu entschlüsseln und die künstlerische Leistung des Dichters zu würdigen. Außerdem schult es dein Sprachgefühl und deine Fähigkeit, Texte zu interpretieren – Fähigkeiten, die dir in vielen Bereichen deines Lebens nützlich sein werden.
Der Aufbau einer Gedichtanalyse
Eine Gedichtanalyse folgt in der Regel einem bestimmten Schema. Keine Angst, du musst dich nicht sklavisch daran halten, aber es dient als guter Orientierungsrahmen. Die wichtigsten Punkte sind:
- Einleitung: Hier nennst du den Titel des Gedichts, den Autor und das Entstehungsjahr (falls bekannt). Gib eine kurze allgemeine Einführung in das Thema des Gedichts. Was erwartest du, worum es gehen könnte?
- Inhaltsangabe: Fasse den Inhalt des Gedichts in eigenen Worten zusammen. Was passiert in den einzelnen Strophen? Was ist die Kernaussage?
- Formale Analyse: Hier betrachtest du die äußere Form des Gedichts:
- Strophen und Verse: Wie viele Strophen hat das Gedicht? Wie viele Verse hat jede Strophe? Gibt es ein bestimmtes Muster?
- Reimschema: Welches Reimschema liegt vor (z.B. Kreuzreim, Paarreim, Umarmender Reim, Haufenreim)? Notiere es dir (z.B. ABAB für Kreuzreim).
- Metrum/Versmaß: Das Metrum beschreibt die Abfolge von betonten und unbetonten Silben in einem Vers. Häufige Metren sind Jambus (unbetont-betont), Trochäus (betont-unbetont), Daktylus (betont-unbetont-unbetont) und Anapäst (unbetont-unbetont-betont). Versuche herauszufinden, welches Metrum im Gedicht vorherrscht.
- Kadenz: Die Kadenz beschreibt den Ausgang eines Verses. Eine männliche Kadenz endet auf einer betonten Silbe, eine weibliche auf einer unbetonten.
- Sprachliche Analyse: Jetzt wird es spannend! Hier untersuchst du die Sprache des Gedichts und suchst nach Stilmitteln.
- Wortwahl: Sind die Wörter eher einfach oder gehoben? Gibt es bestimmte Wortfelder (z.B. Wörter, die sich auf die Natur beziehen)? Sind die Wörter eher positiv oder negativ besetzt?
- Stilmittel: Achte auf folgende Stilmittel:
- Vergleich: Eine Verbindung zweier Dinge mit "wie" (z.B. stark wie ein Bär).
- Metapher: Ein bildlicher Ausdruck (z.B. "Die Sonne ist ein Feuerball").
- Personifikation: Vermenschlichung von Dingen oder Tieren (z.B. "Der Wind flüstert").
- Alliteration: Mehrere Wörter beginnen mit dem gleichen Buchstaben (z.B. "Milch macht müde Männer munter").
- Anapher: Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Anfang von aufeinanderfolgenden Sätzen oder Versen (z.B. "Ich kam, ich sah, ich siegte").
- Epipher: Wiederholung eines Wortes oder einer Wortgruppe am Ende von aufeinanderfolgenden Sätzen oder Versen.
- Hyperbel: Übertreibung (z.B. "Ich habe dich schon tausendmal gesagt").
- Untertreibung (Litotes): Gegenteil von Übertreibung, oft durch Verneinung (z.B. "Das war nicht schlecht").
- Ironie: Gegenteil von dem, was gesagt wird, ist gemeint (z.B. "Das hast du ja toll gemacht!").
- Rhetorische Frage: Eine Frage, auf die keine Antwort erwartet wird (z.B. "Wer hätte das gedacht?").
- Symbol: Ein Gegenstand oder eine Handlung, die für etwas anderes steht (z.B. eine Taube als Symbol für Frieden).
- Inversion: Umstellung der üblichen Wortreihenfolge.
- Interpretation: Hier kommt alles zusammen! Was bedeutet das Gedicht? Welche Botschaft möchte der Dichter vermitteln? Welche Gefühle werden ausgedrückt? Beziehe dich bei deiner Interpretation auf deine vorherigen Analysen. Begründe deine Aussagen mit Beispielen aus dem Gedicht.
- Schluss: Fasse deine wichtigsten Erkenntnisse zusammen. Wie hat dir das Gedicht gefallen? Was hat es in dir ausgelöst?
Das Arbeitsblatt: Dein Werkzeugkasten für die Gedichtanalyse
Ein gutes Arbeitsblatt kann dir die Arbeit enorm erleichtern. Es strukturiert deine Analyse und hilft dir, nichts zu vergessen. Es gibt viele verschiedene Arten von Arbeitsblättern. Einige sind sehr detailliert, andere eher allgemein gehalten. Wichtig ist, dass es dir hilft, die wesentlichen Punkte zu erfassen. Ein typisches Arbeitsblatt könnte folgende Bereiche abdecken:
- Angaben zum Gedicht: Titel, Autor, Entstehungsjahr
- Inhaltsangabe: Kurze Zusammenfassung des Inhalts
- Formale Analyse:
- Anzahl der Strophen und Verse
- Reimschema
- Metrum
- Kadenz
- Sprachliche Analyse:
- Auffällige Wortwahl
- Stilmittel (mit Beispielen aus dem Gedicht)
- Interpretation:
- Kernaussage des Gedichts
- Gefühle und Stimmung
- Deine persönliche Meinung zum Gedicht
Tipps und Tricks für die Gedichtanalyse
Hier sind noch ein paar nützliche Tipps, die dir die Gedichtanalyse erleichtern:
- Lies das Gedicht mehrmals: Das erste Mal nur, um einen Eindruck zu bekommen. Beim zweiten Mal lies langsamer und achte auf Details.
- Markiere wichtige Stellen: Unterstreiche auffällige Wörter, Stilmittel oder Passagen, die dir besonders wichtig erscheinen.
- Schreibe deine Gedanken auf: Notiere dir spontane Ideen und Assoziationen, die dir beim Lesen kommen.
- Benutze ein Wörterbuch: Wenn du ein Wort nicht kennst, schlage es nach. Manchmal kann die Bedeutung eines einzelnen Wortes den ganzen Sinn des Gedichts verändern.
- Arbeite mit anderen zusammen: Diskutiere das Gedicht mit deinen Mitschülern oder Freunden. Manchmal sieht man etwas, was andere übersehen.
- Sei kreativ: Es gibt nicht die eine "richtige" Interpretation. Sei mutig und entwickle deine eigenen Ideen.
- Hab Spaß! Die Gedichtanalyse soll dir keine Angst machen, sondern dich dazu anregen, über Texte nachzudenken und deine eigene Kreativität zu entfalten.
Beispiel: Analyse eines einfachen Gedichts
Nehmen wir an, wir haben folgendes kurzes Gedicht vorliegen:
Der Mond ist aufgegangen,
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel gar.
Eine kurze Analyse könnte so aussehen:
- Einleitung: Das Gedicht "Der Mond ist aufgegangen" von Matthias Claudius beschreibt eine friedliche Nachtszene.
- Inhaltsangabe: Das Gedicht schildert das Aufgehen des Mondes, die funkelnden Sterne und den stillen Wald. Aus den Wiesen steigt Nebel auf.
- Formale Analyse:
- Zwei Strophen mit jeweils drei Versen.
- Reimschema: AAB CCB (Paarreim in den ersten beiden Versen jeder Strophe, gefolgt von einem Reim am Ende).
- Metrum: Wechselt zwischen Jambus und Trochäus, was dem Gedicht einen ruhigen Rhythmus verleiht.
- Kadenz: Überwiegend weibliche Kadenzen, die den sanften Eindruck des Gedichts verstärken.
- Sprachliche Analyse:
- Wortwahl: Einfache, bildhafte Sprache. Begriffe wie "goldnen Sternlein" und "weiße Nebel" erzeugen eine idyllische Atmosphäre.
- Stilmittel:
- Personifikation: "Der Wald steht schwarz und schweiget"
- Metapher: "goldnen Sternlein" (Sternlein als Gold beschrieben)
- Interpretation: Das Gedicht vermittelt ein Gefühl von Ruhe, Frieden und Geborgenheit. Die Natur wird als ein Ort der Stille und Schönheit dargestellt. Die Einfachheit der Sprache unterstreicht die Natürlichkeit der Szene.
- Schluss: Das Gedicht gefällt mir, weil es eine friedliche und harmonische Stimmung erzeugt. Es erinnert mich an ruhige Sommernächte.
Dieses Beispiel zeigt, wie man auch ein einfaches Gedicht analysieren kann. Wichtig ist, dass du dich nicht von der Komplexität abschrecken lässt und Schritt für Schritt vorgehst. Mit Übung und Geduld wirst du bald zum Experten der Gedichtanalyse!
Denk daran: Es gibt keine falschen Antworten, solange du deine Aussagen begründen kannst. Viel Erfolg beim Analysieren!
