Geschichten Aus Dem Wienerwald Figuren Charakterisierung
Willkommen in Wien, der Stadt der Musik, des Kaffees und natürlich des Theaters! Wenn Sie einen Besuch planen oder bereits hier sind, sollten Sie sich unbedingt mit der Wiener Kultur auseinandersetzen. Ein hervorragender Einstieg ist das Stück Geschichten aus dem Wienerwald von Ödön von Horváth. Dieses Stück, voller schwarzem Humor und gesellschaftlicher Kritik, bietet einen tiefen Einblick in die Wiener Seele der Zwischenkriegszeit. Um Ihnen den Zugang zu erleichtern, präsentieren wir Ihnen eine detaillierte Charakterisierung der wichtigsten Figuren.
Eine Reise in den Wienerwald: Horváths Gesellschaftskritik
Geschichten aus dem Wienerwald ist weit mehr als nur eine heitere Komödie. Horváth zeichnet ein schonungsloses Bild der Wiener Gesellschaft der 1930er Jahre, in der Armut, Heuchelei und moralischer Verfall allgegenwärtig sind. Die Figuren sind oft von ihren Trieben und Ängsten getrieben und suchen verzweifelt nach Glück, das sie jedoch selten finden. Das Stück ist ein Mosaik aus tragischen und komischen Momenten, das den Zuschauer zum Nachdenken anregt.
Die Figuren im Detail: Wer tanzt im Wienerwald?
Marianne: Das unglückliche Herz
Marianne, die Tochter des Zauberkönigs, ist die zentrale Figur des Stücks. Sie ist verlobt mit Oskar, dem Fleischhauer, doch ihr Herz schlägt für Alfred, einen Lebemann ohne festen Job. Marianne ist naiv und träumerisch, aber auch gefangen in den Erwartungen ihrer Familie und der gesellschaftlichen Konventionen. Sie sehnt sich nach Liebe und Freiheit, ist aber nicht stark genug, sich von den Zwängen zu befreien. Ihre Entscheidung, Oskar zu verlassen und mit Alfred durchzubrennen, führt zu ihrem persönlichen Unglück und dem vieler anderer. Marianne ist kein reines Opfer; ihre Schwäche und Unentschlossenheit tragen zu ihrem eigenen Leid bei.
Ihre Entwicklung im Stück ist tragisch: Von der naiven jungen Frau, die von der großen Liebe träumt, zur verzweifelten Mutter, die ihr Kind verlassen muss, erlebt Marianne einen tiefgreifenden Fall.
Alfred: Der charmante Taugenichts
Alfred ist ein charmanter Taugenichts, der von einem Tag zum nächsten lebt. Er ist egoistisch, verantwortungslos und nutzt Marianne für seine eigenen Zwecke aus. Alfred ist ein typischer Vertreter der Wiener Unterhaltungsszene der Zwischenkriegszeit, ein Mann, der sich durchschwindelt und wenig Wert auf Moral legt. Er verspricht Marianne die große Liebe, ist aber nicht bereit, Verantwortung für sie oder ihr gemeinsames Kind zu übernehmen. Alfred repräsentiert die Oberflächlichkeit und den moralischen Verfall der Gesellschaft.
Sein Reiz liegt in seiner Unverbindlichkeit. Er verkörpert die Flucht vor der Realität, die so viele in der damaligen Zeit suchten.
Oskar: Der betrogene Ehemann
Oskar ist ein Fleischhauer, der Marianne liebt und sie heiraten möchte. Er ist ehrlich, fleißig und bodenständig, aber auch langweilig und spießig. Oskar ist ein typischer Vertreter des Bürgertums, der an Traditionen und Konventionen festhält. Er ist blind für Mariannes Sehnsüchte und kann ihr nicht das geben, was sie sucht. Obwohl er von Marianne betrogen wird, hält er an ihr fest und ist bereit, ihr zu verzeihen. Oskar ist eine tragische Figur, da er trotz seiner Bemühungen nicht das Glück findet, das er sich wünscht.
Oskar steht für die Ordnung und Stabilität, die in der instabilen Zeit der Zwischenkriegszeit so dringend gesucht wurden.
Zauberkönig: Der patriarchale Vater
Der Zauberkönig, Mariannes Vater, ist ein Inhaber eines Spielwarengeschäfts. Er ist ein patriarchalischer und konservativer Mann, der großen Wert auf Anstand und Konventionen legt. Er kontrolliert seine Tochter und versucht, ihr Leben zu bestimmen. Der Zauberkönig ist ein Symbol für die autoritären Strukturen der Gesellschaft und die Unfähigkeit, sich den Veränderungen der Zeit anzupassen. Seine Liebe zu Marianne ist possessiv und er ist nicht bereit, sie ihren eigenen Weg gehen zu lassen.
Seine Figur verkörpert die starren gesellschaftlichen Normen, die Marianne so sehr einengen.
Valerie: Die intrigante Großmutter
Valerie, die Großmutter von Alfred, ist eine intrigante und manipulative Frau. Sie ist besessen von Geld und versucht, Alfred zu einer reichen Heirat zu bewegen. Valerie ist ein Symbol für die Habgier und den Egoismus der Gesellschaft. Sie ist bereit, über Leichen zu gehen, um ihre Ziele zu erreichen. Ihre Figur dient dazu, die dunkle Seite der menschlichen Natur zu zeigen.
Valerie ist der Inbegriff der kalten Berechnung und des Materialismus.
Mutter: Die leidende Mutter
Alfreds Mutter ist eine leidende Frau, die von ihrem Sohn und ihrer Schwiegermutter ausgenutzt wird. Sie ist gutherzig und naiv, aber auch schwach und unfähig, sich gegen die Manipulationen der anderen zu wehren. Sie ist ein Opfer der Umstände und ein Symbol für die Hilflosigkeit der einfachen Menschen in der Gesellschaft.
Sie repräsentiert die Gutmütigkeit, die in dieser hartherzigen Welt oft untergeht.
Weitere wichtige Figuren:
- Erich: Alfreds Freund, ein skrupelloser Mitläufer.
- Havlitschek: Ein alternder Gigolo, der vergeblich versucht, sein Glück zu machen.
- Ida: Eine Freundin Mariannes, die ebenfalls nach Liebe und Glück sucht.
Die Bedeutung der Charaktere für das Verständnis des Stücks
Die Charaktere in Geschichten aus dem Wienerwald sind keine einfachen Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Sie sind komplexe und vielschichtige Figuren mit Stärken und Schwächen. Durch ihre Handlungen und Beziehungen zueinander spiegelt Horváth die Widersprüche und Abgründe der Wiener Gesellschaft wider. Das Stück ist eine kritische Auseinandersetzung mit den bürgerlichen Werten und der Doppelmoral der Zwischenkriegszeit.
Indem Sie die Charaktere genau studieren, können Sie die tiefere Bedeutung des Stücks besser verstehen und die Aktualität seiner Botschaft erkennen.
Tipps für Ihren Theaterbesuch
- Recherchieren Sie vorab: Lesen Sie sich eine Inhaltsangabe und Kritiken des Stücks durch.
- Achten Sie auf die Sprache: Horváths Sprache ist oft ironisch und doppelbödig.
- Beobachten Sie die Beziehungen zwischen den Figuren: Die Dynamik zwischen den Charakteren ist entscheidend für das Verständnis des Stücks.
- Lassen Sie sich auf die Atmosphäre ein: Geschichten aus dem Wienerwald ist ein Stück, das zum Nachdenken anregt und berührt.
Fazit: Ein unvergessliches Wiener Erlebnis
Geschichten aus dem Wienerwald ist ein Meisterwerk des österreichischen Theaters. Das Stück bietet nicht nur Unterhaltung, sondern auch einen tiefen Einblick in die Wiener Seele und die gesellschaftlichen Probleme der Zwischenkriegszeit. Wenn Sie die Möglichkeit haben, das Stück in Wien zu sehen, sollten Sie diese unbedingt nutzen. Es ist ein unvergessliches Erlebnis, das Ihnen die Wiener Kultur näherbringen wird.
Wir hoffen, diese Charakterisierung hilft Ihnen, das Stück besser zu verstehen und Ihren Theaterbesuch in Wien noch mehr zu genießen! Willkommen in Wien!
