Immer Wenn Meine Frau Sagt Iss Was
Ach, die Liebe! Und das Essen! Zwei Dinge, die mein Leben auf so wunderbare und oft unerwartete Weise prägen. Als Reiseblogger teile ich ja normalerweise Fotos von atemberaubenden Landschaften und gebe Tipps zu versteckten Juwelen abseits der Touristenpfade. Aber heute möchte ich euch etwas Persönliches erzählen, etwas, das eng mit meinen Reisen und meiner wunderbaren Frau verbunden ist: “Immer wenn meine Frau sagt: Iss was!”
Das ist mehr als nur eine Aufforderung; es ist ein Lebensmotto, eine Liebeserklärung und ein Kompass, der mich auf meinen Reisen oft zu den authentischsten und köstlichsten Erlebnissen geführt hat. Ich bin, sagen wir mal, ein Mensch, der leicht in Arbeit versinkt. Stundenlanges Fotografieren, Schreiben, Bearbeiten – da vergesse ich schon mal die einfachsten Dinge, wie zum Beispiel zu essen. Dann kommt der Satz: “Iss was!” ausgesprochen mit einer Mischung aus liebevoller Besorgnis und sanfter Bestimmtheit.
Die Anfänge: Ein kulinarischer Notfall in Rom
Ich erinnere mich an unsere erste gemeinsame Reise nach Rom. Wir waren gerade erst ein paar Monate zusammen und ich war fest entschlossen, die “perfekten” Fotos vom Kolosseum bei Sonnenaufgang zu schießen. Um 4 Uhr morgens klingelte der Wecker, ich schnappte mir meine Kamera und rannte los. Frühstück? Fehlanzeige! Ich war so auf die Fotos fixiert, dass ich völlig vergaß, an mich zu denken. Gegen Mittag, mitten auf dem Forum Romanum, wurde mir plötzlich schwarz vor Augen. Ich taumelte und wäre fast umgefallen, wenn meine Frau mich nicht gehalten hätte. Ihre Augen funkelten, aber ihre Stimme war sanft: “Du musst was essen! Jetzt!”
Sie schleppte mich in eine kleine Trattoria abseits der Touristenströme. Der Duft von frischem Basilikum und Tomatensoße schlug mir entgegen. Ich bestellte, auf ihren dringenden Rat hin, eine Cacio e Pepe. Und, oh mein Gott, war das gut! Die Einfachheit, die Perfektion der Zutaten, der Geschmack von Rom auf meiner Zunge… In diesem Moment verstand ich, dass Reisen nicht nur darum geht, Sehenswürdigkeiten abzuklappern, sondern auch darum, die Kultur durch den Gaumen zu erleben. Und ich verstand, dass meine Frau nicht nur meine Lebensgefährtin, sondern auch mein kulinarischer Schutzengel war.
Thailand: Pad Thai und die heilende Kraft der Mango Sticky Rice
Einige Jahre später waren wir in Thailand. Die Hitze war erdrückend, die Geräusche überwältigend, die Eindrücke unzählig. Ich war im Fotografie-Rausch, ständig auf der Suche nach dem perfekten Shot. Aber die Hitze und die lange Arbeitstage zehrten an meinen Kräften. Ich hatte kaum Appetit und stopfte nur widerwillig ein paar Bissen Reis in mich hinein. Eines Abends, nach einem besonders anstrengenden Tag am Chao Phraya Fluss, war ich völlig erschöpft. Meine Frau sah mir an, dass es mir nicht gut ging. “Iss was!” sagte sie, und dieses Mal klang es fast flehend.
Sie führte mich zu einem kleinen Straßenstand, an dem eine ältere Dame Pad Thai zubereitete. Der Duft von Tamarinde und Erdnüssen war betörend. Ich biss hinein und plötzlich war die Müdigkeit wie weggeblasen. Die süße, saure, salzige und scharfe Geschmacksexplosion weckte meine Lebensgeister. Danach gab es Mango Sticky Rice – die cremige Kokosmilch, der süße Reis, die saftige Mango… es war wie eine heilende Medizin. Ich fühlte mich sofort besser. Von diesem Tag an achtete ich besser auf meine Ernährung und entdeckte die unglaubliche Vielfalt der thailändischen Küche. Und ich lernte, dass “Iss was!” in Thailand so viel mehr bedeutete als nur eine Mahlzeit – es war ein Ausdruck von Fürsorge und Verbundenheit.
Marokko: Tajine und die Gastfreundschaft der Berber
In Marrakesch verirrten wir uns in den verwinkelten Gassen der Medina. Das Labyrinth aus Düften, Farben und Geräuschen war faszinierend, aber auch unglaublich anstrengend. Ich war so damit beschäftigt, den Weg zu finden und interessante Motive zu entdecken, dass ich wieder einmal vergaß zu essen. Am späten Nachmittag waren wir beide erschöpft und hungrig. “Okay”, sagte meine Frau, “jetzt wird gegessen! Ich spüre es, du brauchst was Richtiges.”
Sie sprach einen Händler an, der uns zu einem kleinen, unscheinbaren Restaurant führte. Dort bestellten wir eine Tajine mit Lamm und Pflaumen. Während wir warteten, unterhielten wir uns mit dem Besitzer, einem freundlichen Berber. Er erzählte uns von seinem Leben in der Medina, von seinen Traditionen und seiner Familie. Als die Tajine endlich kam, war es ein Fest für die Sinne. Das zarte Lammfleisch, die süßen Pflaumen, die aromatischen Gewürze… es war ein Geschmackserlebnis, das uns noch lange in Erinnerung bleiben wird. Aber noch wichtiger war die Gastfreundschaft der Berber, die uns das Gefühl gab, willkommen und geborgen zu sein. “Iss was!” in Marokko bedeutete nicht nur, den Hunger zu stillen, sondern auch, in die Kultur einzutauchen und neue Freundschaften zu schließen.
Die Lektionen hinter den Worten
Im Laufe der Jahre habe ich gelernt, dass “Iss was!” viel mehr ist als nur eine Aufforderung zum Essen. Es ist eine Erinnerung daran, auf mich selbst zu achten, meine Bedürfnisse wahrzunehmen und im Moment zu leben. Es ist eine Aufforderung, die kleinen Freuden des Lebens zu genießen, die Schönheit der Welt zu schmecken und die Verbindung zu anderen Menschen zu suchen. Es ist eine Liebeserklärung, die mir immer wieder zeigt, wie sehr meine Frau mich liebt und umsorgt.
Also, liebe Reisende, nehmt euch meine Geschichte zu Herzen. Hört auf eure Lieben, wenn sie euch sagen: “Iss was!” Esst nicht nur, um euren Hunger zu stillen, sondern um die Kultur zu erleben, neue Geschmäcker zu entdecken und die Schönheit der Welt zu genießen. Und vergesst nicht, dass das Essen oft der Schlüssel zu unvergesslichen Reiseerlebnissen ist. Guten Appetit! Und danke, meine Liebe, für all die “Iss was!”-Momente. Sie haben meine Reisen und mein Leben so viel reicher gemacht.
Mein Tipp: Wenn ihr auf Reisen seid und euch nicht sicher seid, was ihr essen sollt, fragt einfach die Einheimischen. Sie wissen am besten, wo es die besten und authentischsten Gerichte gibt. Und scheut euch nicht, Neues auszuprobieren. Manchmal sind es die unerwartetsten kulinarischen Erlebnisse, die uns am meisten überraschen und begeistern.
