Ich Gehe In Die 10 Klasse Englisch
Stell dir vor, du bist zehn Jahre alt und plötzlich wird dir gesagt: "Ab jetzt lernst du Englisch!" Nicht, weil du in Urlaub fährst, sondern weil...naja, weil's eben so ist. Und dann stehst du da, mit einem Buch in der Hand, das voller seltsamer Wörter ist. *Apple*. *Banana*. Klingt erstmal ganz harmlos, oder? Denkste!
Ich erinnere mich noch genau an meine erste Englischstunde. Die Lehrerin, Frau Schmidt, war eigentlich ganz nett, aber ihre Aussprache... Nun ja, sagen wir mal, sie hat sehr enthusiastisch versucht, ein britisches "th" nachzuahmen. Es klang eher wie eine Mischung aus spucken und fauchen. Wir, die kleine 10-jährigen Sprachneulinge, saßen da und versuchten, nicht loszuprusten. "Think!" "Thank you!" Klang eher nach "Fink!" und "Fenk ju!".
Die Vokabeln waren der absolute Knaller. Wieso heißt ein Tisch "table"? Und wieso klingt "chair" fast wie "share"? Das ergab doch alles keinen Sinn! Und dann kamen die Grammatikregeln. Past Tense, Present Perfect, Future Continuous... Ich schwöre, mein Gehirn hat sich damals angefühlt, als würde es Spaghetti kochen. "I go", "I went", "I have gone"... Was denn jetzt?!
Wir hatten auch so tolle Übungen im Unterricht. Zum Beispiel, Sätze bilden. Einer meiner Klassenkameraden, nennen wir ihn mal Kevin, hatte eine ganz eigene Art, Englisch zu lernen. Er hat einfach alle Wörter, die er kannte, in einen Satz geworfen, egal ob sie Sinn ergaben oder nicht. Einmal sagte er: "The cat is eat the blue tree with a big car!". Frau Schmidt war sichtlich verwirrt, aber Kevin war stolz wie Oskar. Hauptsache, er hatte viele englische Wörter benutzt!
Das Drama mit dem "th"
Das "th" blieb unser ewiger Albtraum. Wir haben geübt und geübt, aber es wollte einfach nicht klappen. Einer meiner Freunde, Markus, hatte eine besonders lustige Lösung für das Problem. Er hat einfach alle Wörter, die mit "th" anfingen, durch Wörter mit "d" ersetzt. "Thank you" wurde zu "Denk ju", und "thing" wurde zu "Ding". War zwar nicht richtig, aber es klang irgendwie...ehrlich gesagt, ziemlich witzig.
Einmal mussten wir einen Dialog vorspielen. Markus und ich hatten die Rollen. Ich sollte ihn nach dem Weg zum Bahnhof fragen. Ich fragte: "Where is the...äh...the...äh...bahnhof?". Markus antwortete selbstbewusst: "Go straight and then turn left at the... Ding!". Das Gelächter im Klassenzimmer war ohrenbetäubend. Selbst Frau Schmidt musste grinsen.
Englisch als geheime Sprache
Trotz all der Schwierigkeiten und Peinlichkeiten hat Englisch auch Spaß gemacht. Wir haben angefangen, es als eine Art geheime Sprache zu benutzen. Wenn wir über jemanden lästern wollten, aber nicht wollten, dass er es versteht, haben wir einfach auf Englisch gelästert. "Look at her shoes! They are so ugly!". Hat natürlich nicht immer funktioniert, weil manche Lehrer dann doch besser Englisch konnten, als wir dachten.
Wir haben auch englische Lieder gehört und versucht, die Texte zu verstehen. Das war oft sehr amüsant, weil wir die Hälfte der Wörter falsch verstanden haben. Einmal dachte ich, in einem Song würde gesungen: "I want to break free from your cheese!". Es stellte sich heraus, dass es "chains" war, nicht "cheese". Aber die Vorstellung, sich von Käse zu befreien, fand ich trotzdem ziemlich cool.
Und dann gab es noch die Klassenfahrt nach England. Das war der absolute Wahnsinn. Plötzlich waren wir gezwungen, unser holpriges Schulenglisch in der echten Welt anzuwenden. Bestellungen im Restaurant, Wegbeschreibungen erfragen, mit EinheimischenSmalltalk halten... Es war furchteinflößend und aufregend zugleich.
Ich erinnere mich an eine Situation, als ich in einem Londoner Pub ein "orange juice" bestellen wollte. Ich sagte: "I want... äh... orange...saft!". Der Barkeeper sah mich verwirrt an. Dann zeigte ich einfach auf eine Orange. Er verstand. Und ich war stolz wie Bolle.
Ich habe gelernt, dass es nicht schlimm ist, Fehler zu machen. Es ist sogar wichtig, Fehler zu machen, denn nur so lernt man. Und ich habe gelernt, dass Englisch mehr ist als nur Vokabeln und Grammatik. Es ist eine Tür zu einer anderen Welt. Eine Welt voller Bücher, Filme, Musik und interessanter Menschen.
Heute, viele Jahre später, spreche ich fließend Englisch. Ich lese englische Bücher, schaue englische Filme und unterhalte mich mit Menschen aus aller Welt. Und manchmal, wenn ich ein besonders schwieriges englisches Wort aussprechen muss, denke ich an Frau Schmidt und ihr enthusiastisches "th". Und dann muss ich lächeln.
Die 10. Klasse Englisch war vielleicht nicht immer einfach, aber sie war definitiv eine prägende Erfahrung. Sie hat mir nicht nur eine Sprache beigebracht, sondern auch den Mut, neue Dinge auszuprobieren und Fehler zu machen. Und dafür bin ich dankbar. Selbst für das "th". Irgendwie.
