Kapp Lüttwitz Putsch Einfach Erklärt
Hallo liebe Reisefreunde! Heute entführe ich euch nicht in ein sonniges Urlaubsparadies oder eine pulsierende Metropole, sondern in ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte: den Kapp-Lüttwitz-Putsch. Klingt erstmal nicht nach Urlaub, ich weiß! Aber keine Sorge, wir werden uns dem Thema auf eine verständliche und, ich hoffe, unterhaltsame Weise nähern. Stellt euch vor, ihr seid auf einer Zeitreise in das Berlin des Jahres 1920 katapultiert – eine Stadt im Chaos, politisch zerrissen und voller unzufriedener Soldaten.
Berlin 1920: Eine Stadt im Ausnahmezustand
Nach dem Ersten Weltkrieg war Deutschland am Boden. Die junge Weimarer Republik, kaum gegründet, kämpfte mit immensen Problemen: Hyperinflation, Arbeitslosigkeit, politische Radikalisierung und demütigende Friedensbedingungen des Versailler Vertrags. Stellt euch vor, ihr schlendert durch die Straßen Berlins. Überall seht ihr Kriegsveteranen, die versuchen, sich wieder in das zivile Leben einzufinden, aber viele sind traumatisiert, frustriert und ohne Perspektive. Die Stimmung ist angespannt, die Luft knistert förmlich vor Unruhe.
Wer waren die Köpfe hinter dem Putsch?
Die beiden Hauptakteure des Putsches waren Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz. Wolfgang Kapp war ein rechtsgerichteter Beamter, ein Nationalist durch und durch. Er war der Meinung, die Weimarer Republik sei ein Verrat an Deutschland und müsse gestürzt werden. Walther von Lüttwitz hingegen war ein General der Reichswehr, ein mächtiger Mann mit vielen Anhängern im Militär. Er teilte Kapps nationalistische Ansichten und war bereit, Gewalt anzuwenden, um seine Ziele zu erreichen. Er befehligte die Reichswehrverbände im Raum Berlin und Brandenburg und hatte somit die militärische Macht, um den Putsch überhaupt erst möglich zu machen.
Diese beiden, Kapp und Lüttwitz, waren also die treibenden Kräfte hinter dem Putsch. Sie sahen sich als Retter Deutschlands, als diejenigen, die das Land vor dem vermeintlichen Chaos der Demokratie bewahren konnten. Aber wer unterstützte sie?
Die Unterstützer des Putsches
Kapp und Lüttwitz waren natürlich nicht allein. Sie konnten auf die Unterstützung verschiedener Gruppen zählen:
- Unzufriedene Reichswehrsoldaten: Viele Soldaten waren mit der Demobilisierung und den Friedensbedingungen unzufrieden. Sie sahen ihre Ehre und ihren Stolz verletzt.
- Nationalistische Kreise: Rechte Parteien und Organisationen träumten von einer autoritären Regierung und der Wiederherstellung des alten Kaiserreiches.
- Landwirte und Großgrundbesitzer: Sie befürchteten Enteignungen und soziale Umwälzungen durch die neue Republik.
Diese Gruppen sahen in Kapp und Lüttwitz Hoffnungsträger, die ihre Interessen vertreten und die "Schmach von Versailles" revidieren würden.
Die Nacht, in der Berlin erwachte
In der Nacht vom 12. auf den 13. März 1920 begann der Putsch. Die Marine-Brigade Ehrhardt, eine stark nationalistische und antidemokratische Einheit unter dem Befehl von Hauptmann Hermann Ehrhardt, marschierte in Berlin ein. Stellt euch vor: Dunkle Gestalten in Uniformen, die mit Gewehren bewaffnet durch die Straßen ziehen. Die Reichswehr, die eigentlich die Regierung schützen sollte, hielt sich zurück oder schloss sich sogar den Putschisten an. Die Regierung unter Reichskanzler Gustav Bauer floh aus Berlin nach Dresden und später nach Stuttgart.
Am Morgen des 13. März erklärte sich Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Die Putschisten besetzten die wichtigsten Regierungsgebäude und versuchten, die Kontrolle über die Stadt zu erlangen. Es herrschte Ausnahmezustand. Die Bevölkerung war verunsichert und wusste nicht, wem sie trauen konnte.
Es war eine Zeit der Verwirrung, der Angst und der Ungewissheit. Niemand wusste, wie es weitergehen würde.
Der Generalstreik: Die Antwort der Bevölkerung
Die legitime Regierung rief zum Generalstreik auf. Und die Bevölkerung reagierte! Arbeiter, Angestellte, Beamte – sie alle legten die Arbeit nieder. Stellt euch vor: Fabriken stehen still, Züge fahren nicht, die Stromversorgung bricht zusammen. Berlin versank im Chaos, aber es war ein Chaos des Widerstands.
Der Generalstreik war ein entscheidender Faktor für das Scheitern des Putsches. Ohne die Unterstützung der Bevölkerung konnten Kapp und Lüttwitz ihre Macht nicht stabilisieren. Die Beamten weigerten sich, ihre Befehle auszuführen, die Banken verweigerten ihnen Kredite, und die Bevölkerung demonstrierte auf den Straßen.
Innerhalb weniger Tage brach der Putsch zusammen. Kapp floh aus Berlin und Lüttwitz trat zurück. Am 17. März kehrte die legitime Regierung nach Berlin zurück.
Das Scheitern und seine Folgen
Der Kapp-Lüttwitz-Putsch war zwar kurz, aber er hatte weitreichende Folgen. Er zeigte die Schwäche der Weimarer Republik und die tiefe Spaltung der Gesellschaft. Er offenbarte auch, dass die Reichswehr kein verlässlicher Garant der Demokratie war.
Die Folgen des Putsches waren vielfältig:
- Gestärkter Arbeiterbewegung: Der Generalstreik hatte gezeigt, welche Macht die Arbeiterbewegung hatte.
- Radikalisierung der politischen Kräfte: Der Putsch trug zur weiteren Radikalisierung der politischen Landschaft bei. Rechte und linke Extremisten gewannen an Einfluss.
- Erhöhte Gewaltbereitschaft: In der Folge des Putsches kam es zu zahlreichen politischen Morden und Attentaten.
Der Kapp-Lüttwitz-Putsch war ein Warnsignal, ein Vorbote der späteren Katastrophe des Nationalsozialismus.
Was können wir heute aus dem Putsch lernen?
Auch wenn der Kapp-Lüttwitz-Putsch ein dunkles Kapitel der deutschen Geschichte ist, so können wir doch etwas daraus lernen. Er zeigt uns, wie wichtig es ist, die Demokratie zu verteidigen, sich gegen Extremismus zu stellen und die Grundwerte unserer Gesellschaft zu schützen. Er erinnert uns daran, dass Freiheit und Demokratie keine Selbstverständlichkeit sind, sondern dass wir jeden Tag dafür kämpfen müssen.
Und was hat das jetzt mit Reisen zu tun? Nun, wenn ihr in Berlin seid, besucht doch mal die Orte, an denen sich der Putsch abgespielt hat. Stellt euch vor, wie es damals war, und denkt darüber nach, wie wichtig es ist, aus der Geschichte zu lernen.
Vielleicht besucht ihr das Reichstagsgebäude, den Ort, an dem die Regierung damals saß. Oder ihr schlendert durch die Wilhelmstraße, wo die Marine-Brigade Ehrhardt einmarschiert ist. Oder ihr besucht das Deutsche Historische Museum, um mehr über die Weimarer Republik zu erfahren.
Empfehlungen für Geschichtsinteressierte in Berlin:
- Deutsches Historisches Museum: Hier findet ihr eine umfassende Ausstellung zur deutschen Geschichte, einschließlich der Weimarer Republik.
- Topographie des Terrors: Diese Gedenkstätte dokumentiert die Verbrechen des NS-Regimes und gibt Einblick in die politische Radikalisierung der Weimarer Republik.
- Reichstagsgebäude: Eine Besichtigung des Reichstags ist ein Muss für jeden Berlin-Besucher. Hier tagt das deutsche Parlament und hier wird Geschichte gemacht.
Ich hoffe, dieser kleine Ausflug in die deutsche Geschichte hat euch gefallen. Auch wenn es kein typischer Reisebericht ist, so ist es doch wichtig, die Geschichte der Orte, die wir besuchen, zu kennen. Denn nur so können wir die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten.
Bis zum nächsten Mal und bleibt neugierig!
