Killing An Elephant George Orwell
George Orwells Essay "Shooting an Elephant" (auf Deutsch üblicherweise als "Einen Elefanten erschießen" übersetzt) ist eine vielschichtige und oft diskutierte Erzählung über die Bürde des Imperialismus, den inneren Konflikt zwischen persönlicher Moral und öffentlichem Druck sowie die psychologischen Auswirkungen von Macht und Ohnmacht. Für Expatriates, Neuankömmlinge und alle, die sich für eine fundierte Analyse dieses Werkes interessieren, bietet dieser Artikel eine detaillierte Auseinandersetzung mit den wichtigsten Aspekten der Geschichte.
Hintergrund und Kontext
Die Geschichte spielt im kolonialen Burma, wo Orwell als Unterbezirksbeamter für die indische Imperialpolizei tätig war. Diese Position brachte ihn in direkten Kontakt mit der Kluft zwischen den imperialistischen Zielen der britischen Regierung und der Realität des Lebens in einer kolonisierten Gesellschaft. Orwell selbst hegte eine wachsende Abneigung gegen den Imperialismus und seine Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. "Shooting an Elephant" kann somit als autobiografische Erzählung betrachtet werden, die seine persönlichen Erfahrungen und inneren Kämpfe widerspiegelt.
Die Handlung im Detail
Die Geschichte beginnt mit der Beschreibung der feindseligen Atmosphäre, die Orwell in seiner Rolle als Polizist erlebt. Er wird von der lokalen Bevölkerung verachtet, die ihn als Vertreter einer verhassten Kolonialmacht betrachtet. Orwell selbst ist hin- und hergerissen zwischen seiner Pflicht, die britische Autorität zu wahren, und seinem wachsenden Mitgefühl für die burmesische Bevölkerung.
Der zentrale Konflikt der Geschichte entsteht, als ein Arbeitselefant Amok läuft. Der Elefant, der zuvor zahm und für die Arbeit eingesetzt wurde, hat seinen Mahut (Elefantenführer) getötet und verwüstet nun den Basar. Orwell wird gerufen, um die Situation zu handhaben. Er nimmt eine Elefantengewehr und macht sich auf den Weg, um den Elefanten zu finden.
Als Orwell den Elefanten findet, hat sich dieser beruhigt und grast friedlich auf einem Feld. Orwell erkennt, dass der Elefant keine unmittelbare Bedrohung mehr darstellt. Dennoch hat sich bereits eine große Menschenmenge versammelt, die von ihm erwartet, den Elefanten zu töten. Diese Erwartung, kombiniert mit dem Wunsch, sein Gesicht vor der Menge zu wahren, setzt Orwell unter enormen Druck.
Obwohl er innerlich widerstrebt, entscheidet sich Orwell, den Elefanten zu erschießen. Er weiß, dass es moralisch falsch ist, ein Tier zu töten, das keine Gefahr darstellt, aber er fürchtet sich vor der Lächerlichkeit und dem Gesichtsverlust, wenn er die Erwartungen der Menge enttäuscht.
Der eigentliche Akt des Erschiessens wird detailliert und grafisch beschrieben. Orwell ist sich der Ineffektivität seiner Schüsse bewusst und muss den Elefanten mehrmals treffen, bevor dieser stirbt. Der Todeskampf des Elefanten ist qualvoll und dauert lange. Orwell wird Zeuge des langsamen und schmerzhaften Sterbens des Tieres und spürt die Tragweite seiner Entscheidung.
Themen und Interpretationen
Die Geschichte ist reich an Themen und Interpretationen. Zu den wichtigsten gehören:
Der Imperialismus und seine Auswirkungen
Der Imperialismus ist das zentrale Thema der Geschichte. Orwell zeigt, wie der Imperialismus sowohl die Kolonisatoren als auch die Kolonisierten korrumpiert. Er betont die Kluft zwischen den idealisierten Vorstellungen von Zivilisation und Fortschritt, die mit dem Imperialismus verbunden sind, und der brutalen Realität der Unterdrückung und Ausbeutung. Orwell selbst wird zum Opfer des Systems, da er gezwungen ist, eine Handlung zu begehen, die seinen moralischen Überzeugungen widerspricht.
Die Bürde der Macht
Orwell schildert, wie Macht eine Bürde sein kann, insbesondere in einem imperialistischen Kontext. Er ist gefangen zwischen den Erwartungen der britischen Regierung und dem Misstrauen der burmesischen Bevölkerung. Er fühlt sich machtlos und wird von den Umständen kontrolliert, anstatt sie zu kontrollieren. Die Macht, die er als Beamter ausübt, ist letztendlich eine Illusion, da er von den Erwartungen der Menge und den Zwängen des Systems bestimmt wird.
Moralische Kompromisse und Gesichtsverlust
Die Geschichte thematisiert die moralischen Kompromisse, die Menschen eingehen, um ihr Gesicht zu wahren und gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen. Orwell opfert seine eigene Moral, um nicht als Feigling oder Schwächling dazustehen. Er verdeutlicht, wie der Druck der Gruppe und die Angst vor Lächerlichkeit zu Handlungen führen können, die man später bereut. Der Wunsch nach Anerkennung und Akzeptanz kann die moralische Urteilskraft trüben.
Die Psychologischen Auswirkungen von Gewalt
Orwell beschreibt die psychologischen Auswirkungen von Gewalt sowohl auf den Täter als auch auf das Opfer. Die detaillierte Beschreibung des Todeskampfes des Elefanten verdeutlicht die Brutalität und Sinnlosigkeit der Gewalt. Orwell wird von Schuldgefühlen und Reue geplagt, nachdem er den Elefanten getötet hat. Die Erfahrung hinterlässt einen tiefen Eindruck auf ihn und verstärkt seine Ablehnung des Imperialismus.
Stil und Sprachliche Mittel
Orwells Schreibstil ist klar, präzise und schonungslos ehrlich. Er verwendet eine einfache, aber wirkungsvolle Sprache, um die Ereignisse zu beschreiben und die Emotionen der Charaktere zu vermitteln. Die detaillierten Beschreibungen des Elefanten und seines Todeskampfes sind besonders eindrücklich und tragen zur emotionalen Wirkung der Geschichte bei. Orwell verwendet auch Ironie, um die Absurdität und Heuchelei des Imperialismus zu verdeutlichen.
Die Relevanz für Expatriates und Neuankömmlinge
Die Geschichte "Shooting an Elephant" ist besonders relevant für Expatriates und Neuankömmlinge in fremden Ländern. Sie wirft Fragen nach der Rolle des Einzelnen in einer fremden Kultur auf und fordert dazu auf, die eigenen Handlungen kritisch zu hinterfragen. Die Geschichte verdeutlicht, wie leicht man in moralische Dilemmata geraten kann, wenn man mit unterschiedlichen Wertvorstellungen und kulturellen Normen konfrontiert wird. Sie mahnt zur Sensibilität und zum Respekt gegenüber der lokalen Bevölkerung und ihrer Kultur.
Schlussfolgerung
"Shooting an Elephant" ist ein zeitloses Werk, das auch heute noch zur Reflexion über Macht, Moral und die Auswirkungen des Imperialismus anregt. Die Geschichte ist ein eindringliches Plädoyer für die Achtung der Menschenwürde und die Ablehnung von Unterdrückung und Gewalt. Für Expatriates und Neuankömmlinge bietet sie eine wertvolle Perspektive auf die Komplexität des Lebens in einer fremden Kultur und die Notwendigkeit, sich kritisch mit den eigenen Werten und Überzeugungen auseinanderzusetzen. Durch das Verständnis der zentralen Themen und der subtilen Nuancen dieser Erzählung, können Leser ein tieferes Verständnis für die Herausforderungen und Verantwortlichkeiten entwickeln, die mit dem Leben und Arbeiten in einem fremden Land verbunden sind. Die persönliche Integrität sollte stets Vorrang vor dem Wunsch nach Anerkennung oder dem Druck der Umstände haben.
