Kind 17 Monate Sehr Anstrengend
Viele Eltern erleben die Zeit um den 17. Lebensmonat ihres Kindes als besonders herausfordernd. Diese Phase, oft als "Trotzphase" oder "Autonomiephase" bezeichnet, ist ein wichtiger Entwicklungsschritt, kann aber auch zu Frustration und Stress im Familienalltag führen. Dieser Artikel soll Ihnen helfen, die typischen Verhaltensweisen eines 17 Monate alten Kindes zu verstehen, Strategien zur Bewältigung schwieriger Situationen zu entwickeln und die positiven Aspekte dieser Entwicklungsphase zu erkennen.
Was passiert im Alter von 17 Monaten?
Mit 17 Monaten sind Kinder in einem rasanten Entwicklungsprozess. Sie sind nicht mehr die hilflosen Babys von einst, sondern kleine Persönlichkeiten, die ihre Unabhängigkeit entdecken und ausleben wollen. Dies äußert sich in verschiedenen Bereichen:
Motorische Entwicklung:
Die meisten Kinder in diesem Alter laufen sicher und erkunden ihre Umgebung mit großer Begeisterung. Sie klettern auf Möbel, versuchen, Treppen zu steigen (immer unter Aufsicht!) und lieben es, Dinge zu schieben oder zu ziehen. Ihre Feinmotorik verbessert sich ebenfalls, was sich im Malen mit Stiften, dem Stapeln von Bauklötzen und dem Essen mit einem Löffel zeigt, auch wenn es noch nicht immer ganz sauber abläuft.
Sprachliche Entwicklung:
Der Wortschatz eines 17 Monate alten Kindes erweitert sich stetig. Viele Kinder sprechen bereits einige einzelne Wörter und verstehen einfache Anweisungen. Sie beginnen, Zwei-Wort-Sätze zu bilden, wie z.B. "Mama komm" oder "Ball weg". Auch wenn sie noch nicht alles aussprechen können, verstehen sie viel mehr, als man denkt. Kommunikation ist der Schlüssel: Sprechen Sie klar und deutlich mit Ihrem Kind, benennen Sie Gegenstände und beschreiben Sie, was Sie tun. Das fördert die Sprachentwicklung.
Sozial-emotionale Entwicklung:
Dies ist der Bereich, der oft die größten Herausforderungen mit sich bringt. 17 Monate alte Kinder entwickeln ein starkes Gefühl für ihren eigenen Willen und ihre Autonomie. Sie wollen selbst entscheiden, was sie anziehen, was sie essen und womit sie spielen. Wenn ihre Wünsche nicht erfüllt werden, kann es zu Wutanfällen, Schreien und Trotzen kommen. Dieses Verhalten ist normal und ein Zeichen dafür, dass Ihr Kind lernt, seine eigenen Bedürfnisse zu erkennen und auszudrücken. Sie beginnen, Emotionen wie Freude, Trauer, Wut und Angst intensiver zu erleben und zu zeigen. Auch Eifersucht, besonders wenn ein neues Geschwisterchen da ist, kann in diesem Alter auftreten.
Warum ist diese Phase so anstrengend?
Die Kombination aus dem starken Drang nach Selbstständigkeit, der begrenzten Sprachfähigkeit und der intensiven Gefühlswelt macht diese Phase für Eltern oft sehr anstrengend. Kinder können ihre Bedürfnisse und Wünsche noch nicht klar kommunizieren, was zu Frustration auf beiden Seiten führt. Hinzu kommt, dass sie die Konsequenzen ihres Handelns noch nicht vollständig verstehen und daher Regeln und Grenzen oft in Frage stellen. Das ständige "Nein", das wiederholte Wiederholen von Anweisungen und die häufigen Wutanfälle können die Nerven der Eltern strapazieren. Es ist wichtig zu verstehen, dass dieses Verhalten kein Ausdruck von Boshaftigkeit ist, sondern ein notwendiger Schritt in der Entwicklung.
Strategien für den Umgang mit einem 17 Monate alten Kind:
Auch wenn es anstrengend ist, gibt es viele Strategien, die Ihnen helfen können, diese Phase zu meistern:
Geduld und Verständnis:
Das Wichtigste ist, Geduld zu bewahren und zu versuchen, die Welt aus der Perspektive Ihres Kindes zu sehen. Versuchen Sie zu verstehen, warum Ihr Kind sich so verhält, wie es sich verhält. Ist es müde, hungrig, überfordert oder einfach nur frustriert, weil es etwas nicht kann? Wenn Sie die Ursache des Verhaltens erkennen, können Sie besser darauf reagieren.
Klare und einfache Regeln:
Kinder in diesem Alter brauchen klare und einfache Regeln, die sie verstehen können. Erklären Sie die Regeln in kurzen, verständlichen Sätzen und wiederholen Sie sie regelmäßig. Seien Sie konsequent in der Durchsetzung der Regeln, aber bieten Sie gleichzeitig Alternativen an. Wenn Ihr Kind beispielsweise nicht mit dem Essen spielen darf, bieten Sie ihm anderes Spielzeug an, mit dem es sich beschäftigen kann.
Wählen Sie Ihre Kämpfe:
Nicht jeder Konflikt muss ausdiskutiert werden. Manchmal ist es besser, nachzugeben oder eine andere Lösung zu finden, um unnötige Auseinandersetzungen zu vermeiden. Fragen Sie sich, ob es wirklich wichtig ist, dass Ihr Kind genau dieses Kleidungsstück trägt oder ob es nicht auch eine andere Option gibt. Oft können Sie Ihrem Kind die Entscheidung überlassen, indem Sie ihm zwei Alternativen anbieten, z.B. "Möchtest du lieber den blauen oder den roten Pullover anziehen?".
Bieten Sie Wahlmöglichkeiten:
Wie bereits erwähnt, lieben Kinder in diesem Alter das Gefühl, selbst Entscheidungen treffen zu können. Bieten Sie ihnen daher im Alltag so oft wie möglich Wahlmöglichkeiten an. Das gibt ihnen das Gefühl, Kontrolle zu haben und reduziert die Wahrscheinlichkeit von Trotzanfällen. Beispiele: "Möchtest du zuerst Zähne putzen oder Haare kämmen?", "Möchtest du lieber Äpfel oder Bananen essen?".
Ablenkung:
Wenn Ihr Kind kurz vor einem Wutanfall steht, kann Ablenkung oft Wunder wirken. Bieten Sie ihm etwas Interessantes an, singen Sie ein Lied, machen Sie ein lustiges Geräusch oder zeigen Sie ihm etwas Neues. Oft reicht schon eine kleine Unterbrechung, um die Situation zu entschärfen.
Positive Verstärkung:
Loben Sie Ihr Kind für gutes Verhalten und positive Entwicklungen. Das stärkt sein Selbstbewusstsein und motiviert es, sich weiterhin positiv zu verhalten. Achten Sie darauf, Ihr Lob konkret zu formulieren, z.B. "Ich finde es toll, wie du deine Spielsachen aufgeräumt hast!" anstatt nur "Gut gemacht!".
Auszeiten für Eltern:
Vergessen Sie nicht, auch auf sich selbst zu achten. Die Betreuung eines 17 Monate alten Kindes ist anstrengend und zehrt an den Kräften. Nehmen Sie sich regelmäßig Auszeiten, um sich zu entspannen und neue Energie zu tanken. Bitten Sie Ihren Partner, Freunde oder Verwandte um Unterstützung oder nutzen Sie professionelle Betreuungsangebote. Ein entspannter Elternteil ist ein besserer Elternteil.
Die Bedeutung von Routinen:
Regelmäßige Routinen geben Kindern Sicherheit und Orientierung. Feste Essenszeiten, Schlafenszeiten und Spielzeiten helfen ihnen, sich im Alltag zurechtzufinden und reduzieren Stress. Wenn Kinder wissen, was als nächstes passiert, fühlen sie sich sicherer und sind weniger anfällig für Wutanfälle.
Die Wut des Kindes begleiten:
Versuchen Sie nicht, die Wut Ihres Kindes zu unterdrücken. Es ist wichtig, dass es lernt, seine Gefühle auszuleben, solange es sich selbst oder andere nicht gefährdet. Bleiben Sie ruhig und bieten Sie Ihrem Kind Ihre Nähe an. Manchmal hilft es, das Kind einfach nur in den Arm zu nehmen und zu trösten, bis der Anfall vorüber ist. Vermeiden Sie es, in diesem Moment zu diskutieren oder zu schimpfen. Das verstärkt die Situation nur noch.
Professionelle Hilfe suchen:
Wenn Sie das Gefühl haben, mit der Situation überfordert zu sein, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe zu suchen. Es gibt viele Beratungsstellen und Therapeuten, die Ihnen und Ihrem Kind helfen können, schwierige Situationen zu bewältigen. Auch der Austausch mit anderen Eltern in Elterngruppen oder Online-Foren kann hilfreich sein.
Die positiven Seiten der Autonomiephase
Auch wenn die Zeit um den 17. Lebensmonat anstrengend sein kann, ist sie auch eine sehr wichtige und spannende Phase in der Entwicklung Ihres Kindes. Es lernt, seinen eigenen Willen zu entwickeln, seine Bedürfnisse auszudrücken und sich selbstständig zu machen. Diese Fähigkeiten sind essenziell für seine zukünftige Entwicklung. Versuchen Sie, die positiven Aspekte dieser Phase zu sehen und die Fortschritte Ihres Kindes zu würdigen. Genießen Sie die kleinen Momente des Glücks und die neuen Erfahrungen, die Sie gemeinsam machen.
Denken Sie daran, dass jedes Kind anders ist und sich in seinem eigenen Tempo entwickelt. Was für das eine Kind funktioniert, muss nicht unbedingt auch für das andere Kind gelten. Seien Sie flexibel und passen Sie Ihre Strategien an die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes an. Mit Geduld, Verständnis und Liebe können Sie diese herausfordernde, aber auch bereichernde Phase gemeinsam meistern.
Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine professionelle Beratung. Bei spezifischen Fragen oder Problemen wenden Sie sich bitte an einen Arzt, Therapeuten oder eine andere qualifizierte Fachkraft.
