Ich Weiß Nicht Was Mit Mir Los Ist
Liebe Reisefreunde,
Ich sitze hier, in einem kleinen Café in Lissabon, die Sonne scheint durch das Fenster, wärmt meine Arme, und doch...irgendwas stimmt nicht. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Das ist ehrlich gesagt das erste Mal, dass ich das so offen zugebe. Normalerweise bin ich diejenige, die voller Begeisterung von ihren Reisen erzählt, die jeden Sonnenaufgang fotografiert und jeden noch so kleinen Moment genießt. Aber diese Reise... diese Reise ist anders.
Vielleicht sollte ich etwas ausholen. Ich bin ja nun schon seit fast zehn Jahren als Reisebloggerin unterwegs. Angefangen hat alles mit einem simplen Blog, auf dem ich meine Fotos und Erlebnisse meiner Rucksackreise durch Südostasien geteilt habe. Die Resonanz war überwältigend, und so wurde aus einem Hobby ein Beruf. Ich habe die Welt gesehen, von den schneebedeckten Gipfeln der Anden bis zu den türkisfarbenen Lagunen der Malediven. Ich habe Kulturen kennengelernt, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und Freundschaften geschlossen, die ein Leben lang halten werden.
Aber in den letzten Monaten hat sich etwas verändert. Der Enthusiasmus, der mich einst antrieb, scheint zu verblassen. Die Freude an neuen Entdeckungen ist gedämpfter. Und diese innere Unruhe... sie begleitet mich ständig, wie ein Schatten. Ich nenne es immer "Reise-Burnout", aber vielleicht ist es mehr als das. Vielleicht bin ich einfach nur müde, müde vom Reisen, müde vom Organisieren, müde vom Perfektionismus, der in dieser Branche leider so weit verbreitet ist.
Die Sehnsucht nach Stabilität
Ich bin jetzt seit fast drei Monaten in Europa unterwegs. Angefangen hat es in Rom, wo ich die antiken Ruinen bewundert und mich in die italienische Küche verliebt habe. Danach ging es weiter nach Florenz, wo ich stundenlang in den Uffizien verbracht und die Meisterwerke der Renaissance bestaunt habe. Venedig war natürlich auch dabei, mit seinen Gondeln und Kanälen, ein Traum, der für viele Reisende wahr wird. Dann kam Paris, ach Paris, die Stadt der Liebe, aber dieses Mal, irgendwie... kalt. Ich habe die üblichen Touristenattraktionen besucht, den Eiffelturm, den Louvre, Notre-Dame, aber die Magie, die ich sonst immer gespürt habe, war nicht da.
Und jetzt bin ich hier, in Lissabon. Eine wunderschöne Stadt, mit ihren steilen Gassen, den bunten Kacheln und dem melancholischen Fado. Ich habe die Burg São Jorge besucht, die Cristo Rei Statue bewundert und mich in einem der vielen kleinen Restaurants durch die portugiesische Küche probiert. Aber selbst hier, in dieser bezaubernden Stadt, kann ich diese innere Leere nicht füllen. Ich weiß nicht, was mit mir los ist.
Ich glaube, ein Teil von mir sehnt sich nach Stabilität. Nach einem festen Wohnsitz, nach Routine, nach einem Garten, in dem ich meine eigenen Kräuter anpflanzen kann. Nach einem Hund, der mich jeden Morgen freudig begrüßt. Nach einer Beziehung, die tiefer geht als nur oberflächliche Gespräche. Nach einem Leben, das nicht ständig von Flugplänen und Hotelbuchungen bestimmt wird.
Aber ist das nicht verrückt? Ich habe doch das Leben, von dem so viele Menschen träumen. Ich kann reisen, wann und wohin ich will. Ich bin finanziell unabhängig. Ich habe die Möglichkeit, die Welt zu verändern, indem ich meine Erlebnisse teile. Und trotzdem... bin ich unglücklich.
Die Angst vor dem Stillstand
Vielleicht ist es aber auch die Angst vor dem Stillstand. Die Angst, dass ich etwas verpasse, wenn ich mich zu lange an einem Ort aufhalte. Die Angst, dass ich meine Kreativität verliere, wenn ich nicht ständig neue Eindrücke sammle. Die Angst, dass ich vergessen werde, wenn ich mich aus der digitalen Welt zurückziehe.
Ich weiß, das klingt alles sehr dramatisch. Und wahrscheinlich ist es auch nur eine Phase. Eine Phase, in der ich mich selbst hinterfrage und neu orientiere. Aber trotzdem wollte ich diese Gedanken mit euch teilen. Denn ich glaube, es ist wichtig, ehrlich zu sein, auch wenn es unangenehm ist. Und ich glaube, dass viele von euch, die auch viel reisen, ähnliche Gefühle kennen.
Was ich jetzt tun werde
Ich habe beschlossen, eine Pause einzulegen. Eine Reise-Pause. Ich werde mir ein kleines Apartment in Berlin mieten und dort ein paar Monate bleiben. Ich werde versuchen, einen Alltag zu entwickeln, der mir guttut. Ich werde wieder mehr Sport machen, mich gesünder ernähren und mehr Zeit mit meinen Freunden und meiner Familie verbringen. Ich werde vielleicht sogar einen Yoga-Kurs besuchen oder einen Töpferkurs belegen. Ich werde einfach mal schauen, was passiert.
Ich weiß, dass das für einige von euch eine Überraschung sein wird. Ihr seid es gewohnt, von mir ständig neue Reiseberichte und Fotos zu sehen. Aber ich hoffe, ihr versteht meine Entscheidung. Und ich verspreche euch, ich werde mich wieder melden, sobald ich mich wieder besser fühle und neue Abenteuer erlebt habe.
Empfehlungen für Lissabon (trotzdem!)
Und weil ihr ja trotzdem hier seid und vielleicht plant, Lissabon zu besuchen, möchte ich euch noch ein paar meiner persönlichen Empfehlungen geben:
- Belém: Unbedingt das Jerónimos-Kloster und den Turm von Belém besichtigen. Und natürlich die berühmten Pastéis de Belém probieren!
- Alfama: Durch die engen Gassen schlendern, den Fado-Klängen lauschen und das authentische Lissabon erleben.
- Castelo de São Jorge: Eine atemberaubende Aussicht über die Stadt genießen.
- LX Factory: Ein kreatives Zentrum mit vielen Boutiquen, Restaurants und Bars.
- Time Out Market Lisboa: Ein Paradies für Feinschmecker, mit einer großen Auswahl an portugiesischen Spezialitäten.
Und noch ein kleiner Tipp: Nehmt die Tram 28! Sie fährt durch die schönsten Viertel der Stadt und ist eine tolle Möglichkeit, Lissabon zu erkunden.
Ich hoffe, diese Empfehlungen helfen euch bei eurer Reiseplanung. Und vielleicht sehen wir uns ja bald wieder auf einem neuen Abenteuer. Bis dahin, passt auf euch auf und genießt das Leben!
Eure,
[Dein Name]
