Infinitiv Mit Zu Oder Ohne Zu
Der Infinitiv mit "zu" oder ohne "zu": Eine verständliche Erklärung
Als Deutschlerner stößt man unweigerlich auf die Frage, wann man den Infinitiv mit "zu" und wann ohne "zu" verwendet. Die Wahl zwischen diesen beiden Formen kann anfangs verwirrend sein, da sie von einer Reihe grammatikalischer Regeln und Ausnahmen abhängt. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die Verwendung des Infinitivs mit und ohne "zu" klarer zu verstehen und die korrekte Form sicher anzuwenden.
Was ist der Infinitiv?
Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs. Im Deutschen erkennt man ihn meistens an der Endung "-en" oder "-n". Beispiele sind: gehen, essen, machen, sein.
Infinitiv mit "zu"
Der Infinitiv mit "zu" (auch erweiterter Infinitiv genannt) fungiert oft als Substantiv, Adjektiv oder Adverb. Er kann eine Ergänzung oder ein Attribut in einem Satz sein. Die Struktur lautet: zu + Infinitiv. Es gibt bestimmte Fälle, in denen der Infinitiv zwingend mit "zu" verwendet werden muss:
1. Nach bestimmten Verben und Ausdrücken
Viele Verben und Ausdrücke erfordern einen Infinitiv mit "zu". Es ist wichtig, diese zu lernen, da es keine allgemeine Regel gibt, die für alle gilt. Hier sind einige häufige Beispiele:
- anfangen: Ich fange an, Deutsch zu lernen.
- aufhören: Er hört auf, zu rauchen.
- versuchen: Sie versucht, die Aufgabe zu lösen.
- vergessen: Ich habe vergessen, die Tür zu schließen.
- empfehlen: Der Arzt empfiehlt, mehr Sport zu treiben.
- verbieten: Die Eltern verbieten ihm, lange fern zu sehen.
- glauben: Ich glaube, ihn schon einmal gesehen zu haben.
- scheinen: Es scheint, bald zu regnen.
- hoffen: Wir hoffen, dich bald wieder zu sehen.
- sich freuen: Ich freue mich, dich kennengelernt zu haben.
- sich weigern: Er weigerte sich, die Wahrheit zu sagen.
- Es ist wichtig/notwendig/schön/leicht/schwer: Es ist wichtig, regelmäßig zu lernen.
- um...zu (um einen Zweck anzugeben): Ich gehe in die Bibliothek, um zu lernen.
- ohne...zu (um eine fehlende Handlung anzugeben): Er ging weg, ohne etwas zu sagen.
- anstatt...zu (um eine alternative Handlung anzugeben): Anstatt zu arbeiten, schaute er fern.
2. Nach Substantiven und Adjektiven
Der Infinitiv mit "zu" kann auch nach bestimmten Substantiven und Adjektiven stehen, um diese näher zu bestimmen oder zu ergänzen:
- Substantive:
- Die Möglichkeit, zu reisen, ist sehr verlockend.
- Ich habe keine Zeit, das zu erledigen.
- Er hatte den Wunsch, berühmt zu werden.
- Adjektive:
- Es ist wichtig, gesund zu leben.
- Er war bereit, die Wahrheit zu sagen.
- Ich bin froh, dich hier zu sehen.
Infinitiv ohne "zu"
Es gibt ebenfalls klare Regeln, wann der Infinitiv ohne "zu" verwendet wird. Diese Fälle sind oft mit bestimmten Verbtypen verbunden:
1. Nach Modalverben
Modalverben (können, müssen, dürfen, sollen, wollen, mögen) werden immer von einem Infinitiv ohne "zu" begleitet. Das Modalverb bestimmt dabei die Bedeutung der Handlung:
- Ich kann gut Deutsch sprechen.
- Du musst deine Hausaufgaben machen.
- Wir dürfen hier nicht parken.
- Er soll den Müll rausbringen.
- Sie will ein Buch lesen.
- Ich mag Eis essen.
2. Nach Hilfsverben
Die Hilfsverben haben, sein und werden werden ebenfalls von einem Infinitiv ohne "zu" begleitet, wenn sie zur Bildung von zusammengesetzten Zeitformen verwendet werden:
- Ich habe das Buch gelesen. (Perfekt)
- Er ist nach Hause gegangen. (Perfekt)
- Wir werden morgen kommen. (Futur I)
3. Nach bestimmten Verben der Wahrnehmung und Bewegung
Einige Verben der Wahrnehmung (sehen, hören, fühlen) und Bewegung (gehen, fahren, kommen, lassen) werden oft von einem Infinitiv ohne "zu" begleitet. In diesen Fällen beschreibt der Infinitiv eine Handlung, die gleichzeitig mit der Handlung des Hauptverbs stattfindet:
- Ich sehe ihn kommen.
- Wir hören die Vögel singen.
- Ich fühle den Wind wehen.
- Er geht spazieren gehen. (Doppelter Infinitiv, siehe unten)
- Sie fährt Ski fahren. (Doppelter Infinitiv, siehe unten)
- Ich lasse das Auto reparieren.
4. Nach "bleiben" und "lehren"
Die Verben bleiben und lehren werden ebenfalls von einem Infinitiv ohne "zu" begleitet:
- Er bleibt sitzen.
- Sie lehrt uns Deutsch sprechen.
Besondere Fälle und Ausnahmen
Doppelter Infinitiv
Der doppelte Infinitiv tritt auf, wenn in einem Nebensatz oder am Ende eines Hauptsatzes zwei Infinitive stehen, von denen einer ein Hilfsverb im Partizip II ersetzen würde. Dies kommt besonders häufig vor, wenn Modalverben im Spiel sind. **Wichtig:** In diesen Fällen wird kein Partizip II gebildet, sondern der zweite Infinitiv verwendet. Dieser Fall tritt meistens im Perfekt und Plusquamperfekt auf:
- Ich habe das nicht machen können. (statt: Ich habe das nicht machen gekonnt.)
- Er hatte das Auto reparieren lassen. (statt: Er hatte das Auto reparieren gelassen.)
Beachten Sie, dass bei der Verwendung des doppelten Infinitivs das Verb "lassen" eine Ausnahme darstellt und immer den Infinitiv verwendet, auch wenn es im Perfekt steht. "Ich habe das Auto reparieren lassen".
Die Konjunktion "als"
Nach der Konjunktion "als" steht der Infinitiv oft mit "zu", besonders wenn ein Vergleich ausgedrückt wird:
- Es ist besser, vorsichtig zu sein, als später etwas zu bereuen.
Zusammenfassung
Die Wahl zwischen dem Infinitiv mit und ohne "zu" hängt von der Art des Verbs, der Satzstruktur und der beabsichtigten Bedeutung ab. Es ist hilfreich, sich die oben genannten Regeln und Beispiele einzuprägen. Die korrekte Anwendung des Infinitivs mit und ohne "zu" ist ein wichtiger Schritt zur Verbesserung Ihrer Deutschkenntnisse. Übung macht den Meister! Lesen Sie viel auf Deutsch, achten Sie auf die Verwendung des Infinitivs in verschiedenen Kontexten, und versuchen Sie, die Regeln aktiv anzuwenden. Mit der Zeit werden Sie ein Gefühl dafür entwickeln, welche Form in welcher Situation die richtige ist.
Denken Sie daran: Sprachen lernen ist ein Prozess, und Fehler sind ein natürlicher Teil davon. Haben Sie Geduld mit sich selbst, und geben Sie nicht auf! Mit Fleiß und Ausdauer werden Sie Ihre Ziele erreichen.
