Innerhalb Von 12 Monaten 2 Mal Geblitzt
Das deutsche Verkehrsrecht ist komplex, und Geschwindigkeitsüberschreitungen werden konsequent geahndet. Besonders relevant ist das Thema, wenn man innerhalb von 12 Monatenzweimalgeblitzt wird. Dies kann schwerwiegende Konsequenzen haben, die über ein einfaches Bußgeld hinausgehen.
Die Grundlagen: Was passiert bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung?
Zunächst ist es wichtig zu verstehen, wie Geschwindigkeitsüberschreitungen in Deutschland geahndet werden. Nach einer Geschwindigkeitsmessung (Blitzen) erhält der Fahrzeughalter in der Regel einen Anhörungsbogen. Dieser dient dazu, den Fahrer zu ermitteln. Es ist wichtig, diesen Bogen sorgfältig zu prüfen. Man ist nicht verpflichtet, sich selbst zu belasten, muss aber korrekte Angaben machen, falls man nicht selbst gefahren ist.
Wird der Fahrer identifiziert, erhält dieser einen Bußgeldbescheid. Dieser enthält Angaben zur Geschwindigkeitsüberschreitung, das fällige Bußgeld, eventuelle Punkte in Flensburg und gegebenenfalls ein Fahrverbot.
Bußgeld, Punkte und Fahrverbot: Die möglichen Konsequenzen
Die Höhe des Bußgeldes, die Anzahl der Punkte in Flensburg und die Dauer eines möglichen Fahrverbots hängen von der Schwere der Geschwindigkeitsüberschreitung ab. Innerorts werden Verstöße tendenziell strenger geahndet als außerorts.
- Bußgeld: Die Höhe des Bußgeldes variiert je nach der überschrittenen Geschwindigkeit. Eine geringfügige Überschreitung kann wenige Euro kosten, während eine erhebliche Überschreitung mehrere hundert Euro kosten kann.
- Punkte in Flensburg: Für Geschwindigkeitsüberschreitungen werden Punkte im Fahreignungsregister (Flensburg) eingetragen. Das Punktesystem ist gestaffelt. Bei acht Punkten wird die Fahrerlaubnis entzogen.
- Fahrverbot: Ein Fahrverbot wird in der Regel bei schwerwiegenden Geschwindigkeitsüberschreitungen verhängt, typischerweise, wenn innerorts die zulässige Höchstgeschwindigkeit um mehr als 30 km/h oder außerorts um mehr als 40 km/h überschritten wird. Die Dauer des Fahrverbots beträgt in der Regel ein bis drei Monate.
Die besondere Situation: Zweimal Geblitzt innerhalb von 12 Monaten
Wenn man innerhalb eines Jahres zweimal wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung geblitzt wird, greift die sogenannte Wiederholungsfall-Regelung. Dies bedeutet, dass die Sanktionen für den zweiten Verstoß deutlich höher ausfallen können als üblich.
Was genau bedeutet "Wiederholungsfall"?
Ein Wiederholungsfall liegt vor, wenn man innerhalb von 12 Monaten, gerechnet vom Tag der ersten Ordnungswidrigkeit bis zum Tag der zweiten Ordnungswidrigkeit, erneut eine Ordnungswidrigkeit begeht, die mit einem Punkt in Flensburg geahndet wird. Es ist wichtig zu beachten, dass es nicht auf den Tag der Verurteilung ankommt, sondern auf den Tag, an dem die Ordnungswidrigkeit begangen wurde.
Beispiel: Angenommen, Sie wurden am 15. März 2024 wegen einer Geschwindigkeitsüberschreitung geblitzt, die mit einem Punkt in Flensburg geahndet wurde. Wenn Sie nun vor dem 15. März 2025 erneut eine Geschwindigkeitsüberschreitung begehen, die ebenfalls mit einem Punkt geahndet wird, handelt es sich um einen Wiederholungsfall.
Die Folgen des Wiederholungsfalls
Die Konsequenzen eines Wiederholungsfalls können erheblich sein:
- Erhöhtes Bußgeld: Das Bußgeld für die zweite Geschwindigkeitsüberschreitung kann deutlich höher ausfallen als üblich. Die Bußgeldkataloge sehen in solchen Fällen oft eine Erhöhung vor.
- Fahrverbot: Auch wenn die zweite Geschwindigkeitsüberschreitung allein genommen kein Fahrverbot rechtfertigen würde, kann ein Fahrverbot aufgrund des Wiederholungsfalls verhängt werden. Dies gilt insbesondere, wenn die erste Geschwindigkeitsüberschreitung bereits nahe an der Grenze zu einem Fahrverbot lag. Die Gerichte haben hier einen gewissen Ermessensspielraum.
- Medizinisch-Psychologische Untersuchung (MPU): In besonders schwerwiegenden Fällen, insbesondere wenn es sich um wiederholte schwere Geschwindigkeitsüberschreitungen handelt, kann die Fahrerlaubnisbehörde eine MPU anordnen. Dies dient dazu, die Fahreignung des Betroffenen zu überprüfen. Die MPU ist ein aufwändiger und kostspieliger Prozess.
Wichtig: Ob tatsächlich ein Wiederholungsfall vorliegt und welche Konsequenzen daraus resultieren, hängt immer vom Einzelfall ab. Die genauen Umstände der Geschwindigkeitsüberschreitungen, die Höhe der Geschwindigkeitsüberschreitung und die bisherige Verkehrssündenregister des Betroffenen spielen eine Rolle.
Was tun, wenn man zweimal innerhalb von 12 Monaten geblitzt wurde?
Wenn Sie sich in dieser Situation befinden, ist es ratsam, wie folgt vorzugehen:
- Anhörungsbogen und Bußgeldbescheid sorgfältig prüfen: Überprüfen Sie die Angaben im Anhörungsbogen und Bußgeldbescheid auf Richtigkeit. Achten Sie insbesondere auf das Datum der Geschwindigkeitsüberschreitung, die gemessene Geschwindigkeit und die zulässige Höchstgeschwindigkeit.
- Rechtliche Beratung einholen: Angesichts der möglichen schwerwiegenden Konsequenzen ist es ratsam, einen Anwalt für Verkehrsrecht zu konsultieren. Ein Anwalt kann die Sachlage prüfen, die Erfolgsaussichten eines Einspruchs beurteilen und Sie im Verfahren vertreten.
- Einspruch prüfen: Wenn Sie Zweifel an der Richtigkeit der Messung haben oder andere Gründe für einen Einspruch sehen, sollten Sie dies mit Ihrem Anwalt besprechen. Ein Einspruch kann sinnvoll sein, um die Sanktionen zu mildern oder sogar ganz abzuwenden.
- Verhalten im Straßenverkehr anpassen: Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens sollten Sie Ihr Verhalten im Straßenverkehr überdenken und zukünftig Geschwindigkeitsüberschreitungen vermeiden. Dies ist nicht nur aus rechtlicher Sicht ratsam, sondern auch im Sinne der Verkehrssicherheit.
Prävention: Wie vermeidet man Geschwindigkeitsüberschreitungen?
Die beste Strategie ist es natürlich, Geschwindigkeitsüberschreitungen von vornherein zu vermeiden. Hier einige Tipps:
- Geschwindigkeitsbegrenzungen beachten: Achten Sie auf die Verkehrsschilder und halten Sie sich an die vorgeschriebenen Geschwindigkeitsbegrenzungen.
- Geschwindigkeit an die Straßenverhältnisse anpassen: Passen Sie Ihre Geschwindigkeit den jeweiligen Straßenverhältnissen an, insbesondere bei schlechtem Wetter oder in unübersichtlichen Situationen.
- Tempomat nutzen: Wenn Ihr Fahrzeug über einen Tempomat verfügt, nutzen Sie diesen, um die Geschwindigkeit konstant zu halten.
- Konzentriert fahren: Vermeiden Sie Ablenkungen während der Fahrt, wie z.B. das Bedienen des Mobiltelefons.
- Regelmäßige Pausen einlegen: Müdigkeit kann die Konzentration beeinträchtigen. Legen Sie bei längeren Fahrten regelmäßig Pausen ein.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass zweimaliges Geblitztwerden innerhalb von 12 Monaten zu erheblichen Konsequenzen führen kann. Informieren Sie sich gründlich, holen Sie sich gegebenenfalls rechtlichen Rat und passen Sie Ihr Fahrverhalten an, um zukünftige Verstöße zu vermeiden.
