Indirekte Rede Konjunktiv 1 Und 2
Die indirekte Rede ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Sprache, insbesondere wenn es darum geht, Äußerungen anderer wiederzugeben, ohne diese wortwörtlich zu zitieren. Dabei spielen die Modi Konjunktiv I und Konjunktiv II eine zentrale Rolle. Dieser Artikel erklärt die Anwendung und Unterschiede von Konjunktiv I und II in der indirekten Rede und bietet praktische Beispiele, um das Verständnis zu erleichtern.
Was ist die indirekte Rede?
Die indirekte Rede (auch berichtende Rede genannt) ermöglicht es, den Inhalt einer Aussage wiederzugeben, ohne die exakten Worte des Sprechers zu wiederholen. Sie wird oft durch ein einleitendes Verb wie "sagen", "meinen", "behaupten" oder "fragen" eingeleitet. Statt Anführungszeichen werden Konjunktionen wie "dass" oder Fragewörter verwendet, um den berichteten Satz einzuleiten.
Beispiel:
Direkte Rede: Er sagte: "Ich habe keine Zeit."
Indirekte Rede: Er sagte, dass er keine Zeit habe.
Konjunktiv I in der indirekten Rede
Der Konjunktiv I wird hauptsächlich in der indirekten Rede verwendet, um Distanz zur Aussage des ursprünglichen Sprechers zu signalisieren. Er zeigt an, dass der Sprecher die Aussage lediglich wiedergibt, ohne sie notwendigerweise zu bestätigen oder zu dementieren.
Bildung des Konjunktiv I
Der Konjunktiv I wird von dem Stamm des Infinitivs gebildet. Hier sind die Formen für die wichtigsten Verben:
- sein: sei, seiest, sei, seien, seiet, seien
- haben: habe, habest, habe, haben, habet, haben
- werden: werde, werdest, werde, werden, werdet, werden
Bei regelmäßigen Verben wird an den Infinitivstamm die entsprechende Konjunktivendung angehängt:
- machen: mache, machest, mache, machen, machet, machen
- sagen: sage, sagest, sage, sagen, saget, sagen
Verwendung des Konjunktiv I
Der Konjunktiv I wird in verschiedenen Zeitformen verwendet, um die zeitliche Beziehung zwischen der ursprünglichen Aussage und der Wiedergabe in der indirekten Rede beizubehalten. Die wichtigsten Zeitformen sind:
- Präsens Konjunktiv I: Beschreibt ein Ereignis, das gleichzeitig mit dem Zeitpunkt der Aussage stattfindet.
- Perfekt Konjunktiv I: Beschreibt ein Ereignis, das vor dem Zeitpunkt der Aussage stattgefunden hat.
- Futur I Konjunktiv I: Beschreibt ein Ereignis, das nach dem Zeitpunkt der Aussage stattfinden wird.
Direkte Rede: Sie sagt: "Ich gehe ins Kino."
Indirekte Rede: Sie sagt, sie gehe ins Kino.
Direkte Rede: Er sagt: "Ich habe das Buch gelesen."
Indirekte Rede: Er sagt, er habe das Buch gelesen.
Direkte Rede: Sie sagt: "Ich werde morgen anrufen."
Indirekte Rede: Sie sagt, sie werde morgen anrufen.
Konjunktiv II in der indirekten Rede
Der Konjunktiv II wird in der indirekten Rede verwendet, wenn die Formen des Konjunktiv I mit denen des Indikativs (Normalform des Verbs) übereinstimmen. In solchen Fällen wird der Konjunktiv II verwendet, um die Unterscheidung zur direkten Rede zu gewährleisten und Missverständnisse zu vermeiden. Außerdem wird der Konjunktiv II oft benutzt, wenn der Sprecher Zweifel an der Richtigkeit der wiedergegebenen Aussage hat.
Bildung des Konjunktiv II
Der Konjunktiv II wird in der Regel vom Präteritumstamm des Verbs gebildet. Bei regelmäßigen Verben wird an den Präteritumstamm ein "e" angehängt und gegebenenfalls der Stammvokal umgelautet.
- sein: wäre, wärest, wäre, wären, wäret, wären
- haben: hätte, hättest, hätte, hätten, hättet, hätten
- werden: würde, würdest, würde, würden, würdet, würden
Bei regelmäßigen Verben:
- machen: machte -> machte, machtest, machte, machten, machtet, machten (keine Umlautung)
- sagen: sagte -> sagte, sagtest, sagte, sagten, sagtet, sagten (keine Umlautung)
Da die Formen bei regelmäßigen Verben im Konjunktiv II oft mit dem Präteritum identisch sind, wird häufig die Umschreibung mit "würde" + Infinitiv verwendet. Dies gilt besonders im gesprochenen Deutsch.
Verwendung des Konjunktiv II
Der Konjunktiv II wird in der indirekten Rede anstelle des Konjunktiv I verwendet, wenn:
- Die Konjunktiv I Formen mit dem Indikativ übereinstimmen:
- Der Sprecher Zweifel an der Wahrheit der Aussage hat:
Direkte Rede: Er sagt: "Ich gehe ins Kino."
Konjunktiv I: Er sagt, er gehe ins Kino. (kann als Indikativ interpretiert werden)
Konjunktiv II: Er sagt, er ginge ins Kino. (seltener verwendet, da ungewöhnlich)
Umschreibung mit würde: Er sagt, er würde ins Kino gehen. (häufiger verwendet)
Direkte Rede: Sie behauptet: "Ich habe gewonnen."
Indirekte Rede (mit Zweifel): Sie behauptet, sie hätte gewonnen.
Indirekte Rede (neutral): Sie sagt, sie habe gewonnen.
Konjunktiv II als Ersatzform
Wenn die Konjunktiv I Formen ungewöhnlich klingen oder schwer verständlich sind, wird oft der Konjunktiv II als Ersatz verwendet. Insbesondere die Umschreibung mit "würde" + Infinitiv ist sehr gebräuchlich.
Beispiel:
Direkte Rede: Er sagte: "Ich werde kommen."
Konjunktiv I: Er sagte, er werde kommen. (kann als Indikativ interpretiert werden)
Konjunktiv II: Er sagte, er würde kommen. (häufiger und verständlicher)
Zusammenfassung und Tipps
Die Wahl zwischen Konjunktiv I und Konjunktiv II in der indirekten Rede hängt von verschiedenen Faktoren ab:
- Konjunktiv I: Wird hauptsächlich verwendet, um Distanz zur ursprünglichen Aussage zu signalisieren und die Aussage neutral wiederzugeben.
- Konjunktiv II: Wird verwendet, wenn die Konjunktiv I Formen mit dem Indikativ übereinstimmen, um Missverständnisse zu vermeiden oder Zweifel an der Wahrheit der Aussage auszudrücken. Die Umschreibung mit "würde" + Infinitiv ist oft die einfachste und verständlichste Option.
Merke:
- Achte auf die Zeitform der ursprünglichen Aussage, um die korrekte Zeitform im Konjunktiv zu wählen.
- Überprüfe, ob die Konjunktiv I Formen eindeutig sind oder ob der Konjunktiv II (oder die Umschreibung mit "würde") besser geeignet ist.
- Übung macht den Meister! Je mehr du indirekte Rede übst, desto sicherer wirst du in der Anwendung von Konjunktiv I und II.
Die korrekte Anwendung von Konjunktiv I und II in der indirekten Rede ist ein Zeichen für fortgeschrittene Deutschkenntnisse. Mit etwas Übung und dem Verständnis der oben genannten Regeln wirst du in der Lage sein, Äußerungen anderer präzise und stilistisch korrekt wiederzugeben.
