Kann Man Als Motorradfahrer Geblitzt Werden
Willkommen in Deutschland, liebe Motorradfahrer! Planen Sie eine Tour durch unser wunderschönes Land? Fantastisch! Bevor Sie sich aber auf die kurvenreichen Straßen stürzen, sollten Sie sich mit den Verkehrsregeln und -vorschriften vertraut machen. Ein besonders wichtiges Thema ist dabei das Blitzen – also die Geschwindigkeitsüberwachung. Die Frage, ob man als Motorradfahrer geblitzt werden kann, ist absolut berechtigt, denn die Perspektive ist ja etwas anders als im Auto. Lasst uns das mal genauer unter die Lupe nehmen.
Geblitzt auf zwei Rädern: Ja, aber anders!
Die kurze Antwort lautet: Ja, Motorradfahrer können in Deutschland geblitzt werden. Allerdings gibt es ein paar Besonderheiten zu beachten, die sich aus der Bauart von Motorrädern ergeben.
Anders als Autos haben Motorräder in der Regel kein Nummernschild vorne. Das bedeutet, dass herkömmliche Blitzer, die frontal fotografieren, für die Identifizierung des Fahrers in den meisten Fällen ungeeignet sind. Das System würde zwar auslösen, aber ohne ein erkennbares Kennzeichen wäre die Verfolgung des Verstoßes unmöglich. Daher werden andere Methoden eingesetzt.
Welche Blitzer erfassen Motorradfahrer?
Es gibt verschiedene Arten von Blitzern, die auch Motorradfahrer ins Visier nehmen können. Die häufigsten sind:
- Heckblitzer: Diese Geräte sind so positioniert, dass sie von hinten fotografieren. Da sich das Nummernschild am Heck des Motorrads befindet, können diese Blitzer den Fahrer eindeutig identifizieren. Heckblitzer sind besonders auf Autobahnen und Landstraßen verbreitet.
- Section Control: Bei der Section Control wird die Durchschnittsgeschwindigkeit über eine längere Strecke gemessen. Kameras am Anfang und am Ende des Abschnitts erfassen die Kennzeichen aller Fahrzeuge, einschließlich Motorräder. Diese Methode ist unabhängig davon, ob das Fahrzeug von vorne oder von hinten fotografiert wird, da die Kennzeichenerfassung im Vordergrund steht.
- Mobile Blitzer: Auch mobile Blitzer können Motorradfahrer erwischen. Diese Geräte werden oft in zivilen Fahrzeugen oder an unauffälligen Standorten platziert. Sie können sowohl von vorne als auch von hinten blitzen.
- Laserpistolen: Polizeibeamte verwenden manchmal Laserpistolen zur Geschwindigkeitsmessung. Diese Geräte sind sehr präzise und können auch auf Motorräder angewendet werden. Der Beamte stoppt den Fahrer dann direkt.
Wie funktioniert die Geschwindigkeitsmessung bei Motorrädern?
Die Technik hinter der Geschwindigkeitsmessung ist im Prinzip die gleiche wie bei Autos. Radar-, Laser- oder Piezosensoren im Straßenbelag erfassen die Geschwindigkeit des Fahrzeugs. Wenn die zulässige Höchstgeschwindigkeit überschritten wird, löst die Kamera aus und fotografiert das Fahrzeug.
Bei der Section Control werden die Kennzeichen automatisch erfasst und die Durchfahrtszeit zwischen den Messpunkten berechnet. Aus der Distanz und der Zeit wird die Durchschnittsgeschwindigkeit ermittelt. Wer zu schnell war, erhält einen Bußgeldbescheid.
Konsequenzen bei Geschwindigkeitsüberschreitungen
Die Strafen für Geschwindigkeitsüberschreitungen in Deutschland sind gestaffelt und hängen von der Höhe der Überschreitung und dem Ort des Vergehens (innerorts oder außerorts) ab. Die Konsequenzen können von einem einfachen Verwarnungsgeld bis hin zu einem Bußgeld, Punkten in Flensburg und sogar einem Fahrverbot reichen.
Es ist wichtig zu beachten, dass für Fahranfänger in der Probezeit strengere Regeln gelten. Bereits kleinere Geschwindigkeitsüberschreitungen können zu einer Verlängerung der Probezeit und der Anordnung eines Aufbauseminars führen.
Bußgeldkatalog für Motorradfahrer (Auszug)
Um Ihnen eine Vorstellung von den möglichen Strafen zu geben, hier ein kleiner Auszug aus dem Bußgeldkatalog (Stand: 2024):
- Innerorts bis 10 km/h zu schnell: 30 Euro
- Innerorts 11-15 km/h zu schnell: 50 Euro
- Innerorts 16-20 km/h zu schnell: 70 Euro
- Außerorts bis 10 km/h zu schnell: 20 Euro
- Außerorts 11-15 km/h zu schnell: 40 Euro
- Außerorts 16-20 km/h zu schnell: 60 Euro
Diese Angaben sind nur eine grobe Orientierung. Bei höheren Geschwindigkeitsüberschreitungen steigen die Strafen deutlich an. Bei wiederholten Verstößen drohen höhere Bußgelder und Fahrverbote.
Tipps, um nicht geblitzt zu werden
Der beste Weg, um nicht geblitzt zu werden, ist natürlich, sich an die Geschwindigkeitsbegrenzungen zu halten. Hier sind aber noch ein paar zusätzliche Tipps:
- Achten Sie auf die Beschilderung: Die Geschwindigkeitsbegrenzungen sind in Deutschland in der Regel gut ausgeschildert. Achten Sie besonders auf Schilder, die sich auf bestimmte Fahrzeugarten beziehen (z.B. "PKW" oder "Kraftfahrzeuge"). Diese gelten in der Regel auch für Motorräder.
- Nutzen Sie Navigationsgeräte oder Apps: Viele Navigationsgeräte und Smartphone-Apps warnen vor Blitzern. Diese Warnungen sind jedoch nicht immer zuverlässig und sollten nicht als Freifahrtschein für zu schnelles Fahren betrachtet werden.
- Passen Sie Ihre Geschwindigkeit den Straßenverhältnissen an: Auch wenn die Geschwindigkeitsbegrenzung es erlaubt, ist es wichtig, die Geschwindigkeit den Straßenverhältnissen, dem Wetter und dem Verkehrsaufkommen anzupassen.
- Seien Sie besonders aufmerksam in Baustellenbereichen: In Baustellenbereichen gelten oft reduzierte Geschwindigkeitsbegrenzungen. Diese sollten unbedingt beachtet werden.
- Fahren Sie defensiv: Eine defensive Fahrweise hilft, unvorhergesehene Situationen zu vermeiden und die Geschwindigkeit jederzeit kontrollieren zu können.
Was tun, wenn man geblitzt wurde?
Wenn Sie geblitzt wurden, erhalten Sie in der Regel einige Wochen später einen Bußgeldbescheid per Post. Dieser enthält Informationen über den Verstoß, die Höhe des Bußgeldes und gegebenenfalls weitere Sanktionen. Sie haben dann die Möglichkeit, Einspruch gegen den Bescheid einzulegen, wenn Sie der Meinung sind, dass die Messung fehlerhaft war oder andere Gründe vorliegen, die den Verstoß rechtfertigen.
Wichtig: Beachten Sie die Frist für den Einspruch! Diese ist in der Regel kurz bemessen. Es empfiehlt sich, sich im Zweifelsfall rechtlichen Rat einzuholen.
Einspruch gegen den Bußgeldbescheid
Ein Einspruch gegen einen Bußgeldbescheid ist nur in bestimmten Fällen sinnvoll. Mögliche Gründe für einen Einspruch sind:
- Fehlerhafte Messung: Wenn Sie Zweifel an der Richtigkeit der Geschwindigkeitsmessung haben, beispielsweise weil das Messgerät nicht geeicht war oder falsch bedient wurde.
- Falsche Identifizierung: Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie nicht der Fahrer des Motorrads waren, als der Verstoß begangen wurde.
- Notstand: Wenn Sie aufgrund eines Notfalls schneller fahren mussten, beispielsweise um einen Arzt zu erreichen.
Ein Einspruch muss schriftlich und begründet erfolgen. Es empfiehlt sich, Beweismittel beizufügen, die Ihre Argumentation unterstützen. Es ist ratsam, sich vor einem Einspruch von einem Anwalt beraten zu lassen.
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Motorradfahrer in Deutschland durchaus geblitzt werden können, auch wenn die üblichen Frontblitzer aufgrund des fehlenden vorderen Kennzeichens nicht immer zum Einsatz kommen. Heckblitzer, Section Control, mobile Blitzer und Laserpistolen sind jedoch effektive Mittel, um Geschwindigkeitsüberschreitungen zu ahnden.
Die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen und eine aufmerksame Fahrweise sind der beste Schutz vor Bußgeldern und Fahrverboten. Genießen Sie die Fahrt auf unseren Straßen, aber behalten Sie die Verkehrsregeln im Auge! Wir wünschen Ihnen eine sichere und unbeschwerte Motorradtour durch Deutschland!
