Kehlmann Die Vermessung Der Welt
Hallo liebe Weltenbummler und Bücherwürmer! Heute entführe ich euch nicht an einen konkreten Ort, sondern in ein Buch, das mich auf eine ganz besondere Reise mitgenommen hat: Daniel Kehlmanns Die Vermessung der Welt. Vielleicht klingt das erstmal nach trockener Mathematik und staubigen Archiven, aber lasst euch nicht täuschen! Dieses Buch ist ein Feuerwerk an Witz, Originalität und historischem Scharfsinn – perfekt für alle, die sich gerne von einer guten Geschichte inspirieren lassen.
Meine Begegnung mit Gauss und Humboldt
Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich Die Vermessung der Welt das erste Mal in die Hand nahm. Ich war in einer kleinen Buchhandlung in Wien, auf der Suche nach Lesestoff für meinen Sommerurlaub. Das Cover – ein stilisiertes Porträt zweier Herren in altmodischer Kleidung – hatte etwas Anziehendes. Und der Klappentext versprach eine ungewöhnliche Geschichte über zwei der größten Köpfe Deutschlands: Carl Friedrich Gauss, den genialen Mathematiker, und Alexander von Humboldt, den unermüdlichen Naturforscher und Entdecker.
Gauss, der zu Hause am Schreibtisch die Welt mit mathematischen Formeln erobert, und Humboldt, der unerschrocken durch die entlegensten Winkel der Erde reist – diese beiden Charaktere, so unterschiedlich und doch so verbunden durch ihren unstillbaren Wissensdurst, haben mich sofort fasziniert. Kehlmann gelingt es auf meisterhafte Weise, ihre Persönlichkeiten zum Leben zu erwecken, mit all ihren Stärken und Schwächen.
Gauss: Das Genie am Schreibtisch
Gauss, der wahre Meister der Zahlen, wird von Kehlmann als ein exzentrischer Eigenbrötler dargestellt. Er verbringt sein Leben am liebsten in seinem Studierzimmer in Göttingen, versunken in mathematische Probleme. Seine Frau findet er eher lästig, und seine Söhne behandelt er wie lebende Rechenmaschinen. Trotzdem (oder gerade deswegen?) ist er ein unglaublich faszinierender Charakter. Seine Genialität ist unbestritten, und Kehlmann macht deutlich, wie revolutionär seine Ideen für die moderne Wissenschaft waren. Er hat die Welt tatsächlich vermessen, wenn auch auf eine ganz andere Art und Weise als Humboldt.
Ich fand es besonders amüsant zu lesen, wie Gauss sich mit den praktischen Dingen des Lebens schwer tut. Er ist so sehr in seiner Welt der Zahlen gefangen, dass er manchmal den Bezug zur Realität verliert. Einmal, so wird erzählt, hat er ein Ei gegessen, ohne zu bemerken, dass es faul war. Solche Anekdoten machen Gauss menschlich und nahbar, trotz seiner übermenschlichen Intelligenz.
Humboldt: Der Abenteurer und Naturforscher
Im Gegensatz zu Gauss ist Humboldt ein Mann der Tat. Er ist getrieben von einem unstillbaren Forscherdrang und reist unermüdlich durch die Welt, um neue Länder zu entdecken, Pflanzen und Tiere zu erforschen und die Geheimnisse der Natur zu ergründen. Seine Reisen führen ihn nach Südamerika, Russland und in viele andere entlegene Regionen. Er klettert auf Vulkane, durchquert den Urwald und riskiert sein Leben für die Wissenschaft.
Humboldt ist ein wahrer Tausendsassa. Er ist nicht nur ein begnadeter Naturforscher, sondern auch ein talentierter Zeichner, ein begabter Schriftsteller und ein leidenschaftlicher Redner. Er begeistert die Menschen für seine Ideen und inspiriert sie zu neuen Entdeckungen. Kehlmann schildert ihn als einen rastlosen Geist, der immer auf der Suche nach neuen Erkenntnissen ist.
Besonders beeindruckt hat mich Humboldts ganzheitlicher Ansatz. Er betrachtet die Natur nicht als eine Ansammlung isolierter Phänomene, sondern als ein komplexes Ökosystem, in dem alles miteinander verbunden ist. Seine Erkenntnisse waren wegweisend für die moderne Ökologie und sind heute aktueller denn je.
Ein humorvoller Blick auf die Wissenschaft
Was Die Vermessung der Welt so besonders macht, ist Kehlmanns humorvoller Schreibstil. Er nimmt die beiden Protagonisten und ihre wissenschaftlichen Obsessionen auf die Schippe, ohne sie dabei lächerlich zu machen. Er zeigt, dass auch Genies ihre Macken haben und dass die Wissenschaft nicht immer todernst sein muss. Viele Passagen des Buches sind einfach urkomisch und haben mich zum Lachen gebracht.
Ein Beispiel dafür ist die Szene, in der Gauss und Humboldt sich zum ersten Mal treffen. Die beiden sind so sehr mit sich selbst und ihren eigenen Forschungen beschäftigt, dass sie kaum miteinander kommunizieren können. Es entsteht ein absurder Dialog, in dem jeder nur das sagt, was ihm gerade in den Sinn kommt, ohne auf den anderen einzugehen. Diese Szene ist nicht nur witzig, sondern auch eine treffende Charakterisierung der beiden Protagonisten.
"Gauss: Die nicht-euklidische Geometrie, mein Herr, ist der Schlüssel zum Verständnis des Universums. Humboldt: Ich habe gerade einen neuen Käfer entdeckt, der noch nie zuvor beschrieben wurde."
Reiseinspiration aus dem 19. Jahrhundert
Obwohl Die Vermessung der Welt kein klassischer Reiseführer ist, hat mich das Buch dennoch zu einigen meiner eigenen Reisen inspiriert. Nach der Lektüre hatte ich das dringende Bedürfnis, die Orte zu besuchen, an denen Humboldt geforscht hat. Ich träumte davon, den Chimborazo in Ecuador zu besteigen oder den Orinoco in Venezuela zu befahren. Auch wenn ich diese Träume bisher noch nicht verwirklichen konnte, so hat das Buch doch meine Reiselust geweckt und mich dazu angeregt, die Welt mit neuen Augen zu sehen.
Das Buch hat mich auch dazu gebracht, mich intensiver mit der Geschichte der Wissenschaft auseinanderzusetzen. Ich habe angefangen, Biografien von anderen berühmten Forschern und Entdeckern zu lesen und mich für die wissenschaftlichen Errungenschaften des 19. Jahrhunderts zu interessieren. Die Vermessung der Welt ist also nicht nur ein unterhaltsames Buch, sondern auch eine inspirierende Quelle für neues Wissen.
Mein Fazit: Ein Muss für alle Reiseliebhaber und Wissbegierigen
Ich kann Die Vermessung der Welt von Daniel Kehlmann allen Reiseliebhabern und Wissbegierigen wärmstens empfehlen. Das Buch ist nicht nur spannend und unterhaltsam, sondern auch lehrreich und inspirierend. Es entführt euch in eine vergangene Zeit, in der die Welt noch voller Geheimnisse war und die Wissenschaftler zu wahren Abenteurern wurden. Und wer weiß, vielleicht weckt es ja auch in euch die Lust, selbst auf Entdeckungsreise zu gehen und die Welt zu vermessen – sei es mit dem Flugzeug, dem Zug oder einfach nur mit einem guten Buch.
Also, packt eure Koffer, schnappt euch eine Ausgabe von Die Vermessung der Welt und lasst euch von Gauss und Humboldt auf eine unvergessliche Reise mitnehmen! Ihr werdet es nicht bereuen!
