Hund Kommt Nicht Wenn Man Ihn Ruft
Einen Hund zu haben, der nicht kommt, wenn man ihn ruft, ist eine frustrierende und potenziell gefährliche Situation. Egal, ob Sie neu in Deutschland sind oder schon lange hier leben, ein zuverlässiger Rückruf ist eine der wichtigsten Fähigkeiten, die Ihr Hund erlernen kann. In diesem Artikel werden wir die häufigsten Gründe untersuchen, warum Hunde nicht kommen, wenn sie gerufen werden, und praktische Lösungen anbieten, die Ihnen helfen, einen starken und zuverlässigen Rückruf zu etablieren.
Warum kommt mein Hund nicht, wenn ich ihn rufe?
Es gibt eine Vielzahl von Gründen, warum ein Hund möglicherweise nicht auf seinen Namen reagiert oder auf den Rückruf kommt. Es ist wichtig, die möglichen Ursachen zu verstehen, um das Problem effektiv anzugehen.
Negative Assoziationen
Oftmals hat der Hund negative Assoziationen mit dem Rückruf aufgebaut. Das bedeutet, dass er den Befehl "Komm" oder seinen Namen mit unangenehmen Erfahrungen verbindet. Dies kann passieren, wenn:
- Der Hund nach dem Rückruf gescholten wurde. Selbst wenn die Schimpfe nicht direkt mit dem Kommen zusammenhängt, verbindet der Hund die Situation mit dem Rückruf.
- Der Hund angeleint wurde, um ihn nach Hause zu bringen, was für ihn das Ende des Spaziergangs bedeutet.
- Der Hund zu einem Tierarztbesuch gerufen wurde.
- Der Hund von einem aufregenden Spiel oder einer Aktivität weggerufen wurde, ohne dass er eine positive Alternative erhielt.
In diesen Fällen hat der Hund gelernt, dass der Rückruf zu etwas Unangenehmem führt, und wird ihn daher vermeiden.
Mangelnde Motivation
Ein weiterer häufiger Grund ist mangelnde Motivation. Der Hund sieht keinen Vorteil darin, zu kommen. Die Belohnung, die Sie ihm bieten, ist möglicherweise nicht attraktiv genug, um ihn von interessanteren Dingen abzulenken.
- Die Belohnung ist nicht hochwertig genug. Ein trockenes Hundekeks ist möglicherweise nicht so verlockend wie das Jagen eines Eichhörnchens.
- Die Belohnung ist unvorhersehbar. Manchmal gibt es eine Belohnung, manchmal nicht.
- Der Hund hat gerade gefressen und ist nicht hungrig.
Es ist wichtig zu verstehen, was Ihr Hund wirklich motiviert, um den Rückruf effektiv zu gestalten.
Ablenkungen
Die Umgebung spielt eine entscheidende Rolle. Wenn der Hund von aufregenden Dingen abgelenkt ist, wie z.B. anderen Hunden, interessanten Gerüchen oder jagdbaren Objekten, kann es schwierig sein, seine Aufmerksamkeit zu bekommen.
- Der Hund ist gerade dabei, etwas zu untersuchen oder zu jagen.
- Es gibt andere Hunde, mit denen er spielen möchte.
- Die Umgebung ist neu und aufregend.
In solchen Situationen muss der Rückruf besonders stark und lohnend sein, um die Ablenkung zu überwinden.
Inkonsistente Befehle
Wenn Sie verschiedene Befehle verwenden oder den Befehl "Komm" nicht immer mit dem gleichen Verhalten verknüpfen, kann der Hund verwirrt werden. Inkonsistenz führt zu Unsicherheit und vermindert die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund gehorcht.
- Sie verwenden verschiedene Wörter für den Rückruf (z.B. "Hier", "Komm her", "Bei Fuß").
- Sie rufen den Hund, ohne dass er tatsächlich zu Ihnen kommen muss (z.B. um ihn nur anzusprechen).
- Sie wiederholen den Befehl mehrmals, ohne dass der Hund reagiert.
Klare und konsistente Kommunikation ist entscheidend für ein erfolgreiches Training.
Gesundheitliche Probleme
In seltenen Fällen können gesundheitliche Probleme die Fähigkeit des Hundes beeinträchtigen, zu hören oder sich zu bewegen.
- Hörverlust oder Schwerhörigkeit.
- Gelenkprobleme oder Schmerzen, die das schnelle Bewegen erschweren.
Wenn Sie vermuten, dass gesundheitliche Probleme eine Rolle spielen, sollten Sie Ihren Tierarzt konsultieren.
Wie kann ich einen zuverlässigen Rückruf trainieren?
Der Aufbau eines zuverlässigen Rückrufs erfordert Geduld, Konsistenz und positive Verstärkung. Hier sind einige bewährte Methoden:
Positive Verstärkung
Positive Verstärkung ist der Schlüssel. Belohnen Sie Ihren Hund jedes Mal, wenn er auf Ihren Rückruf reagiert, und zwar mit etwas, das er wirklich mag. Das kann Futter, Lob, Spielzeug oder eine Streicheleinheit sein. Die Belohnung sollte hochwertig sein, besonders in ablenkenden Umgebungen.
- Verwenden Sie hochwertige Leckerlis wie kleine Stücke Käse, Wurst oder Hühnchen.
- Variieren Sie die Belohnungen, um das Interesse des Hundes aufrechtzuerhalten.
- Seien Sie begeistert und loben Sie Ihren Hund überschwänglich, wenn er kommt.
Schrittweises Training
Beginnen Sie mit dem Training in einer ruhigen, ablenkungsfreien Umgebung, z.B. in Ihrem Wohnzimmer. Sobald der Hund in dieser Umgebung zuverlässig reagiert, können Sie die Schwierigkeit allmählich steigern.
- Rufen Sie den Hund mit seinem Namen und dem Befehl "Komm".
- Wenn er kommt, geben Sie ihm sofort eine Belohnung und loben Sie ihn.
- Wiederholen Sie dies mehrmals täglich.
- Steigern Sie allmählich die Entfernung, aus der Sie den Hund rufen.
- Üben Sie in verschiedenen Umgebungen, wie z.B. im Garten, im Park und auf Spaziergängen.
Die Schleppleine
Verwenden Sie eine Schleppleine, um den Rückruf in ablenkenden Umgebungen zu trainieren. So können Sie den Hund daran hindern, wegzulaufen, und ihn bei Bedarf sanft zu sich heranziehen. Die Schleppleine ermöglicht Ihnen die Kontrolle, ohne den Rückruf zu bestrafen. Lassen Sie die Schleppleine am Boden schleifen, so dass der Hund nicht permanent einen Zug spürt. Wenn Sie den Hund rufen, können Sie die Leine benutzen, um ihm zu helfen, zu Ihnen zu kommen. Belohnen Sie ihn sofort, wenn er sich Ihnen nähert.
Der Super-Rückruf
Machen Sie den Rückruf zum aufregendsten Teil des Tages. Verwenden Sie eine besondere Belohnung, die der Hund nur beim Rückruf bekommt. Das kann sein Lieblingsspielzeug, ein besonderes Leckerli oder eine kurze Spieleinheit. Der Super-Rückruf sollte nur gelegentlich verwendet werden, um seine Wirkung nicht zu verlieren.
Vermeiden Sie Bestrafung
Bestrafen Sie Ihren Hund niemals, wenn er zu Ihnen kommt, selbst wenn er lange gebraucht hat. Die Bestrafung wird den Rückruf negativ beeinflussen und dazu führen, dass der Hund ihn in Zukunft vermeidet. Wenn er zu Ihnen kommt, sollten Sie ihn immer loben und belohnen, egal wie lange es gedauert hat.
Verwenden Sie den Rückruf nicht für Unangenehmes
Vermeiden Sie es, den Rückruf für unangenehme Dinge zu verwenden, wie z.B. Baden, Tierarztbesuche oder das Ende eines Spaziergangs. Wenn Sie den Hund zu diesen Dingen rufen müssen, verwenden Sie einen anderen Befehl oder locken Sie ihn auf andere Weise.
Rückruf-Spiele
Machen Sie das Training spielerisch. Verstecken Sie sich und rufen Sie den Hund. Wenn er Sie findet, belohnen Sie ihn überschwänglich. Sie können auch mit mehreren Personen üben, wobei sich die Personen abwechselnd verstecken und den Hund rufen.
Die "Komm"-Wolke
Einige Trainer empfehlen, den Befehl "Komm" wie eine "Wolke" zu behandeln. Das bedeutet, dass Sie den Befehl nur verwenden, wenn Sie sich zu 99% sicher sind, dass der Hund gehorchen wird. Wenn Sie Zweifel haben, verwenden Sie stattdessen eine Schleppleine oder andere Hilfsmittel, um den Hund zu sich zu holen.
Was tun, wenn mein Hund nicht reagiert?
Wenn Ihr Hund nicht auf den Rückruf reagiert, gibt es ein paar Dinge, die Sie tun können:
- Bleiben Sie ruhig: Werden Sie nicht wütend oder frustriert. Das wird die Situation nur verschlimmern.
- Ändern Sie Ihre Stimme: Versuchen Sie, Ihre Stimme aufgeregter und einladender zu machen.
- Gehen Sie in die entgegengesetzte Richtung: Manchmal hilft es, wegzulaufen. Der Jagdinstinkt des Hundes kann ihn dazu bringen, Ihnen zu folgen.
- Verwenden Sie eine Pfeife: Eine Hundepfeife kann eine effektive Möglichkeit sein, die Aufmerksamkeit des Hundes zu bekommen, besonders in lauten Umgebungen.
- Machen Sie sich klein: Hocken Sie sich hin oder legen Sie sich sogar auf den Boden. Das kann den Hund weniger einschüchternd wirken lassen.
Wenn nichts davon funktioniert, gehen Sie langsam auf den Hund zu und leinen Sie ihn an. Analysieren Sie anschließend die Situation, um herauszufinden, warum der Hund nicht gehorcht hat, und passen Sie Ihr Training entsprechend an.
Zusätzliche Tipps
- Geduld: Der Aufbau eines zuverlässigen Rückrufs braucht Zeit und Geduld. Seien Sie konsequent und geben Sie nicht auf.
- Individualisierung: Jeder Hund ist anders. Passen Sie Ihr Training an die individuellen Bedürfnisse und Motivationen Ihres Hundes an.
- Professionelle Hilfe: Wenn Sie Schwierigkeiten haben, suchen Sie professionelle Hilfe bei einem Hundetrainer oder Verhaltenstherapeuten.
- Lebenslanges Training: Der Rückruf sollte regelmäßig geübt werden, um ihn aufrechtzuerhalten.
Ein zuverlässiger Rückruf ist nicht nur praktisch, sondern kann auch das Leben Ihres Hundes retten. Investieren Sie Zeit und Mühe in das Training, und Sie werden mit einem gehorsamen und glücklichen Begleiter belohnt.
