Ist Shein Schlimmer Als H&m
Die Frage, ob Shein *schlimmer* als H&M ist, ist komplex und lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Beide Unternehmen sind Vertreter der Fast Fashion Industrie, die für ihre negativen Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft bekannt ist. Um die Frage zu beantworten, muss man verschiedene Aspekte wie Nachhaltigkeit, Arbeitsbedingungen, Qualität und Preis vergleichen.
Nachhaltigkeit: Ein Wettlauf nach unten
Sowohl Shein als auch H&M produzieren Kleidung in riesigen Mengen zu sehr niedrigen Preisen. Dieses Geschäftsmodell basiert auf dem schnellen Umschlag von Trends, was zu einem hohen Ressourcenverbrauch und enormen Mengen an Textilabfällen führt.
Shein: Der König der Ultra-Fast-Fashion
Shein treibt das Fast-Fashion-Konzept auf die Spitze. Das Unternehmen bringt täglich Tausende neuer Artikel auf den Markt, oft zu Preisen, die selbst für Fast-Fashion-Verhältnisse extrem niedrig sind. Dies wird durch den Einsatz billiger Materialien, optimierte Produktionsprozesse und eine aggressive Marketingstrategie erreicht. Sheins Fokus liegt fast ausschließlich auf Online-Verkäufen, was es dem Unternehmen ermöglicht, schnell auf Trends zu reagieren und seine Produktion entsprechend anzupassen. Allerdings führt diese *Ultra-Fast-Fashion* zu einer noch größeren Umweltbelastung, da Kleidung oft nur wenige Male getragen und dann weggeworfen wird.
Konkret bedeutet das:
- Hoher Wasserverbrauch: Die Textilproduktion, insbesondere die Baumwollherstellung, verbraucht enorme Mengen an Wasser.
- Chemikalienbelastung: Färbeprozesse und die Verwendung von synthetischen Materialien setzen schädliche Chemikalien frei, die Flüsse und Böden verunreinigen.
- Textilabfälle: Ein Großteil der produzierten Kleidung landet auf Mülldeponien oder wird verbrannt, was zur Luftverschmutzung beiträgt.
- CO2-Emissionen: Der Transport von Kleidung um die ganze Welt verursacht erhebliche CO2-Emissionen.
H&M: Bemühungen und Greenwashing?
H&M hat in den letzten Jahren einige Anstrengungen unternommen, um nachhaltiger zu werden. Das Unternehmen hat Initiativen gestartet, um recycelte Materialien zu verwenden und den Verbrauch von Wasser und Chemikalien zu reduzieren. H&M bietet auch ein Rücknahmeprogramm für alte Kleidung an, bei dem Kunden gebrauchte Kleidungsstücke in den Filialen abgeben können. Allerdings wird H&M oft *Greenwashing* vorgeworfen, d.h. dass das Unternehmen sich grüner darstellt, als es tatsächlich ist. Der Anteil an nachhaltigeren Materialien in der H&M-Kollektion ist immer noch relativ gering, und das Geschäftsmodell basiert weiterhin auf dem Verkauf großer Mengen an billiger Kleidung.
Während H&M also versucht, sich zu verbessern, bleibt die Frage, ob diese Bemühungen ausreichend sind, um die negativen Auswirkungen des Fast-Fashion-Modells zu kompensieren. Die schiere Menge an Kleidung, die H&M produziert, macht es schwierig, wirklich nachhaltig zu sein.
Arbeitsbedingungen: Ausbeutung als Geschäftsmodell
Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Bewertung von Shein und H&M sind die Arbeitsbedingungen in ihren Zulieferfabriken. Beide Unternehmen werden für die Ausbeutung von Arbeiter*innen kritisiert.
Shein: Intransparenz und Verdacht auf Zwangsarbeit
Shein steht besonders wegen mangelnder Transparenz in der Kritik. Es ist schwierig, Informationen über die Arbeitsbedingungen in den Fabriken zu erhalten, die für Shein produzieren. Es gibt Berichte über überlange Arbeitszeiten, niedrige Löhne und unsichere Arbeitsbedingungen. Einige Berichte deuten sogar auf den Einsatz von Zwangsarbeit hin, insbesondere in der Region Xinjiang in China, wo Uiguren unterdrückt werden.
Die Intransparenz von Shein macht es schwierig, die Situation der Arbeiter*innen wirklich zu beurteilen. Allerdings deutet vieles darauf hin, dass die Arbeitsbedingungen alles andere als ideal sind.
H&M: Verbesserungsversuche, aber noch viel zu tun
H&M ist transparenter als Shein und veröffentlicht Informationen über seine Zulieferfabriken. Das Unternehmen hat auch einen Verhaltenskodex für seine Lieferanten eingeführt, der Mindeststandards für Löhne, Arbeitszeiten und Sicherheit festlegt. Allerdings gibt es immer wieder Berichte über Verstöße gegen diesen Verhaltenskodex. Auch bei H&M werden Arbeiter*innen oft ausgebeutet, unterbezahlt und gefährlichen Arbeitsbedingungen ausgesetzt.
Obwohl H&M einige Maßnahmen ergriffen hat, um die Arbeitsbedingungen zu verbessern, bleibt die Realität, dass das Unternehmen immer noch von der Ausbeutung von Arbeiter*innen in Billiglohnländern profitiert. Die niedrigen Preise, die H&M für seine Kleidung verlangt, sind oft nur durch die Einsparung an Arbeitskosten möglich.
Qualität und Preis: Billig hat seinen Preis
Sowohl Shein als auch H&M bieten Kleidung zu sehr niedrigen Preisen an. Dies geht oft auf Kosten der Qualität. Die Kleidung ist oft aus billigen Materialien gefertigt und schlecht verarbeitet. Sie geht schnell kaputt und muss ersetzt werden, was wiederum zu mehr Konsum und mehr Abfall führt.
Shein: Wegwerfmode pur
Die Qualität der Kleidung von Shein ist oft *sehr schlecht*. Die Materialien sind dünn und anfällig für Risse. Die Nähte sind schlecht verarbeitet und lösen sich schnell auf. Die Kleidung verliert oft ihre Form und Farbe nach dem Waschen. Shein-Kleidung ist in der Regel nur für den kurzfristigen Gebrauch gedacht und wird oft nach wenigen Malen tragen weggeworfen.
H&M: Solide Mittelklasse, aber keine Langlebigkeit
Die Qualität der Kleidung von H&M ist in der Regel etwas besser als die von Shein, aber immer noch nicht besonders hoch. Die Materialien sind etwas haltbarer und die Verarbeitung ist etwas besser. H&M-Kleidung hält in der Regel etwas länger als Shein-Kleidung, ist aber immer noch nicht für eine lange Lebensdauer ausgelegt. Auch hier gilt: Die niedrigen Preise spiegeln sich in der Qualität wider.
Fazit: Wer ist schlimmer?
Es ist schwer zu sagen, ob Shein oder H&M "schlimmer" ist. Beide Unternehmen tragen zur Umweltverschmutzung und zur Ausbeutung von Arbeiter*innen bei. Shein ist jedoch aufgrund seiner *Ultra-Fast-Fashion* und der mangelnden Transparenz möglicherweise noch schädlicher als H&M. H&M hat zwar einige Anstrengungen unternommen, um nachhaltiger zu werden und die Arbeitsbedingungen zu verbessern, aber diese Bemühungen reichen bei Weitem nicht aus, um die negativen Auswirkungen des Unternehmens zu kompensieren.
Letztendlich liegt es an den Konsument*innen, zu entscheiden, ob sie diese Art von Fast Fashion unterstützen wollen. Es gibt nachhaltigere Alternativen, wie z.B. den Kauf von Secondhand-Kleidung, die Unterstützung von ethischen Modemarken oder das Reparieren und Upcyceln von Kleidung. Bewusster Konsum ist der Schlüssel zu einer nachhaltigeren Modeindustrie.
Was können Sie tun?
- Weniger kaufen: Überlegen Sie sich vor jedem Kauf, ob Sie das Kleidungsstück wirklich brauchen.
- Secondhand kaufen: Secondhand-Kleidung ist eine nachhaltige und oft auch günstigere Alternative.
- Auf Qualität achten: Investieren Sie in Kleidungsstücke, die länger halten.
- Ethische Marken unterstützen: Informieren Sie sich über Marken, die faire Arbeitsbedingungen und nachhaltige Materialien verwenden.
- Kleidung reparieren und upcyceln: Verlängern Sie die Lebensdauer Ihrer Kleidung, indem Sie sie reparieren oder in etwas Neues verwandeln.
