Gryphius Es Ist Alles Eitel
Hallo ihr Lieben! Eure reisefreudige Freundin ist zurück – diesmal nicht mit einem strahlenden Bericht über sonnenverwöhnte Strände oder beeindruckende Bergpanoramen. Nein, heute nehmen wir uns ein ganz besonderes Reiseziel vor, eines, das sich nicht auf Landkarten findet, aber dafür tief in unserer Seele wohnt: die Auseinandersetzung mit Andreas Gryphius’ Gedicht "Es ist alles eitel".
Ja, ich weiß, Poesie klingt erstmal nicht nach dem hippsten Reisetipp, aber lasst mich euch erklären, warum ich glaube, dass gerade dieses düstere Stück Literatur uns auf unseren Reisen – und im Leben überhaupt – so viel mitgeben kann. Stellt euch vor, ihr steht vor dem Kolosseum in Rom, überwältigt von der schieren Größe und Geschichte. Oder ihr blickt von der chinesischen Mauer auf das endlose Land. Momente, in denen wir uns klein und unbedeutend fühlen, nicht wahr? Und genau da kommt Gryphius ins Spiel.
Ich bin ehrlich: Ich bin auch nicht immer der größte Fan von pessimistischer Literatur. Aber gerade, weil Gryphius so schonungslos die Vergänglichkeit aller Dinge beschreibt, zwingt er uns, über das Wesentliche nachzudenken. Er war ein Mann seiner Zeit, geprägt vom Dreißigjährigen Krieg, von Pest und Leid. Seine Worte sind düster und eindringlich, aber sie sind auch eine Aufforderung, das Hier und Jetzt bewusst zu erleben.
Eine Reise in die Barockzeit
Bevor wir uns das Gedicht genauer ansehen, ein kleiner Exkurs in die Barockzeit. Andreas Gryphius (1616-1664) war einer der bedeutendsten deutschen Dichter und Dramatiker dieser Epoche. Der Barock war eine Zeit der Gegensätze: Prunk und Prachtentfaltung auf der einen Seite, Tod und Vergänglichkeit auf der anderen. Man denke nur an die prunkvollen Schlösser und Kirchen, die als Gegenpol zur allgegenwärtigen Gefahr von Krieg, Seuchen und Hungersnot errichtet wurden. Gryphius’ Werk ist geprägt von diesem Spannungsfeld. Er war Jurist, Gelehrter und eben Dichter – ein Intellektueller, der die Schrecken seiner Zeit hautnah erlebte.
Gryphius’ Gedicht "Es ist alles eitel" ist ein Paradebeispiel für die barocke Vanitas-Symbolik. Vanitas bedeutet "Eitelkeit" oder "Nichtigkeit". Typische Vanitas-Motive sind Totenköpfe, verwelkte Blumen, Sanduhren und brennende Kerzen – alles Symbole für die Vergänglichkeit des Lebens und die Nichtigkeit irdischen Besitzes.
Das Gedicht – Zeile für Zeile
Lasst uns nun das Gedicht genauer betrachten. Ich habe es in Abschnitte unterteilt, um es leichter verständlich zu machen:
Die erste Strophe: Die Vergänglichkeit der Schönheit
"Du siehst, wohin du siehst, nur Eitelkeit auf Erden.
Was dieser heute baut, reißt jener morgen ein:
Wo itzund Städte stehn, wird bald ein Weide sein
Daß keiner nach dir fragt, das ist die Eitelkeit."
Gryphius beginnt mit einer schonungslosen Feststellung: Alles, was wir sehen, ist Eitelkeit. Was für ein starker Einstieg! Er beschreibt, wie das, was heute gebaut wird, morgen schon wieder zerstört ist. Städte verschwinden und werden zu Weideland. Und das Schlimmste: Niemand wird sich an uns erinnern. Diese Vorstellung ist natürlich beunruhigend, aber sie zwingt uns auch, darüber nachzudenken, was wirklich zählt.
Die zweite Strophe: Krieg, Not und Tod
"Was itzund prächtig blüht, soll bald zertreten werden,
Was jetzt so pocht und trotzt, ist morgen Asch und Bein:
Wer itzt so reißt und wüt, soll über kurz herein,
Daß keiner nach dir fragt, das ist die Eitelkeit."
Hier wird es noch düsterer. Gryphius beschreibt die Zerstörung durch Krieg und Gewalt. Was jetzt noch in voller Blüte steht, wird bald zertreten. Was jetzt noch mächtig und stolz ist, wird morgen zu Asche und Knochen. Und wieder: Niemand wird sich an uns erinnern. Diese Strophe verdeutlicht die Brutalität und Unberechenbarkeit des Lebens.
Die dritte Strophe: Titel und Reichtum sind wertlos
"Wo sind denn alle die so theuer uns gewesen,
Das Leben durchgebracht, um großen Ehr zu sehen,
Die Götter und die Welt für ihre Macht zu schrecken?
Daß keiner nach dir fragt, das ist die Eitelkeit."
Jetzt geht es um Ruhm und Macht. Gryphius fragt, wo all die Menschen geblieben sind, die ihr Leben damit verbracht haben, nach Ehre zu streben und die Welt mit ihrer Macht zu beeindrucken. Auch sie sind verschwunden und vergessen. Diese Strophe stellt die Frage nach dem Wert von äußerem Erfolg und Anerkennung.
Die vierte Strophe: Der Tod als unausweichliches Ende
"Was helfen Kron und Zepter? Krieg und Heldenstreich?
Das Marmor und Porphyr der Fürsten zeigt den Stein:
Was hilft der süße Ton der falschen Musen Schein,
Daß keiner nach dir fragt, das ist die Eitelkeit."
Die letzte Strophe fasst alles noch einmal zusammen. Was helfen Kronen, Zepter, Kriege und Heldentaten? Auch die prunkvollen Gräber der Fürsten sind nur Stein. Was hilft die schöne Musik der Dichter? Am Ende bleibt nur die Tatsache, dass niemand sich an uns erinnern wird. Der Tod ist das unausweichliche Ende, das alles relativiert.
Was können wir daraus lernen?
Okay, das ist ganz schön deprimierend, oder? Aber wartet! Ich glaube, in dieser düsteren Botschaft steckt auch eine wichtige Erkenntnis. Gryphius erinnert uns daran, dass alles vergänglich ist – Schönheit, Macht, Reichtum, sogar unser Leben selbst. Aber genau das kann uns helfen, das Hier und Jetzt bewusster zu erleben. Wenn wir uns der Vergänglichkeit bewusst sind, können wir die Momente, die uns wichtig sind, intensiver genießen.
Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal vor einem atemberaubenden Sonnenuntergang steht, mit Freunden lacht oder ein köstliches Essen genießt. Diese Momente sind kostbar, weil sie vergänglich sind. Und genau das macht sie so wertvoll.
Wie können wir Gryphius' Botschaft auf unsere Reisen anwenden?
- Weniger Perfektionismus, mehr Erfahrung: Lasst euch nicht von der Jagd nach dem perfekten Foto oder dem angesagtesten Instagram-Spot ablenken. Konzentriert euch darauf, die Erfahrung wirklich zu genießen.
- Verbindungen statt Konsum: Anstatt Souvenirs zu kaufen, die ihr später in der Schublade vergesst, investiert in Erlebnisse und Begegnungen mit Menschen.
- Dankbarkeit üben: Nehmt euch jeden Tag einen Moment Zeit, um für die Dinge dankbar zu sein, die ihr habt – eure Gesundheit, eure Freunde, eure Reiseerlebnisse.
- Im Moment leben: Lasst die Vergangenheit ruhen und sorgt euch nicht zu sehr um die Zukunft. Konzentriert euch auf das Hier und Jetzt.
Ich weiß, es ist leichter gesagt als getan. Aber ich glaube, dass Gryphius' Gedicht uns helfen kann, eine neue Perspektive auf das Leben und das Reisen zu gewinnen. Es ist eine Einladung, über das Wesentliche nachzudenken und die Momente zu schätzen, die wirklich zählen.
Mein Fazit: Eine Reise wert!
Auch wenn "Es ist alles eitel" kein fröhliches Gedicht ist, so ist es doch eine wertvolle Lektion über die Vergänglichkeit des Lebens und die Bedeutung des Moments. Ich hoffe, ich konnte euch inspirieren, euch mit diesem Gedicht auseinanderzusetzen und seine Botschaft auf eure Reisen und euer Leben anzuwenden. Und wer weiß, vielleicht werdet ihr beim nächsten Sonnenuntergang oder beim Anblick eines alten Monuments auch an Gryphius denken. In diesem Sinne: Genießt eure Reisen und das Leben selbst – denn alles ist eitel, aber genau das macht es so wertvoll!
Bis zum nächsten Mal, eure reisefreudige Freundin!
