Instagram Account Auf Business Umstellen
Erinnerst du dich an dein erstes Instagram-Foto? Wahrscheinlich ein verschwommenes Bild von deinem Mittagessen, oder ein Selfie mit rotem Blitz, das du sofort wieder gelöscht hast. Instagram war für uns alle erst mal Spielplatz, eine bunte Galerie des Alltags. Aber irgendwann… irgendwann kam der Moment. Der Moment, in dem du dachtest: "Moment mal, da könnte doch mehr gehen!"
Die Rede ist natürlich vom magischen Klick: "Zum Business-Konto wechseln". Plötzlich war dein Profil nicht mehr nur dein digitales Tagebuch, sondern… etwas Professionelles. Es fühlte sich ein bisschen an, wie wenn man das erste Mal einen Anzug trägt. Ein bisschen unbequem, ein bisschen steif, aber auch… irgendwie erwachsen.
Was passiert dann? Zuerst einmal: Zahlen. Überall Zahlen. "Reichweite", "Impressionen", "Interaktionen". Worte, die vorher in deinem Wortschatz eher unter "Nerd-Kram" abgetan wurden, beherrschen plötzlich deine Gedanken. Du verbringst Nächte damit, Graphen zu studieren, die aussehen, als hätte ein Kleinkind mit einem Buntstift auf ein Thermometer gemalt. Du versuchst zu verstehen, warum das Foto von deinem perfekt gestylten Avocado-Toast weniger Likes bekommen hat als das ungeschminkte Selfie mit deinem Kater, der auf deinem Kopf schläft.
Die verrückte Welt der Instagram-Insights
Die Insights werden zu deinem neuen besten Freund (oder schlimmsten Feind, je nach Tagesform). Du lernst, dass deine Follower um 18 Uhr am aktivsten sind (perfekt, wenn du deine Yogastunde um 19 Uhr postest!), dass Frauen zwischen 25 und 34 deine Inhalte lieben (oder zumindest liken, wenn sie gerade nichts Besseres zu tun haben) und dass anscheinend ganz viele Leute aus dem fernen Tadschikistan deine Story über deine selbstgemachte Marmelade sehen. Tadschikistan?! Was zur Hölle…?
Die "Zielgruppe" wird zu einer realen Sache. Du überlegst dir plötzlich, was "deine Zielgruppe" eigentlich will. Du fängst an, Umfragen in deinen Stories zu machen ("Helles oder dunkles Brot zum Frühstück?"). Du fragst nach Feedback. Du versuchst, dich in die Köpfe von Menschen hineinzuversetzen, die du noch nie getroffen hast, aber die vielleicht dein Produkt kaufen oder einfach nur deine Katzenbilder lustig finden.
Die Kontaktdaten-Falle
Dann kommt der Moment, in dem Instagram dich bittet, deine Kontaktdaten zu hinterlegen. "E-Mail? Telefonnummer? Adresse?" Du überlegst kurz, ob du wirklich deine Handynummer ins Internet stellen willst, wo jeder Spinner dich anrufen könnte, um dir irgendwelchen Blödsinn zu erzählen. Aber dann denkst du an die potentiellen Kunden, die dich vielleicht erreichen wollen. Also gibst du alles an. Innerlich bereitest du dich schon auf die Flut von Spam-Anrufen vor, die dich um 3 Uhr morgens wecken werden, um dir eine "unglaubliche Investitionsmöglichkeit" anzubieten.
„Ach ja, und vergiss nicht den "Call-to-Action"-Button! "Jetzt kaufen!", "Mehr erfahren!", "Abonnieren!" Plötzlich fühlst du dich wie ein Marktschreier auf einem mittelalterlichen Marktplatz, der versucht, seine Ware an den Mann (oder die Frau) zu bringen.“
Und dann kommt die Werbung. Oh, die Werbung! Plötzlich musst du dich mit dem Facebook Werbeanzeigenmanager herumschlagen, einem Tool, das aussieht, als hätte ein Programmierer im Delirium es entworfen. Du versuchst zu verstehen, was "Custom Audiences", "Lookalike Audiences" und "Conversion Tracking" bedeuten. Du gibst Google dein ganzes Geld, um herauszufinden, wie man eine effektive Instagram-Anzeige schaltet. Und am Ende stellst du fest, dass du mehr Geld für Werbung ausgegeben hast, als du jemals eingenommen hast.
Aber inmitten all des Zahlen-Wahnsinns, der Insights-Besessenheit und der Werbe-Frustrationen, gibt es auch Momente der Freude. Momente, in denen du feststellst, dass du tatsächlich etwas erreicht hast. Eine Anfrage von einem potentiellen Kunden, der dein Produkt toll findet. Ein Kommentar von einem Follower, der sich für deine Arbeit bedankt. Ein Like von einem Influencer, den du schon immer bewundert hast.
Es ist ein bisschen wie ein kleiner Sieg. Ein Beweis dafür, dass sich die ganze Mühe gelohnt hat. Dass dein kleines Instagram-Experiment vielleicht doch nicht so verrückt war, wie du anfangs dachtest. Dass du vielleicht doch mehr bist als nur jemand, der verschwommene Bilder von seinem Mittagessen postet.
Mehr als nur ein Profil
Der Wechsel zum Business-Konto hat dich verändert. Er hat dich gezwungen, über deine Inhalte nachzudenken, deine Zielgruppe zu verstehen und dich mit der harten Realität der sozialen Medien auseinanderzusetzen. Er hat dich vielleicht ein bisschen verrückt gemacht, aber er hat dich auch kreativer, strategischer und selbstbewusster gemacht. Und vielleicht, ganz vielleicht, hat er dir sogar geholfen, deinen Traum zu verwirklichen.
Also, atme tief durch, logg dich ein und poste etwas. Vielleicht ist es ja der Anfang von etwas Großem. Und selbst wenn nicht, dann hast du zumindest eine gute Geschichte zu erzählen, wie du versucht hast, mit deinem Instagram-Account berühmt zu werden (und kläglich gescheitert bist… aber hey, wenigstens hattest du Spaß dabei!). Denn am Ende des Tages ist Instagram, egal ob privat oder geschäftlich, immer noch ein Spielplatz. Ein Spielplatz mit Zahlen, Insights und Werbeanzeigen, ja, aber immer noch ein Spielplatz. Und wer weiß, vielleicht bist du ja der nächste große Instagram-Star. Oder zumindest der König oder die Königin der Avocado-Toast-Fotos.
