Ich Hasse Es Schwanger Zu Sein
Ja, ich gebe es zu. Ich sage es laut und deutlich, damit es jeder hören kann: Ich HASSE es, schwanger zu sein! So, jetzt ist es raus. Fühlt sich gut an, oder? Fast wie ein befreiendes Furzen nach einem riesigen Teller Bohneneintopf. Nur... naja, weniger stinkig, hoffe ich.
Klar, alle reden von diesem "wunderschönen Wunder" und dem "kleinen Menschlein", das da in einem heranwächst. Und ja, das Wunder-Zeug ist nett und das Menschlein-Ding ist sicher auch irgendwie süß. Aber dazwischen liegt ein riesiger, stinkender Haufen aus Übelkeit, Sodbrennen und dem dringenden Bedürfnis, alle fünf Minuten pinkeln zu müssen. Wunderbar, oder?
Die glorreichen ersten drei Monate
Ach, die sagenumwobenen ersten drei Monate! Auch bekannt als die Zeit, in der man sich fragt, ob man nicht doch eine Lebensmittelvergiftung hat, anstatt ein neues Leben zu kreieren. Jede Mahlzeit wird zu einem russischen Roulette. Esse ich das? Behalte ich es drinnen? Werde ich es kurz darauf wiedersehen? Die Antwort ist meistens: Vielleicht, wahrscheinlich, und oh ja, definitiv.
Und die Müdigkeit! Leute, ich könnte einen Marathon schlafen. Einen Schlaf-Marathon. Ich habe ernsthaft überlegt, mir einen Schlafsack ins Büro zu legen. Meine Kollegen hätten das wahrscheinlich begrüßt. Weniger "Guten Morgen!"-Grummeln, mehr friedliches Schnarchen. Win-win!
Die Sache mit dem Essen
Und dann das Essen! Plötzlich schmeckt alles entweder nach Pappe oder nach dem köstlichsten Gericht der Welt. Es gibt keine Zwischenlösung. Und wehe dem, der es wagt, mir etwas wegzunehmen, wenn es gerade nach dem köstlichsten Gericht der Welt schmeckt. Ich werde kämpfen. Mit allem, was ich habe. Sogar mit meiner wachsenden Plautze.
Ich erinnere mich an diesen einen Tag, als ich unbedingt Cornflakes mit Essiggurken brauchte. Es war ein unbändiger Drang. Mein Mann blickte mich an, als hätte ich gerade angefangen, Chinesisch zu sprechen. Aber er hat mir die Cornflakes mit Essiggurken besorgt. Weil er weiß, dass glückliche Schwangere, glücklicher Ehemann bedeutet. Oder so ähnlich.
Der mittlere Abschnitt – Ein Hauch von Hoffnung?
Okay, ich gebe zu, der mittlere Abschnitt ist... erträglich. Die Übelkeit lässt etwas nach (nur um Platz für das Sodbrennen zu machen, aber hey, man kann nicht alles haben!). Man spürt das Baby treten, was meistens süß ist. Meistens. Manchmal fühlt es sich an, als hätte es einen Boxhandschuh angezogen und trainiere für einen Kampf. Gegen meine Blase. Ich weiß, dass ich das Wunder schätze, aber die Müdigkeit verfolgt mich immer noch.
Und dann kommt der Bauch. Oh, der Bauch! Er wird größer und größer und größer. Irgendwann sieht man seine Füße nicht mehr. Socken anziehen wird zum olympischen Sport. Schuhe binden? Vergiss es. Ich lebe jetzt in Schlappen. Schlappen sind meine neuen High Heels.
Ich habe neulich versucht, mich zu bücken, um etwas aufzuheben. Ich bin einfach stecken geblieben. Wie ein gestrandeter Wal. Mein Mann musste mich befreien. Romantisch, oder?
Das glorreiche Finale (oder auch nicht)
Und dann kommt das große Finale. Die letzten Wochen. Man fühlt sich wie ein Walross auf Landgang. Alles tut weh. Schlafen wird zur Akrobatikübung mit Kissen. Jede Bewegung gleicht einer Herkulesaufgabe. Und das Sodbrennen! Oh, das Sodbrennen! Ich habe das Gefühl, ich könnte Drachenatem spucken.
Und die Vorfreude! Man wartet und wartet und wartet. Jede Wehe ist entweder das große Ding oder ein Fehlalarm. Man fühlt sich wie in einem schlechten Witz, bei dem man nie weiß, wann der Point kommen soll. Man will das Baby endlich in den Armen halten, aber gleichzeitig hat man panische Angst vor der Geburt.
Aber ganz ehrlich? Trotz all der Beschwerden, all der Müdigkeit, all dem Sodbrennen und der Cornflakes mit Essiggurken... da ist auch etwas anderes. Da ist dieses kleine Menschlein, das in mir heranwächst. Ein kleines Menschlein, das mein Leben für immer verändern wird. Und das ist irgendwie... okay. Sogar dann, wenn meine Blase denkt, dass sie ein Punchingball ist.
Also ja, ich hasse es, schwanger zu sein. Aber ich freue mich auch unheimlich darauf, Mama zu sein. Vielleicht hasse ich es auch nur so, damit die Liebe noch größer ist? Wer weiß. Vielleicht werde ich einfach nur verrückt. Schwangerschaft ist verrückt. Verrückt und... irgendwie... wunderschön. Auch wenn ich es im Moment noch nicht zugeben will. Aber psst! Nicht weitersagen!
Und jetzt entschuldigt mich. Ich brauche Cornflakes mit Essiggurken. Und ein Nickerchen. In meinem Schlafsack im Büro.
