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Iphigenie Auf Tauris 4 Aufzug 4 Auftritt Analyse


Iphigenie Auf Tauris 4 Aufzug 4 Auftritt Analyse

Goethes "Iphigenie auf Tauris" ist ein zentrales Werk der Weimarer Klassik. Der vierte Aufzug, vierte Auftritt, in dem Iphigenie mit Thoas spricht, ist besonders bedeutsam für das Verständnis der gesamten Tragödie. Diese Szene kulminiert in Iphigenies Entscheidung, Thoas die Wahrheit zu gestehen, und markiert einen Wendepunkt in der Handlung.

Kontext des vierten Aufzugs, vierten Auftritts

Um die Bedeutung dieses Auftritts vollständig zu erfassen, ist es wichtig, den vorherigen Verlauf der Handlung zu berücksichtigen. Iphigenie, eine griechische Priesterin auf der Insel Tauris, dient der Göttin Diana (Artemis). Sie wurde von Diana vor einem Opfer gerettet und auf die Insel gebracht. Dort verhindert sie im Auftrag der Göttin, dass menschliche Opfer dargebracht werden. König Thoas, der Iphigenie heiraten möchte, droht, die alten Sitten der Menschenopfer wieder einzuführen, als Iphigenie ihn ablehnt.

Orest und Pylades, Iphigenies Bruder und sein Freund, sind auf die Insel gekommen, um das Götterbild der Diana zu rauben und so den Fluch auf das Haus der Tantaliden zu beenden. Sie werden gefangen genommen und sollen Iphigenie geopfert werden. Iphigenie erkennt Orest nicht sofort, wird aber durch ein Gespräch mit ihm und Pylades mit ihrer Vergangenheit konfrontiert.

Die Ausgangssituation

Vor dem vierten Auftritt des vierten Aufzugs befindet sich Iphigenie in einem inneren Konflikt. Sie ist hin- und hergerissen zwischen ihrer Pflicht gegenüber Thoas, der ihr Gastfreundschaft gewährt hat, und ihrem Wunsch, ihren Bruder und dessen Freund zu retten. Sie erwägt, Thoas zu täuschen, um die Flucht der Griechen zu ermöglichen. Die Möglichkeit der Lüge, die sie bisher vermieden hat, nagt an ihrem Gewissen.

Analyse des Dialogs zwischen Iphigenie und Thoas

Der vierte Auftritt beginnt mit einem Gespräch zwischen Iphigenie und Thoas. Thoas bemerkt Iphigenies Unruhe und befragt sie nach dem Grund.

Thoas:
"Was bewegt dich, Tochter, so tief im Busen?"

Iphigenie versucht zunächst, ausweichend zu antworten, doch Thoas drängt sie, ihm ihr Problem anzuvertrauen. Er betont sein Vertrauen in sie und seine Zuneigung. Dieses Vertrauen und die ihm entgegengebrachte Ehrfurcht sind für Iphigenie schwer zu missbrauchen.

Iphigenie:
"Du bist mein Freund, mein Vater, mein Beschützer."

Diese Worte verdeutlichen Iphigenies Zerrissenheit. Sie empfindet Dankbarkeit und Respekt für Thoas, was die Entscheidung, ihn zu belügen, noch schwieriger macht. Sie ringt mit sich und dem Gedanken, ob eine Lüge in dieser Situation gerechtfertigt wäre, um das Leben ihres Bruders und dessen Freund zu retten.

Im Verlauf des Gesprächs offenbart Iphigenie Thoas Teile der Wahrheit. Sie gesteht, dass die Fremden Griechen sind und dass einer von ihnen ihr Bruder ist. Sie verschweigt jedoch zunächst den Plan, das Götterbild zu rauben. Thoas reagiert zunächst mit Misstrauen und Zorn.

Thoas:
"Verräterin! Du hast mich hintergangen!"

Diese Reaktion ist verständlich, da Thoas sich von Iphigenie getäuscht fühlt. Sie hat ihm wichtige Informationen vorenthalten und somit sein Vertrauen missbraucht. Iphigenie verteidigt sich jedoch, indem sie betont, dass sie ihn nicht aus Bosheit getäuscht habe, sondern aus Liebe zu ihrem Bruder.

Iphigenie:
"Nicht Bosheit trieb mich, nein, die heil'ge Macht
Der Liebe, die mich an mein Haus gekettet."

Diese Aussage ist zentral für Iphigenies Charakterisierung. Sie handelt aus einem tiefen Gefühl der familiären Verbundenheit und der Loyalität. Ihr Gewissen verbietet es ihr jedoch, die Wahrheit vollständig zu verschweigen.

Schließlich gesteht Iphigenie Thoas die Wahrheit: Sie beichtet, dass ihr Bruder und sein Freund gekommen sind, um das Götterbild zu rauben. Dies ist der entscheidende Moment des Auftritts und der gesamten Tragödie. Iphigenie bricht mit der Tradition der Täuschung und wählt den Weg der Wahrheit, selbst wenn dies Konsequenzen für sie und die anderen haben könnte.

Iphigenie:
"So steh ich nun, bereit, dein Urteil zu empfangen."

Mit diesen Worten übergibt Iphigenie die Kontrolle über die Situation an Thoas. Sie vertraut darauf, dass er als gerechter Herrscher und Mensch handeln wird. Sie demonstriert ihren Glauben an die Macht der Menschlichkeit und der Vernunft.

Die Bedeutung des Wahrheitsgeständnisses

Iphigenies Wahrheitsgeständnis hat mehrere wichtige Konsequenzen:

  • Moralischer Sieg: Iphigenie beweist ihre moralische Integrität und ihren Glauben an die Wahrheit. Sie widersteht der Versuchung, durch Täuschung ihre Ziele zu erreichen, und wählt stattdessen den schwierigeren Weg der Ehrlichkeit.
  • Vertrauensbeweis: Iphigenie zeigt Thoas ihr Vertrauen, indem sie ihm die Wahrheit anvertraut. Sie glaubt daran, dass er in der Lage ist, über seine eigenen Interessen hinauszusehen und eine gerechte Entscheidung zu treffen.
  • Wendepunkt der Handlung: Iphigenies Geständnis markiert einen Wendepunkt in der Handlung. Es ist der Moment, in dem sie aktiv die Kontrolle über das Geschehen übernimmt und die Möglichkeit eröffnet, den Kreislauf von Gewalt und Rache zu durchbrechen.

Durch ihr Handeln demonstriert Iphigenie die Ideale der Weimarer Klassik: Humanität, Toleranz und die Kraft der Vernunft. Sie verkörpert das Ideal des "edlen Menschen", der sich durch moralische Integrität und die Fähigkeit zur Selbstüberwindung auszeichnet.

Thoas' Reaktion und die Auflösung

Thoas' Reaktion auf Iphigenies Geständnis ist von Überraschung und innerem Kampf geprägt. Er ist zunächst wütend und enttäuscht, erkennt aber dann die Größe ihrer Ehrlichkeit und ihren Glauben an ihn. Er erkennt, dass Iphigenie ihn nicht aus Bosheit getäuscht hat, sondern aus einem höheren moralischen Anspruch heraus gehandelt hat.

Thoas:
"So geh! Entführe deines Bruders Leben
Und seines Freundes! Nimm das Bild der Göttin!"

Thoas' Entscheidung, Iphigenie und ihren Begleitern die Flucht zu gestatten, ist ein Zeichen seiner Läuterung und seines Wandels. Er überwindet seine ursprünglichen Rachegefühle und entscheidet sich für die Versöhnung. Er erkennt, dass Gewalt und Rache nicht der Weg zu einer besseren Zukunft sind.

Das Ende der Tragödie ist von Versöhnung und Hoffnung geprägt. Iphigenie, Orest und Pylades kehren mit dem Götterbild nach Griechenland zurück, und Thoas verzichtet auf seine Rache. Die Tragödie endet mit der Aussicht auf eine friedliche Zukunft und der Überwindung des Fluchs auf das Haus der Tantaliden. Die "Heilung" Orests, der von Wahnsinn befallen war, ist ein weiterer Beweis für die heilende Kraft der Menschlichkeit und der Wahrheit.

Zusammenfassung

Der vierte Aufzug, vierte Auftritt von Goethes "Iphigenie auf Tauris" ist eine Schlüsselszene der Tragödie. Iphigenies Entscheidung, Thoas die Wahrheit zu gestehen, markiert einen Wendepunkt in der Handlung und demonstriert die Ideale der Weimarer Klassik. Durch ihr Handeln beweist Iphigenie ihre moralische Integrität, ihr Vertrauen in die Menschlichkeit und ihre Fähigkeit, den Kreislauf von Gewalt und Rache zu durchbrechen. Die Szene ist ein Plädoyer für Ehrlichkeit, Versöhnung und die Kraft der Vernunft und der Humanität.

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