Karl Bühler Organon Modell
Hallo, liebe Sprachfreunde! Habt ihr euch jemals gefragt, was genau passiert, wenn wir miteinander quatschen? Wenn Onkel Herbert beim Grillen lauthals seine Meinung kundtut oder Tante Hildegard mit hochgezogener Augenbraue eine Bemerkung fallen lässt? Da steckt mehr dahinter, als man denkt! Und ein schlauer Kopf namens Karl Bühler hat das Ganze mal so richtig aufgedröselt.
Das Organon-Modell – Die Sprache im Dreiklang
Bühler, dieser Sprachphilosoph, hat uns nämlich das Organon-Modell geschenkt. Klingt kompliziert, ist es aber gar nicht! Stellt euch vor, Sprache ist wie ein Schweizer Taschenmesser (oder vielleicht eher wie ein gut sortierter Werkzeugkoffer für Kommunikations-Bastler). Es hat verschiedene Funktionen, die alle gleichzeitig wirken. Bühler hat drei Hauptfunktionen identifiziert, die wie ein Dreieck miteinander verbunden sind. Klingt nach Geometrie-Unterricht, aber versprochen, es wird lustiger!
Die Darstellungsfunktion – Fakten, Fakten, Fakten (oder so ähnlich)
Das ist die Funktion, bei der es um die reine Information geht. Stell dir vor, du sagst: „Der Himmel ist blau.“ (Okay, zugegeben, manchmal ist er eher grau, aber wir wollen ja mal nicht kleinlich sein!). Du beziehst dich auf etwas in der Welt da draußen, auf einen Gegenstand. Die Sprache stellt also etwas dar. Ob das jetzt immer die knallharte Wahrheit ist, sei mal dahingestellt. Onkel Herbert kann ja auch behaupten: "Das Steak ist perfekt!" während es in Wirklichkeit eher einer Schuhsohle ähnelt. Trotzdem, es geht um die Intention, etwas abzubilden.
Die Ausdrucksfunktion – Gefühlsausbruch ahoi!
Hier wird's emotional! Sprache ist nicht nur dazu da, Fakten zu präsentieren, sondern auch, um unsere Gefühle, unsere innere Welt auszudrücken. Wenn du also schreist: „Aua, das ist heiß!“, dann beziehst du dich nicht nur auf die Temperatur des Grills (Darstellung), sondern auch auf deinen Schmerz (Ausdruck!). Du gibst etwas von dir preis, zeigst deine Befindlichkeit. Tante Hildegards hochgezogene Augenbraue drückt also nicht nur Skepsis gegenüber Onkel Herberts Grillkünsten aus, sondern auch ihren eigenen, subtilen Unmut.
Die Appellfunktion – Du sollst! Du musst! Du wirst!
Die dritte Funktion ist die Appellfunktion, und die ist besonders spannend. Sprache will etwas bewirken! Sie will uns zum Handeln auffordern, uns beeinflussen. Wenn Onkel Herbert also sagt: "Hol mal das Bier!", dann will er nicht nur die Tatsache feststellen, dass kein Bier da ist (Darstellung), und seine möglicherweise vorhandene Durst (Ausdruck) kundtun, sondern er will, dass DU das Bier holst! Er appelliert an dich. Und wenn Tante Hildegard sagt: "Vielleicht solltest du das Steak mal wenden...", dann ist das auch ein Appell, wenn auch ein sehr subtiler.
Das Ganze im großen Stil
Das Bühlersche Organon-Modell ist aber mehr als nur eine nette Theorie. Es hilft uns zu verstehen, wie komplex Kommunikation wirklich ist. Jede Aussage, jede Geste, jedes Wort trägt diese drei Funktionen in sich – mal mehr, mal weniger betont. Wenn der Chef sagt: "Wir müssen effizienter arbeiten!", dann ist das eine Darstellung der aktuellen Situation (angeblich), ein Ausdruck seiner Besorgnis (vielleicht) und ein Appell an die Mitarbeiter, sich mehr anzustrengen (definitiv!).
Es ist wie ein Orchester. Die Darstellungsfunktion ist die Melodie, der Ausdruck die Emotion und der Appell der Rhythmus, der uns zum Tanzen oder eben zum Handeln bringt. Und manchmal, ja manchmal klingt das Ganze auch wie ein ziemliches Durcheinander, besonders wenn Onkel Herbert, Tante Hildegard und der Chef gleichzeitig reden.
Aber keine Sorge, mit dem Organon-Modell im Hinterkopf können wir die Kakophonie des Alltags besser verstehen und vielleicht sogar ein bisschen mehr Harmonie in die Kommunikation bringen. Also, auf geht's, analysiert die Gespräche um euch herum und entdeckt die kleinen, feinen Unterschiede. Wer weiß, vielleicht werdet ihr ja die nächsten Sprachdetektive!
Sprache ist ein Werkzeug, ein Ausdrucksmittel und ein Appell zugleich. – Karl Bühler (ungefähr)
