In Welcher Epoche Wurde Faust 1 Geschrieben
Hallo ihr Lieben, reiselustigen Leser! Euer Kultur-Connaisseur ist wieder da, und heute nehmen wir euch mit auf eine Zeitreise. Genauer gesagt, eine Reise in die Welt von Johann Wolfgang von Goethe und seinem Meisterwerk: Faust. Aber nicht nur das Werk an sich steht im Fokus, sondern auch die Frage: In welcher Epoche wurde eigentlich Faust I geschrieben? Keine Sorge, wir werden das ganz entspannt und ohne komplizierte Fachausdrücke angehen – versprochen!
Stellt euch vor, ihr steht vor dem Goethe-Nationalmuseum in Weimar. Die Luft ist frisch, die Sonne scheint (oder eben auch nicht, Weimar ist ja bekanntlich wettertechnisch flexibel). Ihr atmet Geschichte ein. Goethe selbst wandelte hier, dachte nach, schrieb und feilte an seinen Werken. Aber eben nicht alles auf einmal. Faust I ist ein Prozess, eine Entwicklung, ein Kind verschiedener Einflüsse und Schaffensphasen.
Die Entstehungsgeschichte: Ein Flickenteppich der Epochen
Die Antwort auf die Frage nach der Epoche ist nämlich gar nicht so einfach, wie man vielleicht denkt. Faust I ist kein Werk, das innerhalb von ein paar Monaten oder Jahren entstanden ist. Nein, es ist ein Lebenswerk, an dem Goethe jahrzehntelang gearbeitet hat. Das bedeutet, dass verschiedene literarische und gesellschaftliche Strömungen in das Werk eingeflossen sind. Wir sprechen hier von einem Zeitraum, der sich grob vom Sturm und Drang bis zur Weimarer Klassik erstreckt. Ein ziemlicher Flickenteppich also!
Der Sturm und Drang: Die rebellische Jugend
Beginnen wir mit dem Sturm und Drang. Diese Epoche, die etwa von 1765 bis 1790 dauerte, war eine Zeit des Aufbruchs und der Rebellion. Junge Dichter und Denker, darunter auch der junge Goethe, lehnten sich gegen die starren Regeln und Konventionen der Aufklärung auf. Gefühle, Leidenschaft und das Individuum standen im Mittelpunkt. Und genau das spürt man auch in den frühen Fassungen von Faust, dem sogenannten Urfaust. Hier finden wir einen Faust, der zerrissen ist, der nach Erkenntnis und Erfüllung sucht, aber dabei auch die Grenzen des menschlichen Seins auslotet. Ein echter Stürmer und Dränger eben!
Stellt euch vor, ihr wandert durch die dunklen Gassen einer alten Stadt, vielleicht Heidelberg oder Straßburg. Überall brodelt es, die jungen Leute diskutieren hitzig über Gott und die Welt, über die Ungerechtigkeit der Gesellschaft und die Grenzen der Vernunft. Genau diese Atmosphäre prägt den frühen Faust.
Die Weimarer Klassik: Die Suche nach Harmonie
Im Laufe der Jahre veränderte sich Goethe. Er reiste nach Italien, lernte die antike Kunst und Kultur kennen und entwickelte eine neue Sichtweise auf die Welt. Diese neue Sichtweise prägte auch seine Arbeit an Faust. Die Weimarer Klassik (ca. 1786-1832) war eine Zeit der Harmonie, der Ausgewogenheit und der Schönheit. Goethe strebte nach einer Synthese von Gefühl und Verstand, von Natur und Geist. Und das spiegelt sich auch in Faust I wider, vor allem in den späteren Teilen. Die Sprache wird feiner, die Charaktere nuancierter, die philosophischen Überlegungen tiefergreifender.
Stellt euch jetzt vor, ihr sitzt in einem eleganten Salon in Weimar. Überall klassische Musik, feine Gespräche und eine Atmosphäre der kultivierten Zurückhaltung. Die Ideale der Klassik sind überall präsent: Schönheit, Harmonie und die Suche nach dem Ideal.
Faust I ist also ein Werk, das sowohl von den stürmischen Gefühlen des Sturm und Drang als auch von den harmonischen Idealen der Weimarer Klassik geprägt ist. Es ist ein Spiegelbild von Goethes eigener Entwicklung, seiner persönlichen und künstlerischen Reise.
Konkrete Beispiele: Wo sieht man die Epochen im Werk?
Aber genug der Theorie, lasst uns das Ganze mal anhand konkreter Beispiele veranschaulichen!
- Fausts Unzufriedenheit: Die tiefe Unzufriedenheit Fausts mit seinem Leben, seine Sehnsucht nach mehr Wissen und Erfahrung, seine Verzweiflung angesichts der menschlichen Grenzen – all das sind typische Motive des Sturm und Drang. Er ist ein Getriebener, ein Suchender, der sich nicht mit dem Bestehenden zufrieden gibt. Denkt an seine berühmte Klage: "Habe nun, ach! Philosophie, Juristerei und Medizin, Und leider auch Theologie! Durchaus studiert, mit heißem Bemühn."
- Die Gretchentragödie: Die Gretchentragödie, die Geschichte von Gretchen, die von Faust verführt und verlassen wird, ist ein weiteres Beispiel für den Einfluss des Sturm und Drang. Hier geht es um Schuld, Sühne und die Macht der Leidenschaft. Die Darstellung von Gretchens Gefühlen, ihre Naivität und ihre Verzweiflung sind von einer großen Intensität und Emotionalität geprägt.
- Die Walpurgisnacht: Die Walpurgisnacht, die wilde und ekstatische Feier auf dem Brocken, ist ein Ausbruch aus den bürgerlichen Konventionen und ein Ausdruck der dunklen Seiten der menschlichen Natur. Auch hier spürt man den rebellischen Geist des Sturm und Drang.
- Die klassische Form: Im Gegensatz dazu finden wir in anderen Teilen des Werkes, vor allem in den philosophischen Monologen und den Dialogen zwischen Faust und Mephisto, eine klassische Form und eine reflektierte Sprache. Hier geht es um die großen Fragen der Menschheit, um Gut und Böse, um Sinn und Bedeutung. Die Sprache ist präziser, die Argumentation klarer.
Merke: Die Weimarer Klassik brachte zwar eine gewisse Ordnung und Form in das Werk, aber die stürmischen Gefühle und die kritische Haltung des Sturm und Drang blieben dennoch erhalten. Das macht Faust I zu einem so faszinierenden und vielschichtigen Werk.
Reisetipps für Goethe-Liebhaber:
Wenn ihr jetzt Lust bekommen habt, euch selbst auf die Spuren von Goethe und Faust zu begeben, habe ich hier noch ein paar Reisetipps für euch:
- Weimar: Ein absolutes Muss! Besucht das Goethe-Nationalmuseum, Goethes Wohnhaus, das Schillerhaus und den Park an der Ilm. Hier könnt ihr die Atmosphäre der Weimarer Klassik hautnah erleben.
- Frankfurt am Main: Goethes Geburtsstadt. Hier könnt ihr das Goethe-Haus besuchen und mehr über seine Kindheit und Jugend erfahren.
- Leipzig: Hier hat Goethe studiert und wichtige literarische Kontakte geknüpft. Besucht Auerbachs Keller, der auch in Faust I eine Rolle spielt.
- Harz: Wandert auf den Brocken und lasst euch von der mystischen Atmosphäre inspirieren. Vielleicht begegnet ihr ja sogar Mephisto! (Achtung, Spaß!)
Abschließend: Faust I wurde also in einer Übergangszeit geschrieben, in der sich die Ideale des Sturm und Drang und der Weimarer Klassik miteinander vermischten. Es ist ein Werk, das von beiden Epochen geprägt ist und uns einen tiefen Einblick in das Denken und Fühlen der Menschen um 1800 gibt. Und es ist ein Werk, das uns auch heute noch etwas zu sagen hat. Also, packt eure Koffer, lest Faust und begebt euch auf eine spannende Reise in die Vergangenheit!
Ich hoffe, dieser kleine Ausflug in die Welt von Goethe und Faust hat euch gefallen! Bis zum nächsten Mal, eure Reisereporterin.
"Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!" (Faust I)
