Ich Bin Libanese Weißt Du Was Das Heißt
Ich bin Libanese. Weißt du was das heißt? Vermutlich nicht so ganz, oder? Lass mich dir ein paar meiner, sagen wir mal, etwas...unpopulären Meinungen dazu erzählen.
Das Essen: Ein endloser Kampf
Okay, fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Essen! Jedes libanesische Familientreffen ist ein Marathon. Ein Marathon des Essens. Du denkst, du bist satt? Falsch! Deine Tante hat noch eine ganze Platte gefüllter Weinblätter. Und wehe, du nimmst nicht! Das ist ja quasi eine Beleidigung der ganzen Familie!
Ich liebe ja unser Essen. Taboulé, Hummus, Baba Ghanoush… ein Traum! Aber manchmal? Manchmal wünsche ich mir einfach nur ein Käsebrot. Ohne Drama. Ohne sieben verschiedene Dips. Einfach ein Käsebrot. Ist das zu viel verlangt?
Die Gastfreundschaft: Segen und Fluch
Die libanesische Gastfreundschaft ist legendär. Und damit meine ich: Wenn du uns besuchst, bist du quasi unser König (oder unsere Königin). Dein Glas wird nie leer sein. Du wirst mit Essen zugedeckt, bis du dich kaum noch bewegen kannst.
Aber... (da ist ein "aber") ...manchmal möchte ich einfach nur in Ruhe gelassen werden. Ich will nicht ständig gefragt werden, ob ich noch mehr essen möchte. Ich will nicht, dass mir ständig etwas angeboten wird. Ich will einfach nur...chillen. Ist das so schlimm?
Die Lautstärke: Ein Lebensgefühl
Libanesen sind laut. Sehr laut. Egal ob beim Telefonieren, beim Diskutieren (was oft dasselbe ist) oder einfach nur beim Unterhalten. Wir lieben es, unsere Meinung kundzutun. Und das am besten mit der maximal möglichen Lautstärke.
Ich bin da ein bisschen anders. Manchmal sehne ich mich nach Stille. Nach dem sanften Rauschen des Windes. Nach dem Zwitschern der Vögel. Stattdessen höre ich...meine Familie. Lautstark. Liebevoll. Aber laut.
Die Familie: Herzstück und Nervensäge
Familie ist alles. Wirklich alles. Und das meine ich auch so. Wir halten zusammen, wir unterstützen uns, wir lieben uns. Und wir streiten uns. Viel. Über alles.
Manchmal denke ich, meine Familie weiß besser, was gut für mich ist, als ich selbst. Sie haben Pläne für meine Karriere, meine Beziehung, meinen Lebensstil. Und wehe, ich weiche davon ab! Dann hagelt es gut gemeinte, aber trotzdem nervige Ratschläge.
Trotzdem: Ich würde meine Familie für nichts auf der Welt eintauschen. Auch wenn sie mich manchmal in den Wahnsinn treibt. Denn am Ende des Tages sind sie das, was zählt.
Die Traditionen: Ein Tanz auf dem Vulkan
Wir lieben unsere Traditionen. Hochzeiten, Taufen, Beerdigungen… alles wird gefeiert (oder betrauert) mit viel Pomp und Trara. Und natürlich mit viel Essen. Und viel Lautstärke.
Aber manchmal frage ich mich, ob wir nicht ein bisschen zu sehr an der Vergangenheit festhalten. Ob wir uns nicht ein bisschen mehr öffnen sollten für neue Ideen, neue Wege. Ob es wirklich immer die traditionelle libanesische Hochzeit mit 500 Gästen sein muss. (Spoiler: Wahrscheinlich ja.)
Versteh mich nicht falsch: Ich bin stolz auf meine libanesische Herkunft. Auf unsere Kultur, unsere Traditionen, unser Essen (trotz der Überfütterung). Aber ich bin auch ich. Und ich habe meine eigenen Meinungen und Vorstellungen. Auch wenn sie manchmal...unpopulär sind.
"Ich bin Libanese. Und das ist gut so. Aber manchmal brauche ich einfach nur ein Käsebrot und ein bisschen Ruhe." - Mein persönliches Motto.
Die ewige Frage: Wo ist dein Pass her?
Egal wo ich bin, egal was ich mache, irgendwann kommt immer die Frage: "Woher kommst du wirklich?" Ich meine, ich sehe nicht aus wie ein typischer Deutscher. Meine Haare sind dunkler, meine Haut ist etwas gebräunter.
Und dann kommt die Erklärung: "Ich bin Libanese." Und dann, meistens, die Frage: "Ah, Libanon! Ist das nicht...gefährlich?" Ja, Libanon hat seine Probleme. Aber es ist auch ein wunderschönes Land mit einer reichen Geschichte und Kultur. Und mit unglaublich freundlichen Menschen.
Ich wünschte, die Leute würden nicht immer nur an Krieg und Konflikte denken, wenn sie "Libanon" hören. Ich wünschte, sie würden auch an Taboulé, Debke und Familie denken.
