Indirekte Rede übungen
Ich gebe es zu: Ich habe eine... sagen wir mal... ambivalente Beziehung zur indirekten Rede. Versteht mich nicht falsch, ich liebe Sprachen. Ich liebe es, wie sie funktionieren, wie sie sich entwickeln. Aber die indirekte Rede? Uff.
Manchmal frage ich mich, ob sie überhaupt notwendig ist. Ist es wirklich so schlimm, jemanden direkt zu zitieren? Sagt nicht jeder ständig: "Er/Sie hat gesagt...", gefolgt von einer (wahrscheinlich ungenauen) Wiedergabe des Gesagten? Das machen wir doch sowieso schon die ganze Zeit!
Die Qual der Wahl (der Konjunktive!)
Und dann sind da die Übungen. Indirekte Rede Übungen. Allein der Gedanke daran lässt mich innerlich seufzen. "Er sagte, er habe Hunger." Wirklich? Habe? Wann habe ich das letzte Mal im realen Leben jemanden "habe" sagen hören? Außer vielleicht in einem Deutschlehrbuch aus dem Jahre Schnee?
Ich meine, ich verstehe es ja. Es geht um Präzision. Es geht darum, die grammatikalischen Regeln zu befolgen. Aber ganz ehrlich? Manchmal denke ich, die indirekte Rede ist einfach nur ein riesiger, komplizierter Trick, um Deutschlerner zu quälen. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass das auch funktioniert.
Konjunktiv I, Konjunktiv II, Konjunktiv III... Hilfe!
Die Übungen zur indirekten Rede sind oft so: "Wandle folgenden Satz in die indirekte Rede um, unter Berücksichtigung aller grammatikalischen Feinheiten und potentiellen Stolperfallen." Als ob ich nichts Besseres zu tun hätte! Ich habe doch auch noch Netflix zu gucken und Kuchen zu essen!
Manchmal stelle ich mir vor, die Leute, die diese Übungen entwerfen, sitzen in einem dunklen Raum und kichern diabolisch. "Lasst uns den armen Schülern noch ein paar Konjunktiv-II-Formen um die Ohren hauen! Das wird sie schon zur Verzweiflung treiben!"
Und dann kommt der Moment, in dem man eine scheinbar einfache Aussage in die indirekte Rede umwandeln muss. "Ich gehe ins Kino." Wird zu: "Er sagte, er gehe ins Kino." Oder vielleicht doch "Er sagte, er ginge ins Kino." Moment mal... WAS?!
Ich weiß, ich weiß, es ist wichtig, den Konjunktiv richtig zu verwenden. Aber die Auswahl ist so groß! Welcher Konjunktiv passt, wann ist er notwendig und wann überflüssig? Ich persönlich tendiere dazu, einfach irgendeinen Konjunktiv zu wählen und zu hoffen, dass es irgendwie richtig klingt. Meistens klappt das überraschend gut. (Bitte sag mir nicht, dass das falsch ist.)
Ich habe gehört, dass es Leute gibt, die die indirekte Rede lieben. Die sie elegant und nuanciert finden. Die Stunden damit verbringen, die perfekte Konjunktivform auszuwählen. Ich beneide diese Leute. Aufrichtig.
Aber ich bin nicht einer von ihnen. Ich bin eher der Typ, der versucht, die indirekte Rede so gut es geht zu vermeiden. Ich sage lieber: "Er hat gesagt, dass er ins Kino geht" und hoffe, dass niemand merkt, dass ich mich vor dem Konjunktiv gedrückt habe.
Meine heimliche Hoffnung ist ja, dass die indirekte Rede irgendwann ausstirbt. Dass wir alle anfangen, einfach nur noch direkte Zitate zu verwenden. Das wäre doch viel einfacher, oder nicht?
Ich kann mir schon die Schlagzeilen vorstellen: "Grammatikrevolution! Die indirekte Rede ist tot!" Ein Traum. Ein schöner, grammatikfreier Traum.
Und bis dahin? Bis dahin werde ich mich wohl oder übel weiterhin mit den Indirekte Rede Übungen herumschlagen. Aber ich werde es mit einem Augenzwinkern tun. Und vielleicht mit einem großen Stück Kuchen.
Unpopuläre Meinung: Die Welt wäre ein besserer Ort ohne Konjunktiv II in der indirekten Rede. Gibt es noch andere da draußen, die so denken?
Vielleicht sollten wir eine Selbsthilfegruppe gründen. "Indirekte-Rede-geschädigte Anonyme". Unser erstes Treffen findet statt... irgendwo, wo es ganz viele Kuchen gibt.
