Kassiererin Hat Zu Wenig Berechnet
Oh, die Kassiererin hat zu wenig berechnet. Sagen wir mal, das ist mir... passiert. Ich gebe es zu. Und wisst ihr was? Ich habe es nicht bemerkt. Zumindest, nicht sofort.
Ich stehe da also, mit meinem Einkaufswagen voll mit – sagen wir mal – lebensnotwendigen Dingen (Schokolade zählt dazu, oder?). Die Summe erscheint auf dem Display. Sie scheint... niedrig. Sehr niedrig. Aber mein Gehirn schaltet in den Sparmodus. "Super Angebot!", denkt es. "Heute ist mein Glückstag!".
Ich bezahle. Freundlich lächelnd. So freundlich, dass man meinen könnte, ich habe gerade im Lotto gewonnen. Vielleicht habe ich das ja auch, im Lotto des vergesslichen Kassenpersonals.
Der Moment der Erkenntnis
Erst zu Hause, beim Auspacken, kommt der Schlag. Eine Flasche Wein fehlt auf der Rechnung! Die teuerste! Die, die ich mir eigentlich nicht leisten konnte, aber trotzdem gekauft habe, weil ich mir nach dieser anstrengenden Woche etwas gönnen wollte.
Ich stehe da, mit der Flasche in der Hand. Ein schlechtes Gewissen nagt. Aber ganz leise. Sehr, sehr leise. Es ist mehr so ein "Ach, das war bestimmt ein Versehen" – Gewissen. Und dann kommt der Teufel auf meiner Schulter ins Spiel.
Die Versuchung
"Du kannst das doch jetzt nicht zurückbringen!" flüstert er. "Was sollen die denn denken? Die halten dich für doof! Und außerdem... die Schlange an der Kasse! Denk an die Schlange!"
Und er hat recht. Die Schlange an der Kasse! Ein Alptraum. Jeder einzelne Blick der ungeduldigen Wartenden, der sich in dein Gewissen bohrt. Nein, danke.
Und dann kommt die Überlegung: Die großen Supermarktketten... die haben es doch. Die verdienen genug. Ein bisschen Schwund ist immer. Das ist ja fast schon eine Umverteilung des Kapitals, quasi eine kleine Revolution im Einkaufswagenformat.
"Moral ist gut, Kontrolle ist besser," sagt man so schön. Und in diesem Fall war die Kontrolle wohl etwas... mangelhaft.
Meine Unbeliebte Meinung
Hier kommt meine unbeliebte Meinung: Ich finde, in so einem Fall darf man auch mal "Pech gehabt" sagen. Zumindest, wenn es um Cent-Beträge geht. Oder eben um eine Flasche Wein, die man sich "eigentlich" nicht leisten konnte. Natürlich sollte man ehrlich sein. Immer! Aber... wenn es unbemerkt bleibt? Ist es dann wirklich so schlimm?
Klar, ich weiß, was jetzt kommt. "Ehrlich währt am längsten!" und "Man muss auch mal Verantwortung übernehmen!". Stimmt ja alles. Aber sind wir mal ehrlich: Wer von uns hat noch nie davon profitiert, dass jemand anderes einen Fehler gemacht hat?
Vielleicht ist es auch einfach nur die Rechtfertigung für mein schlechtes Gewissen. Vielleicht bin ich ein schlechter Mensch. Aber hey, wenigstens habe ich jetzt eine gute Story und eine Flasche Wein. Und das ist doch auch was wert, oder?
Und vielleicht... nur vielleicht... werde ich beim nächsten Mal etwas genauer auf die Rechnung schauen. Vielleicht. Aber versprechen kann ich nichts.
Andererseits... wenn die Kassiererin wieder zu wenig berechnet... wer bin ich schon, um das Universum zu korrigieren?
Ich meine, Kassiererfehler sind ja auch nur menschlich, oder? Und manchmal... manchmal sind sie eben ein kleiner Segen. Ein Segen im Einkaufswagenformat.
Ich gehe jetzt mal die "zu günstig" erworbene Flasche Wein öffnen. Prost!
