Im Umkreis Von 50 Km
Kennen Sie das? Dieses Gefühl, wenn Sie denken, Sie kennen jeden Grashalm im Umkreis von 50 km um Ihren Wohnort? Sie haben jeden Bäcker getestet, jede Eisdiele geplündert und jede Wanderstrecke mit Ihren Füßen vermessen? Nun, ich dachte das auch. Bis letzte Woche.
Es begann mit einem harmlosen Gespräch beim Bäcker (ja, ich gebe zu, ich bin ein Wiederholungstäter). Eine ältere Dame, die aussah, als hätte sie mehr Geheimnisse in ihrem Einkaufsnetz als die Bundeskanzlerin, erzählte von einem "Wundergarten" irgendwo "im Umkreis von 50 km" von hier. Ein Garten, in dem Einhörner wohnen, Feen tanzen und Erdbeeren so groß wie Tennisbälle wachsen (vielleicht hat sie etwas übertrieben, aber lassen Sie mich das bitte).
Die Suche beginnt!
Natürlich war ich sofort Feuer und Flamme. Einhörner? Tennisball-Erdbeeren? Das klang nach einem Abenteuer, das selbst Indiana Jones neidisch machen würde. Also startete ich meine eigene kleine Expedition. Mit dem Fahrrad. Bewaffnet mit einer vagen Beschreibung, einem unbändigen Optimismus und einer ordentlichen Portion Naivität.
Die ersten Kilometer verliefen unspektakulär. Felder, Kühe, gähnende Langeweile. Ich fragte jeden, der mir über den Weg lief (Bauern, Postboten, entlaufene Hühner), nach diesem ominösen Wundergarten. Die Reaktionen reichten von belustigtem Kopfschütteln bis zu ungläubigem Starren. Ein Bauer meinte sogar, ich solle weniger Erdbeerbowle trinken, aber das nur am Rande.
Nach etwa drei Stunden (und einigen schmerzenden Muskeln) stand ich kurz vor dem Aufgeben. War das alles nur eine Hirngespinst der alten Dame? War ich einem Märchen aufgesessen? Gerade als ich mein Fahrrad umdrehen wollte, sah ich es. Einen kleinen, unscheinbaren Wegweiser, der in Richtung eines dunklen Waldstücks zeigte. Auf dem Wegweiser stand: "Zum Zaubergarten".
Der Zaubergarten (oder so ähnlich)
Der Weg führte mich durch einen verwunschenen Wald, der wirklich etwas Märchenhaftes an sich hatte. Die Bäume waren mit Moos bewachsen, die Sonne filterte sich durch das dichte Blätterdach und überall zwitscherten Vögel in allen möglichen Tonlagen. Ich fühlte mich, als wäre ich in eine andere Welt eingetaucht.
Und dann war er da. Der Zaubergarten. Nun ja, nicht ganz so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte. Keine Einhörner. Keine tanzenden Feen. Und die Erdbeeren hatten normale Größe. Aber: Der Garten war wunderschön! Voller bunter Blumen, duftender Kräuter und summender Bienen. Eine kleine Oase der Ruhe und Schönheit im Umkreis von 50 km.
Die unerwartete Begegnung
Eine ältere Dame, noch älter als die Bäckerin, saß auf einer Bank und las ein Buch. Sie lächelte mich freundlich an und bat mich, mich zu ihr zu setzen. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt, über Blumen und Bienen und über die Schönheit der kleinen Dinge im Leben. Sie erzählte mir von der harten Arbeit, die in diesem Garten steckt, aber auch von der Freude, die er ihr bereitet.
Irgendwann fragte ich sie nach den Einhörnern und den Tennisball-Erdbeeren. Sie lachte herzlich und meinte, die Einhörner seien nur in den Köpfen der Kinder, die den Garten besuchen, und die Erdbeeren würden im Sommer manchmal etwas größer werden. Aber der Zauber des Gartens, der sei echt.
Und sie hatte Recht. Der Zauber des Gartens lag nicht in übernatürlichen Wesen oder riesigen Früchten, sondern in der Ruhe, der Schönheit und der Einfachheit. Er lag in der Begegnung mit dieser weisen alten Dame und in der Erkenntnis, dass es selbst im Umkreis von 50 km um meinen Wohnort noch so viel zu entdecken gibt.
Was ich gelernt habe (und Sie auch können)
Diese kleine Expedition hat mir etwas Wichtiges gelehrt: Manchmal muss man einfach mal rausgehen und sich umschauen. Man muss die ausgetretenen Pfade verlassen und sich auf ein Abenteuer einlassen. Auch wenn es nur ein kleiner Ausflug im Umkreis von 50 km ist. Denn wer weiß, was man dabei alles entdecken kann? Vielleicht nicht unbedingt Einhörner, aber vielleicht etwas viel Wertvolleres: Neue Perspektiven, interessante Begegnungen und die Erkenntnis, dass das Glück oft direkt vor unserer Haustür liegt.
Denken Sie daran: Das nächste Abenteuer wartet vielleicht nur einen Katzensprung entfernt. Also, worauf warten Sie noch? Gehen Sie raus und entdecken Sie Ihre Umgebung! Sie werden überrascht sein, was Sie alles finden werden. Und wenn Sie keine Einhörner finden, dann vielleicht wenigstens ein paar leckere Erdbeeren.
Und wenn Sie jemanden nach einem "Wundergarten" fragen, nehmen Sie die Antwort nicht immer allzu ernst. Aber lassen Sie sich inspirieren und begeben Sie sich auf die Suche. Wer weiß, vielleicht finden Sie ja Ihren ganz persönlichen Zaubergarten.
P.S.: Ich habe mir fest vorgenommen, nächstes Jahr wiederzukommen. Und wer weiß, vielleicht habe ich dann ja doch Glück und sehe ein Einhorn. Oder zumindest eine Erdbeere, die etwas größer ist als normal. Bis dahin werde ich weiterhin die Bäckereien im Umkreis von 50 km testen. Man muss ja schließlich Prioritäten setzen.
