Gulf Of Tonkin Resolutions
Okay, stell dir vor, du bist ein Kind. (Ja, tief durchatmen und die grauen Haare vergessen!) Du hast einen besten Freund, nennen wir ihn Max. Max ist super beliebt, immer für ein Abenteuer zu haben und eigentlich ganz okay, aber manchmal… naja, manchmal übertreibt er ein bisschen.
Eines Tages kommt Max ganz aufgeregt zu dir und sagt: „Hey, stell dir vor! Ich wurde von einem anderen Jungen, sagen wir… Kevin, geärgert! Nicht nur geärgert, sondern richtig attackiert! Er hat mir mein Pausenbrot geklaut, mit Ketchup beschmiert und es dann... gegessen!“
Du bist natürlich empört! Dein bester Freund wurde angegriffen! Das geht ja gar nicht! Und Max, der Dramaqueen, legt noch einen drauf: „Und das Schlimmste ist: Er hat gedroht, das jeden Tag zu machen! Er will meine ganze Mittagsverpflegung an sich reißen!“
Jetzt kommt der Knackpunkt. Du rennst zu deinen Eltern (in diesem Fall, die Regierung) und erzählst ihnen die haarsträubende Geschichte. (Vielleicht ein bisschen ausgeschmückt, weil, hey, Empathie ist wichtig!). Und deine Eltern, voller Sorge um deinen besten Freund Max, sagen: „Okay, mein Schatz, wir geben dir die Erlaubnis, alles zu tun, was nötig ist, um Max zu beschützen! Sogar wenn das bedeutet, Kevins Sandburg zu zerstören oder seine Lego-Sammlung zu konfiszieren!“
Das, meine Freunde, ist im Grunde die Geschichte der Golf von Tonkin Resolution, nur mit Kriegsschiffen statt Pausenbroten und Vietnam statt Kevin.
Was war dieser "Zwischenfall" im Golf von Tonkin überhaupt?
Im August 1964 (lange vor deiner Sandburg-Zerstörungs-Aktion) gab es angeblich zwei Vorfälle im Golf von Tonkin, bei denen nordvietnamesische Torpedoboote amerikanische Schiffe angegriffen haben sollen. Das zumindest war die Version, die Präsident Lyndon B. Johnson der Öffentlichkeit und dem Kongress erzählte.
Später stellte sich heraus, dass die Sache mit den Angriffen… nun, sagen wir mal, sie war nicht ganz so eindeutig, wie sie dargestellt wurde. Der zweite angebliche Angriff ist bis heute umstritten. Manche sagen, es gab ihn gar nicht. Andere sagen, es war ein Missverständnis, ein Radarflecken oder einfach nur ein nervöser Sonar-Techniker. Stell dir vor, du hörst ein Geräusch im Keller und bist sofort überzeugt, dass ein Einbrecher mit einem Hockeyschläger wartet, obwohl es nur die Katze war, die eine leere Chipstüte jagt.
Die "Blankovollmacht" für den Krieg
Egal, was wirklich passiert ist, der Vorfall wurde genutzt, um den Kongress zur Verabschiedung der Golf von Tonkin Resolution zu bewegen. Und diese Resolution war wie die Erlaubnis deiner Eltern, Kevins Sandburg zu dem Erdboden gleichzumachen. Sie gab Präsident Johnson quasi eine "Blankovollmacht", um in Vietnam militärisch zu intervenieren, ohne eine formelle Kriegserklärung vom Kongress zu benötigen.
Denk dran, wie du dich fühltest, als deine Eltern dir diese Erlaubnis gaben! Du fühltest dich mächtig, beschützt und bereit, für deinen Freund einzustehen! Johnson fühlte sich wahrscheinlich ähnlich. Er konnte jetzt Truppen schicken, Bomben abwerfen und den Konflikt in Vietnam eskalieren, alles im Namen der nationalen Sicherheit und der Bekämpfung des Kommunismus (der in diesem Fall Kevin mit dem Ketchup-Pausenbrot wäre).
Die Resolution wurde im Eiltempo durch den Kongress gepeitscht. Kritische Stimmen wurden übertönt, Zweifel beiseite gewischt. Schließlich musste man ja schnell handeln, um Max… äh, Amerika zu beschützen!
Die Folgen waren… nun, sie waren etwas komplizierter als eine zerstörte Sandburg. Der Vietnamkrieg eskalierte zu einem jahrelangen, blutigen Konflikt mit Millionen von Toten und Verwundeten. Und im Nachhinein fragten sich viele Leute: War der ursprüngliche "Angriff" wirklich so schlimm, dass er all das gerechtfertigt hat? Hätten wir nicht vielleicht erst mal ein bisschen genauer nachfragen sollen, bevor wir die Lego-Sammlung konfiszieren?
Die Golf von Tonkin Resolution wurde später vom Kongress widerrufen. Aber der Krieg war schon in vollem Gange. Und die Lektion, die wir daraus lernen können, ist: Manchmal ist es gut, die Geschichte des besten Freundes ein bisschen zu hinterfragen, bevor man eine nukleare Option gegen Kevins Pausenbrot in Betracht zieht. Und vor allem: Sei vorsichtig mit Blankovollmachten, die können schnell zu Blankoschecks für sehr, sehr teure Fehler werden.
Also, das nächste Mal, wenn jemand dir eine haarsträubende Geschichte erzählt, denk an den Golf von Tonkin und frag dich: Gibt es vielleicht noch eine andere Seite der Medaille? Und vielleicht… sollte ich Kevin doch noch eine Chance geben, sein Pausenbrot selbst zu essen?
