Graue Katze Mit Gelben Augen
Hallo liebe Reisefreunde! Setzt euch, macht es euch bequem und lasst mich euch von einer ganz besonderen Begegnung erzählen, die ich auf meiner letzten Reise hatte. Es war nicht das antike Amphitheater, das mich so verzaubert hat, und auch nicht der atemberaubende Sonnenuntergang über dem Meer – nein, es war eine Katze. Eine ganz besondere Katze: eine graue Katze mit gelben Augen.
Ich war in einem kleinen, verschlafenen Dorf an der Küste Griechenlands unterwegs. Die Häuser schmiegen sich an den Hang, die Gassen sind eng und verwinkelt, und der Duft von wildem Thymian und Salbei liegt in der Luft. Nach einem ausgiebigen Spaziergang wollte ich mich in einer kleinen Taverne direkt am Hafen stärken. Die Sonne brannte heiß, und ich freute mich auf ein kühles Getränk und vielleicht ein paar Oliven.
Als ich mich gerade hingesetzt hatte, bemerkte ich sie. Am Rande der Terrasse, halb im Schatten eines blühenden Oleanders, saß eine Katze. Sie war mittelgroß, ihr Fell in verschiedenen Grautönen schimmernd. Es war nicht das gleichmäßige Grau einer Perserkatze, sondern eher eine Mischung aus Aschgrau, Silbergrau und fast schwarzen Streifen – ein Muster, das an den Rauch eines Lagerfeuers erinnerte. Aber das Faszinierendste an ihr waren ihre Augen. Leuchtend gelb, wie flüssiges Gold, stachen sie aus ihrem grauen Gesicht hervor. Sie blickte mich ruhig und unaufdringlich an, ohne zu betteln oder aufdringlich zu sein. Einfach nur da, beobachtend.
Ich bin eigentlich kein ausgesprochener Katzenmensch, aber irgendetwas an diesem Tier zog mich sofort in seinen Bann. Ihre Augen wirkten so alt, so weise, als hätten sie schon unzählige Leben gelebt und unzählige Geschichten gesehen. Ich konnte mich ihrem Blick kaum entziehen.
Eine Begegnung der besonderen Art
Ich bestellte mir ein Glas Ouzo und einige Meze, und die Katze blieb weiterhin in meiner Nähe. Sie kam nicht näher, bettelte nicht um Essen, sondern hielt einfach respektvollen Abstand. Ab und zu, wenn ich ihr einen Blick zuwarf, erwiderte sie ihn mit einem sanften Blinzeln. Es war eine stille Kommunikation, eine Verbindung ohne Worte.
Der Besitzer der Taverne, ein freundlicher älterer Herr mit einem wettergegerbten Gesicht, bemerkte mein Interesse an der Katze. Er lächelte und erzählte mir, dass sie schon seit einigen Jahren hier lebte. Niemand wusste, woher sie kam oder wem sie gehörte. Sie war einfach plötzlich da gewesen und hatte sich in der Taverne und in der Umgebung eingerichtet. Die Dorfbewohner nannten sie „Skia“, was auf Griechisch Schatten bedeutet. Ein passender Name, fand ich, denn sie schien immer am Rande zu existieren, ein stiller Beobachter der Ereignisse.
Ich fragte den Wirt, ob die Katze hungrig sei, und er meinte, dass sie sich meist selbst versorgte. Sie jagte Mäuse und kleine Vögel und bekam gelegentlich auch von den Gästen der Taverne etwas ab. Ich bot ihr ein Stück meines Souvlaki an, das sie dankend annahm. Sie fraß es langsam und genüsslich, ohne zu schlingen oder zu gierig zu sein. Dann putzte sie sich sorgfältig ihr Fell und ließ sich wieder in den Schatten des Oleanders fallen.
Mehr als nur ein Tier
Ich verbrachte den restlichen Nachmittag in der Taverne, die graue Katze immer in meiner Nähe. Ich beobachtete sie, wie sie sich sonnte, wie sie mit den Blättern des Oleanders spielte, wie sie die vorbeifahrenden Boote beobachtete. Ich fühlte mich, als hätte ich eine Art Seelenverwandten gefunden, einen stillen Begleiter, der mich verstand, ohne dass wir ein Wort wechseln mussten.
Als es Abend wurde und ich mich auf den Rückweg zu meiner Unterkunft machte, folgte mir die Katze ein Stück des Weges. Sie begleitete mich bis zum Ortsausgang, dann blieb sie stehen und sah mir nach. Ich drehte mich noch einmal um und sah sie im letzten Licht der untergehenden Sonne stehen. Ihre gelben Augen leuchteten hell, wie zwei kleine Sterne in der Dunkelheit.
Eine unvergessliche Erinnerung
Ich weiß nicht, warum diese Begegnung mit der grauen Katze mit den gelben Augen mich so berührt hat. Vielleicht war es ihre stille Würde, ihre unabhängige Art, ihr melancholischer Blick. Vielleicht war es aber auch die Tatsache, dass sie mich in einem Moment der Ruhe und Besinnung gefunden hat, in dem ich offen war für eine solche Begegnung.
Jedenfalls werde ich diesen Moment nie vergessen. Die graue Katze mit den gelben Augen wird immer in meiner Erinnerung bleiben, als ein Symbol für die Schönheit und das Geheimnis des Lebens. Sie hat mir gezeigt, dass man auch ohne Worte eine tiefe Verbindung zu einem anderen Lebewesen aufbauen kann, und dass man auch in den kleinsten Dingen eine große Bedeutung finden kann.
Wenn ihr also jemals in einem kleinen griechischen Dorf an der Küste unterwegs seid und eine graue Katze mit leuchtend gelben Augen seht, dann haltet inne und nehmt euch einen Moment Zeit, um sie zu beobachten. Vielleicht erzählt sie euch ja auch eine Geschichte.
Und denkt daran, liebe Reisefreunde: Es sind oft die unerwarteten Begegnungen, die uns am meisten berühren und die unsere Reisen unvergesslich machen. Öffnet eure Augen für die kleinen Wunder am Wegesrand, und lasst euch von ihnen verzaubern. Denn das ist es, was das Reisen so besonders macht.
Bis zum nächsten Abenteuer!
„Die Welt ist ein Buch. Wer nie reist, sieht nur eine Seite davon.“ - Augustinus Aurelius
